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Kultur

"Tulpenfieber" im Kino - wie eine Blume der Welt den Kopf verdrehte

Im Amsterdam des frühen 17. Jahrhunderts war eine Tulpenzwiebel mehr wert als ein Diamant. Justin Chadwick hat aus diesem Hintergrund einen Kinofilm gemacht, in dem es um die Liebe und die Blume geht.

Ab Januar stehen die Tulpen in deutschen Blumenvasen, meistens in Gelb, Rot oder Orange-Tönen. Auch in Weiß und Pink gibt es sie - oder zweifarbig. Manche haben Blütenblätter, die spitz zulaufen - bei anderen sind sie zerfranst. Ganz besonders selten sind die schwarzen Tulpen, die eigentlich dunkelrot sind, oder die Papageientulpen, deren Blütenblätter scheinbar wirr um den Blütenkelch drapiert sind. Dass die Blumen schon so früh im Jahr zu haben sind, ist den Tulpenzüchtern zu verdanken, die den Zwiebeln unabhängig von der Jahreszeit in Kühlhäusern den Winter vorgaukeln.

Ein Mann pflückt Tulpen auf einem Feld (picture alliance/dpa/A. Heinl)

Tulpen zum Selberpflücken - in Holland fast ein Volkssport

Nach drei bis vier Monaten Kälte setzen sie sie wärmerer Luft aus - die innere Uhr der Tulpen meldet, es sei Frühling und schon treiben die Zwiebeln aus.

In der Natur sprießen sie erst im April - doch dann entwickeln sie ihre ganze Pracht und tauchen ganze Landstriche in bunte Farben. Vor allem in den Niederlanden. Dort gibt es viele riesige Tulpenfarmen, die zur Blütezeit Millionen Touristen anlocken. Die stehen mit Fotoapparaten und Messern bewaffnet zwischen endlosen bunten Tulpenreihen, fotografieren und schneiden die Blumen ab, die sie dann in großen Bündeln kaufen können. Dieses Tulpenfieber ist zumeist gegen Ende Mai vorbei.

Von den Füßen des Himalaya bis nach Westeuropa

Ein anderes Tulpenfieber grassierte im 16. Jahrhundert. Das ursprünglich aus dem Orient stammende Gewächs landete eher durch Zufall im rauen westlichen Klima der Niederlande. Im Osmanischen Reich sowie in Indien, Pakistan und Afghanistan, die damals von Großmogulen beherrscht wurden, war die Tulpe schon seit Jahrhunderten eine beliebte Blume, die Gärten und Paläste schmückte. Nicht umsonst ähnelt der Name "Tulpe" dem "Turban", der orientalischen Kopfbedeckung.

Bunte Tulpen im Feld (picture alliance/dpa/F. Gambarini)

Die Farbvielfalt ist grenzenlos - mehr als 3000 Sorten sind registriert

Als Ogier Ghislain de Busbecq im 16. Jahrhundert als Botschafter der Habsburgermonarchie zu Besuch beim türkischen Sultan Suleyman I. weilte, schenkte der ihm einige Tulpenzwiebeln. De Busbecq brachte sie mit nach Europa und vertraute sie seinem Freund, dem flämischen Botaniker Charles de l'Écluse, an. Dieser lehrte im niederländische Leiden an der Universität und experimentierte als Direktor des Botanischen Garten mit der Blume aus dem Orient. Seine Ergebnisse waren überzeugend; die Tulpe wurde bei den gut betuchten Bürgern Leidens ein gefragtes Gewächs.

Tulpenzwiebel als Spekulationsobjekt

Heiß begehrt waren sie vor allem, weil die Blumen äußerst empfindlich waren. Das nasskalte Klima tat den Zwiebeln nicht besonders gut, sie waren anfällig für Krankheiten. Eine Krankheit etwa war ein Virus, das von Blattläusen übertragen wurde. Das machte die Blütenblätter mehrfarbig und ganz besonders exklusiv. Dies war eher ein Zufallstreffer, und die Blume hat bis heute ihren Namen: "Rembrandt-Tulpe". Erst viel später konnte man die Mehrfarbigkeit gezielt anzüchten.

Filmstill aus Tulpenfieber (2017), Jan (Dane deHaan) steht in der Mitte von gestikulierenden Männern und hält lachend einen Zettel hoch (The Weinstein Company/Alex Bailey)

Filmheld Jan (Dane deHaan) scheint Erfolg beim Handeln zu haben

Die Tulpe wurde schnell zum Prestige-Objekt. Mit der Entwicklung des kommerziellen Tulpenhandels stiegen die Preise in absurde Höhen. Für eine Tulpenzwiebel verkaufte so mancher seinen kompletten Besitz - dabei war es völlig ungewiss, ob aus der Knolle jemals etwas werden würde. Die damals teuerste Sorte "Semper Augustus" kostete so viel wie ein Grachtenhaus in Amsterdam. Man spekulierte auf die kommende Ernte, der Markt geriet völlig aus den Fugen. Von einen Tag auf den anderen platzte die Blase im Frühjahr 1637. Die Preise brachen über Nacht ein. Wenige hatten sich rechtzeitig aus der "Tulpenmanie" zurückgezogen - sie hatten gutes Geld gemacht, doch die meisten Händler und Spekulanten waren von einem Tag auf den anderen mittellos.

Gemälde - Persiflage auf die Tulpomanie - Jan Brueghel d.J., eine Horde Affen als Tulpenhändler (gemeinfrei)

Jan Brueghel d.J. fertigte Mitte des 17. Jahrhunderts diese Persiflage an: eine Horde Affen als Tulpenhändler

Erste große Filmrolle in "Tulpenfieber"

Vor diesem Hintergrund spielt der Film, der nun in die Kinos kommt. In der Romanverfilmung "Tulpenfieber" geht es in erster Linie um eine Liebesgeschichte: Die junge Sophie (Alicia Vikander) muss einen ungeliebten älteren Tulpenhändler Cornelis Sandvoort (Christoph Waltz) heiraten, lernt den jungen Maler Jan (Dane deHaan) kennen, die beiden verlieben sich und wollen fliehen. Dazu brauchen sie Geld, und deshalb steigen sie in das riskante Geschäft mit den Tulpenzwiebeln ein. Regisseur Justin Chadwick holt die knisternde hysterische Stimmung jener Zeit wieder hoch und liefert nebenbei ein hübsches Gesellschaftsbild aus dem Amsterdam des frühen 17. Jahrhunderts.

Die Tulpe, die damals zur edelsten Blume überhaupt gehörte, spielt natürlich immer wieder eine Rolle im Film - am zartesten wirkt sie, wenn Hauptdarstellerin Alicia Vikander sie in den Händen hält. Wird die Blume das verzweifelte Paar retten können?

Tulpenzwiebeln gegen den Hunger

Gerettet hat die Tulpe auf jeden Fall einige Jahrhunderte später Menschen vor dem Verhungern. Im Herbst 1944 verloren die Allierten die Schlacht von Arnheim gegen die Deutschen. Die Folge davon: Weite Teile der westlichen Niederlande waren von Lebensmittel- und Kohlelieferungen abgeschlossen, da die Deutschen alles blockierten. Die Folge war der "Hongerwinter", eine Hungersnot, der fast 20.000 Menschen zum Opfer gefallen sind.

Tulpenzwiebeln in Händen (NBTC Holland Marketing)

Wenn sie frisch sind, sollen sie milchig-süß schmecken

Die Tulpenzüchter hatten während des Krieges keine Tulpen angepflanzt - die Zwiebeln lagerten in großen Mengen auf den Höfen und trockneten vor sich hin. Die Behörden beschlossen, die Tulpenzwiebeln als Nahrung zu verteilen und brachten die Tulpenhändler dazu, sie zu verkaufen. Sie waren nahrhaft und garten schnell, wenn sie auch nicht allzu gut schmeckten. Aber sie retteten vielen Menschen das Leben. Noch heute erinnert ein niederländisches Sprichwort an die damalige Hungersnot: "Du hast keinen Hunger. Du hast nur Appetit." 

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