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Politik

Tumulte in Teheran

Vor der britischen Botschaft in Teheran ist es zu Krawallen gekommen. Mehrere hundert Demonstranten warfen Steine und Feuerwerkskörper. Sie verlangten eine Entschuldigung Großbritanniens.

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Gewalttätige Proteste vor der Botschaft

Mit Feuerwerkskörpern und Steinen haben radikale Islamstudenten am Sonntag (1.4.) die britische Botschaft in Teheran beworfen. Nach Angaben von Augenzeugen griffen iranische Sicherheitskräfte jedoch hart gegen Gewalttäter unter den mehreren hundert Demonstranten durch.

Mehrere Diplomaten hätten sich während der Protestaktion in dem Gebäude aufgehalten, jedoch sei niemand verletzt worden, teilte das Außenministerium in London mit. Die Demonstranten riefen in Sprechchören "Tod für England!" sowie "Tod den USA!" und verlangten, dass die britische Regierung sich beim Iran für das angebliche Vordringen der 15 Soldaten auf iranische Hoheitsgewässer entschuldigt.

Sicherheitskräfte hatten das Botschaftsgelände mit Barrieren abgeriegelt. Als eine Gruppe von Demonstranten die Absperrung zu durchbrechen drohte, kam es laut Augenzeugenberichten zu schweren Handgreiflichkeiten mit iranischen Bewachern.

Ahmadinedschads scharfe Worte

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hatte am späten Samstag (31.3.) Großbritannien scharf angegriffen. Ahmadinedschad forderte erneut, London hätte sich entschuldigen und sein Bedauern über den Zwischenfall äußern müssen. "Jedoch arrogante Mächte entschuldigen sich wegen ihrer Arroganz und ihrer egoistischen Mentalität nicht bei den Iraner." Sie täten so, als schuldeten die Iraner ihnen etwas. Die britischen Besatzungstruppen seien in iranisches Hoheitsgewässer eingedrungen und dabei festgenommen worden, betonte Ahmadinedschad.

Bush: "Geiseln"

US-Präsident George W. Bush äußerte sich am Samstag erstmals zum Thema. Er kritisierte die Gefangennahme von 15 britischen Soldaten als "unentschuldbares Verhalten" des Irans kritisiert. "Der Iran muss die Geiseln freilassen", sagte Bush am Samstag in Camp David (Maryland) nach einem Treffen mit dem brasilianischen Präsidenten Luiz Inacio Lula da Silva. Die britischen Soldaten seien "unschuldig und haben nichts Falsches getan", betonte Bush.

Die USA unterstützten nachdrücklich die Bemühungen des britischen Premierministers Tony Blair, die Krise mit diplomatischen Mitteln zu lösen, sagte er. "Der Fall der britischen Geiseln ist ein ernster Fall, weil die Iraner diese Leute einfach in irakischen Gewässern festgenommen haben", so Bush.

"Friedlich und schnell"

Die britische Außenministerin Margaret Beckett betonte den Wunsch ihrer Regierung nach einer friedlichen Lösung der Krise. "Ich denke, jeder bedauert, dass es zu dieser Situation gekommen ist", sagte sie am Samstag (31.3.) der BBC. "Was wir wollen, ist ein Ausweg, und zwar friedlich und so schnell wie möglich." Zugleich bestätigte die Ministerin, dass London auf eine diplomatische Note aus Teheran geantwortet hat. Zum Inhalt des Antwortschreibens machte sie keine Angaben. In der iranischen Note war eine Erklärung der angeblichen Verletzung iranischer Hoheitsgewässer durch die am 23. März im Mündungsgebiet des Flusses Schatt el Arab festgenommenen Soldaten verlangt worden. In der Note verlangte Teheran aber nicht mehr ausdrücklich eine Entschuldigung der britischen Regierung.

Die diplomatische Krise um die festgenommenen Soldaten beschäftigte auch die EU-Außenminister, die am Samstag ihr informelles Treffen in Bremen fortsetzten. In einer Solidaritätserklärung mit Großbritannien forderten die Minister am Freitag die sofortige Freilassung der Seeleute. Der Konflikt belastet die ohnehin schon angespannten Beziehungen zwischen dem Iran und der internationalen Gemeinschaft. Am Samstag kam es zu ersten Kontakten auf Arbeitsebene zwischen der EU und Iran. Der Mitarbeiterstab von EU-Chefdiplomat Javier Solana habe Kontakt mit dem direkten Umfeld des Vorsitzenden des Nationalen Sicherheitsrats, Ali Laridschani, aufgenommen, berichteten EU-Diplomaten am Rande des Treffens. Ziel sei es, einen direkten Kontakt zwischen Solana und Laridschani in dieser Sache zu ermöglichen. Die EU-Außenminister hatten Solana am Freitag beauftragt, in der Krise zu vermitteln.

Haft von bis zu 18 Monaten?

Bei einem Prozess wegen illegalen Grenzübertritts könnte den britischen Soldaten eine Haftstrafe von 18 Monaten drohen. Dazu war der deutsche Tourist Donald Klein im Januar 2006 verurteilt worden, der im November 2005 bei einem Segel- und Angelausflug auf iranischem Hoheitsgebiet festgenommen worden war. Erst nach fast 16 Monaten Haft, zuletzt im berüchtigten Teheraner Evin-Gefängnis, kam er am 12. März wieder frei. (sams)

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