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Wissen & Umwelt

Turbo-Laser trennen Plastikmüll

Es ist eine der fortschrittlichsten Recycling-Technologien: Ein optisches Laser-System, das Kunststoffe aus Plastikflaschen vollständig verwertet. Die Karlsruher Erfinder erobern mit ihrer Anlage weltweit den Markt.

Kunststoffpartikel für Recycling (Foto: Ansgar Pudenz)

Die geschredderten Flaschen werden nach Farben sortiert

Es geht blitzschnell: Die geschredderten Plastikflaschen rauschen durch einen riesigen Edelstahltrichter über mehrere Rutschen wie ein Wasserfall in die Tiefe. Dort treffen sie auf Laserstrahlen, die mit einem Tempo von 10.000 Kilometern pro Stunde an einer Leiste entlang rasen. Alle Teilchen werden beleuchtet und anhand ihres optischen Fingerabdrucks analysiert. "Schlechte" Teile wie PVC, Silikon oder verschmutzte Materialien werden von vornherein aussortiert. Übrig bleibt ein Wertstoff, der zu 100 Prozent für neue Flaschen verwendbar ist.

Flasche zu Flasche, Staub zu Staub

Entwickler Gunther Krieg, Dirk Fey, Jürgen Bohleber von der Firma Unisensor (Foto: Ansgar Pudenz) Wir haben die Rechte CMS Dez. 2010

Entwicklerteam um Gunther Krieg (Mitte)

"1995 kam Coca-Cola auf uns zu und bat uns, ein Recycling-System zu entwickeln, das die Plastikmüllberge verringert", sagt Professor Gunther Krieg, Gründer der Firma Unisensor. Er hat das System zusammen mit den Ingenieuren Dirk Fey und Jürgen Bohleber entwickelt. "Wir standen vor einer gigantischen Aufgabe, die uns manchmal schier unlösbar vorkam."

Die Herausforderung bestand nicht nur in den Entwicklungskosten in Höhe von mehreren Millionen Euro, die auf das mittelständische Unternehmen zukamen. Der Auftrag hatte es auch technisch in sich. Der Getränke-Gigant aus Atlanta war an einem "bottle-to-bottle"-Prinzip interessiert. Also einem System das aus PET-Flaschen ohne Umwege neue PET-Flaschen herstellt.

System entfernt unbrauchbare Zusatzstoffe

Was folgte war eine 15 Jahre lange Entwicklungsarbeit mit Schwierigkeiten und immer wieder neuen Anläufen. Am Ende stand dann das jetzige System Powersort 200. "Es kann einfach Dinge, die im Moment keine andere Technologie kann," sagt Ingenieur Dirk Fey. "In PET-Flaschen werden oft Zusatzstoffe verwendet, die der Flasche beispielsweise eine gelbe Färbung geben. Diese Stoffe kann im Moment kein anderes System aus den Plastikteilen heraus lösen."

Laser scannen den Wasserfall aus Plastikteilchen (Foto:Ansgar Pudenz)

Laser scannen den Wasserfall aus Plastikteilchen

Durch diesen Vorteil haben sich die Karlsruher auf dem internationalen Recycling-Markt bereits gut etabliert. Coca-Cola hat die ersten Systeme in den USA eingeführt. Mittlerweile setzen auch Betriebe in Mexiko, England, Österreich und der Schweiz auf die Recycling-Laser. In Deutschland steht Unisensor derzeit in Verhandlungen mit der Industrie. Das Marktpotential ist groß: Allein in Europa werden jährlich 48 Prozent aller hergestellten PET-Flaschen recycelt. Das entspricht rund 1,4 Millionen Tonnen an wieder verwertbarem Plastik.

Mittelständische Erfolgs-Story

In Zukunft soll das System auch Kunststoffabfälle aus der Autoindustrie und Elektroschrott sortieren können. Dass ausgerechnet ein mittelständisches, familiengeführtes Unternehmen ein Produkt entwickelt hat, das auf weltweites Interesse stößt, erfüllt die Mitarbeiter mit Stolz. Einige Preise hat das Team um Gunther Krieg in den vergangenen Jahren bereits eingeheimst. Zuletzt waren sie für den Zukunftspreis des Bundespräsidenten nominiert. Gunther Krieg hat dafür eine einfache Erklärung: "Durch präzises Recycling können wir wertvolle Ressourcen schonen und gleichzeitig Müllberge vermeiden."

Autor: Jan Bruck (mit dpa)
Redaktion: Andreas Ziemons