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Islamismus in Nordafrika

Tunesien im Fadenkreuz von Dschihadisten?

Tunesische Sicherheitsdienste schlagen Alarm: Es drohe eine massenhafte Rückkehr von Dschihadisten in ihre Heimat. Sie seien besonders gefährlich, weil sie auch hochentwickelte Kriegswaffen beherrschten.

Wenn die Regierung diese radikalisierten Rückkehrer nicht mit "außergewöhnlichen Maßnahmen" bekämpfe, drohe Tunesien zu einem neuen "Somalia" zu werden, warnten Vertreter der inländischen Geheimdienste in einer Erklärung.

Vertraut mit allen Waffen

Sie begründeten ihre Einschätzung unter anderem mit dem Hinweis, bei Einsätzen im Irak, in Syrien oder in Libyen hätten die Dschihadisten eine militärische Ausbildung erhalten. Sie könnten auch hochentwickelte Kriegswaffen bedienen. Wenn sich die Islamisten dann "Schläferzellen" anschlössen, werde sich "der Kreis des Terrorismus vergrößern".

Die Regierung müsse daher dringend zu "außerordentlichen" Maßnahmen greifen, etwa dem Entzug der Staatsangehörigkeit. Nach Angaben des Innenministeriums sind bereits 800 Dschihadisten in ihre Heimat zurückgekehrt. Schätzungen einer UN-Arbeitsgruppe zufolge kämpfen mehr als 5000 Tunesier in extremistischen Gruppen vor allem im Irak und in Syrien.

Am Samstag hatten hunderte Menschen vor dem Parlament in Tunis gegen eine Rückkehr von Dschihadisten in ihr Land protestiert. Mehrere Nichtregierungsorganisationen hatten zu der Demonstration aufgerufen, an der rund 1500 Menschen teilnahmen. Anlass waren Äußerungen von Präsident Béji Caid Essebsi, wonach die Behörden die Rückkehr von Dschihadisten nicht verhindern könnten.

Der Tunesier Anis Amri war am vergangenen Montag mit einem LKW in den Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche gerast und hatte zwölf Menschen getötet sowie rund 50 weitere verletzt. Auf der Flucht wurde der europaweit gesuchte Amri am Freitag von der italienischen Polizei erschossen.

Weitere Festnahmen

In Tunesien selbst wurden weitere mutmaßliche Dschihadisten festgenommen. Zunächst gab es aber keine Hinweise, dass die Festnahmen in Zusammenhang mit dem Anschlag in Berlin und dem mutmaßlichen Täter Amri stehen.

Tunesien - Demonstration gegen die Rückkehr von Dschihadisten (picture alliance / AP Photo)

Viele Tunesier machen sich Sorgen: Sie sind gegen die Rückkehr von Dschihadisten in ihre Heimat

Man habe am Rand der Hauptstadt Tunis eine "gefährliche" Gruppe ausgehoben, die für die Rekrutierung und Entsendung von Kämpfern ins Ausland verantwortlich sei, teilte das tunesische Innenministerium mit. Die Festgenommenen seien zwischen 25 und 40 Jahre alt.

Am Samstag hatten Ermittler in Tunesien drei Männer in Gewahrsam genommen, die mit Amri in Verbindung stehen sollen. Einer der Verdächtigen sei sein Neffe. Amri habe gewollt, dass dieser der Terrormiliz "Islamischer Staat" die Treue schwöre.

Tunesien ist zwar das einzige Land, das als Demokratie aus den arabischen Aufständen 2011 hervorgegangen ist. Andererseits hat der Maghreb-Staat aber ein ernstes Problem mit Radikalen: Tunesier stellen die größte Gruppe ausländischer IS-Kämpfer außerhalb von Syrien und dem Irak. Hinzu kommt: Auch Tunesien selbst ist Ziel von Anschlägen geworden. Bei drei Terrorattacken im vergangenen Jahr wurden mehr als 70 Menschen getötet.

haz/jj (dpa, afp)

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