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Wirtschaft

TUI beschließt Sparpaket und senkt Gewinnziele

Der kriselnde Reise- und Schifffahrtskonzern TUI will 3600 Arbeitsplätze in der Touristiksparte abbauen. Normalerweise freuen sich Börsianer über solche Meldungen - diesmal aber scheint der Stellenabbau nicht zu reichen.

TUI-Vorsitzender Michael Frenzel hinter dem TUI-Logo

TUI-Chef Michael Frenzel hat ein großes Sparprogramm ausgerufen

Die Aktien von TUI sind zum Börsenstart am Freitagmorgen (15.12.2006) um 3,5 Prozent auf 15,48 Euro abgesackt. Der Touristik- und Schifffahrtskonzern hatte zuvor ein umfassendes Sparpaket veröffentlicht und die Ergebnisprognosen gesenkt. Zudem wird das Unternehmen für 2006 voraussichtlich keine Dividende zahlen.

Mit dem Abbau der 3600 Stellen in der Touristiksparte wolle der Konzern die Personalkosten bis 2008 um 100 Millionen Euro senken, teilte TUI am Donnerstagabend nach einer Sitzung des Aufsichtsrates mit. Die Sachkosten sollen um 150 Millionen sinken. Im Reisegeschäft will TUI dagegen wachsen und bei Hotels, Fluggesellschaften und in den Urlaubsgebieten 3300 neue Arbeitsplätze schaffen.

Großbritannien und Frankreich betroffen

Spekulationen zufolge sollen die Stellen vor allem in Großbritannien und Frankreich abgebaut werden. Bereits bekannt ist, dass die Konzernzentrale mit der deutschen Reisesparte organisatorisch zusammengelegt und demnächst in Hannover voraussichtlich eins von zwei Häusern geschlossen werden soll.

Eine Aufspaltung des Konzerns, wie sie von Investoren in den vergangenen Monaten wiederholt gefordert wurde, steht demnach nicht zur Debatte. Für beide Konzernsparten - Touristik und Schifffahrt - beurteilt die TUI-Führung aber die Entwicklung in den kommenden Jahren erheblich skeptischer als bisher. In der Schifffahrt sei der Markt schwierig, so dass das bisherige operative Gewinnziel für 2008 von 650 Millionen Euro nicht mehr für machbar gehalten werde. Stattdessen gehen die Manager in Hannover von 400 bis 500 Millionen Euro aus. Gegenüber 2005, als der operative Gewinn der Schifffahrt bei 318 Millionen Euro lag, wäre das freilich immer noch ein Sprung nach vorn.

Gesenkte Erwartungen

In der Touristik sei der Druck auf die Preise und damit auf die Gewinnmargen sehr stark, teilte TUI mit. Deshalb sei bis 2008 anstatt der erhofften 700 Millionen Euro nur ein Ergebnis von 450 bis 550 Millionen Euro zu erwarten. Im vorigen Jahr hatte TUI 365 Millionen Euro erwirtschaftet.

Zu den konkreten Gewinnerwartungen für das laufende Jahr machte TUI keine Angaben, teilte aber mit, dass die Kosten für den Stellenabbau von rund 140 Millionen Euro so weit wie möglich in diesem Jahr verbucht werden sollen. Für die Schifffahrt war bereits im November ein Verlust von bis zu gut 100 Millionen Euro in Aussicht gestellt worden.

Es könne auch sein, dass infolge der nun schlechteren Gewinnaussichten in der Touristik noch Abschreibungen auf die Firmenwerte notwendig seien. Auch dies würde das Konzernergebnis in diesem Jahr belasten. Analysten rechneten bereits vor der Aufsichtsratssitzung mit einem Verlust in diesem Jahr.

Neuer Ferien-Flieger

Um die Konzernverschuldung von derzeit weit über drei Milliarden Euro zu drücken, will sich TUI von mehreren kleineren Schiffen und einem Hafenterminal in Montreal, der Tochter CP Ships sowie Immobilien trennen. Dies könne eine Milliarde Euro einbringen und die Nettoschulden bis 2008 auf 2,5 Milliarden Euro drücken. Damit hat der Aufsichtsrat das im Vorfeld der seit Monaten vorbereiteten Sitzung bereits in weiten Teilen bekannt gewordene Programm angenommen.

Das Containerschiff Contship Aurora

Das Containerschiff Contship Aurora gehört zur Reederei CP Ships

Für sein Fluggeschäft führt TUI die neue Marke "TUIfly.com" ein. Die neue Airline entsteht aus der Zusammenlegung der TUI-Billigflugtochter HLX und dem Ferienflieger Hapagfly, die der Aufsichtsrat bereits Ende August beschlossen hatte. Zum Konzern gehören sieben Fluggesellschaften mit mehr als 100 Maschinen in verschiedenen europäischen Ländern. TUIfly.com soll sich an dem Geschäftsmodell von HLX orientieren und sowohl Einzelflugplätze verkaufen als auch Pauschalreisekunden befördern - ähnlich wie auch die zweitgrößte deutsche Airline Air Berlin operiert. Der Ticketverkauf soll vor allem auf das Internet ausgerichtet werden. Von der Zusammenlegung verspricht sich TUI Einsparungen in Höhe von 40 Millionen Euro.

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