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Kultur

Turin - die Fehlentscheidung des IOC

Ciao Torino - das waren sie also, die 20. Olympischen Winterspiele. Und - nein, es waren definitiv nicht die besten Spiele aller Zeiten, wie IOC-Präsidenten am Ende so gerne behaupten. Wolfgang van Kann zieht Bilanz.

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Wunderbare Kulisse,
wenige Zuschauer

Sicher, wir haben wieder spannende Wettkämpfe gesehen, erwartete und unerwartete Sieger gefeiert und Favoritenstürze erlebt. Doch wonach wir Zuschauer, aber auch viele Athleten vergeblich gesucht haben, war das olympische Flair, der viel beschworene Olympische Geist.

Verschreckt wurde der Olympische Geist natürlich auch durch den Dopingfall um die österreichischen Biathleten und Skilangläufer. Doch so viel Staub dieser Fall auch aufgewirbelt hat und so dringend nötig eine umfassende Aufarbeitung und folgende Konsequenzen auch sind - wir reden hier von einem guten Dutzend Athleten bei über 2500 Teilnehmern und bewegen uns damit im Promillebereich - von Dopingspielen kann also im Zusammenhang mit Turin wirklich nicht die Rede sein.

Weite Wege, viel Matsch

Nein, der Olympische Geist hat in erster Linie davor kapituliert, dass das Internationale Olympische Komitee mit der Vergabe der Spiele an Turin schlicht und einfach eine Fehlentscheidung getroffen hat. Die größten Befürchtungen, die Skeptiker schon im Vorfeld hatten, sind leider vollends eingetreten. Bei mehreren Stunden Fahrzeit zwischen dem nominellen Olympiaort Turin und den eigentlichen Wettkampfstätten sowie einem ständigen Verkehrschaos sind die Fans lieber zu Hause vor dem Fernseher geblieben - nicht wenige Athleten beklagten, bei normalen Weltcupwettbewerben sei die Stimmung besser.

Dass die Olympischen Spiele praktisch auf einer Baustelle stattfanden, trug ebenfalls nicht gerade zur Aufhellung der Stimmung bei. Unfertige Wettkampfstätten, unbefestigte Wege und Matsch, wohin das Auge reicht, bestimmten das Bild - mochten uns die Fernsehbilder auch noch so sehr mit idyllischen Winterlandschaften verwöhnen.

Hoffnung auf mehr Interesse in Vancouver

Die Lage wurde auch nicht gerade dadurch besser, dass die anwesenden italienischen Zuschauer sich fast ausschließlich für ihre Landsleute interessierten - Fahnenträgerin Kati Wilhelm wunderte sich schon sehr darüber, dass es beim Einmarsch nicht einmal Applaus gab. Dass das Essen oft unzulänglich war und die Helfer nur eine Sprache beherrschten - nämlich ihre eigene - war da nur noch der letzte Tropfen auf ein eh schon übervolles Fass.

Ciao Torino - und nicht auf Wiedersehen, jedenfalls nicht bei Olympischen Spielen. Was bleibt? Nur die Hoffnung, dass das IOC mit der Vergabe der Winterspiele 2010 an Vancouver, wo die Wettkampfstätten auch zwei Autostunden vom Olympiaort entfernt sein werden, nicht wieder eine Fehlentscheidung getroffen hat.

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