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Wissen & Umwelt

Tuberkulose auf dem Vormarsch

Jedes Jahr sterben etwa zwei Millionen Menschen an Tuberkulose. Da der Erreger zunehmend resistent wird gegen Medikamente, versuchen Forscher, einen wirksamen Impfstoff gegen die "Krankheit der Armen" zu entwickeln.

Röntgenbild einer Lunge, die von Tuberkulose befallen ist (Foto: dpa)

Tuberkulose-Erreger befallen in 80 Prozent der Fälle die Lunge

Etwa ein Drittel der Weltbevölkerung ist mit dem Tuberkulose-Erreger, dem Bakterium Mycobacterium tuberculosis, infiziert. Doch nur ein Teil von ihnen, etwa fünf bis zehn Prozent, erkrankt im Laufe des Lebens. Vor allem Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Denn Tuberkulose, sagt Adrian Gillisen, Lungenarzt an der Robert-Koch-Klinik in Leipzig, sei vor allem eine Krankheit der Armen. Schlechte Ernährung, mangelnde hygienische Verhältnisse oder eine zusätzliche Infektion begünstigten den Erreger.

Erreger werden zunehmend restistent

Zehn Millionen Menschen erkranken jedes Jahr an Tuberkulose, rund zwei Millionen sterben daran. Besonders betroffen sind Afrika, Süd- und Ostasien und immer häufiger auch Osteuropa, vor allem die Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Zwar gibt es wirksame Medikamente gegen Tuberkulose, spezielle Antibiotika, sogenannte Antituberkulotika, doch sie heilten den Patienten nur dann, betont Adrian Gillisen, wenn sie regelmäßig eingenommen und nicht zu früh abgesetzt würden. Mindestens ein halbes Jahr müsse der Cocktail aus verschiedenen Medikamenten geschluckt werden, auch dann noch, wenn die Beschwerden abgeklungen seien.

Mädchen betrachtet das Röntgenbild ihrer Lunge (Foto: dpa)

Durch den Befall mit den Bakterien sterben Zellen ab, das Gewebe wird zerstört. Auf den Röntgenbildern kann man zum Teil regelrechte Löcher in der Lunge erkennen

Doch gerade in den ärmeren Ländern funktioniert eine wirksame Tuberkulose-Behandlung nur selten. Mal sind die Medikamente nicht verfügbar, außerdem sind sie teuer. Da passiere es schnell, so Gillisen, dass Patienten die Therapie beendeten, sobald sie sich besser fühlten und genau das sei fatal. Denn zum einen komme es deswegen oft zu schweren Rückfällen und zum anderen wüden die Erreger zunehmend resistent: "Die Resistenz bei Tuberkulose entsteht, wenn man die empfohlene Therapie, die am Anfang aus vier Präparaten und später aus zwei Präparaten besteht, nicht konsequent und lange genug nimmt."

Solche Resistenzen nehmen zurzeit dramatisch zu. Da Infektionen mit hochresistenten Erregern nicht mehr behandelbar sind, hoffen Forscher wie Stefan Kaufmann auf die endgültige Lösung: "Nur mit einer Impfung kann man eine Krankheit wirklich vollkommen beherrschen", versichert der Direktor am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin. "Mit Medikamenten alleine können keine Infektionskrankheiten besiegt werden."

Wirksamer Impfschutz noch nicht in Sicht

Schon seit vielen Jahren forschen Kaufmann und zahlreiche andere Wissenschaftler an einem wirksamen und zuverlässigen Impfstoff gegen Tuberkulose. Bislang nur mit mäßigem Erfolg. "Es gibt Krankheiten, bei denen es schwer ist, einen Impfstoff zu entwickeln und das sind Tuberkulose, HIV/Aids und Malaria. Diese Krankheiten werden von sehr komplexen, trickreichen Erregern hervorrufen." Von Erregern, erklärt Kaufmann, gegen die das natürliche menschliche Abwehrsystem keine Chance hat.

Zwar existiert schon seit etwa 80 Jahren ein Impfstoff gegen Tuberkulose, er wird jedoch von der Weltgesundheitsorganisation, WHO, nicht mehr empfohlen. Denn oft ist er völlig wirkungslos, außerdem besitzt er zahlreiche Nebenwirkungen. Mittlerweile scheinen die Forscher aber auf dem richtigen Weg zu sein. Neun Impfstoffe seien zurzeit in der klinischen Studie, die Situation sei gut, sagt Stefan Kaufmann. "Wir sind sehr optimistisch, dass es weitergehen wird aber bei der Tuberkulose müssen sie sich immer mit Geduld wappnen."

Fünf bis zehn Jahre, schätzt Stefan Kaufmann, werde es sicherlich noch dauern, bevor man sagen könne, ob es überhaupt einen Impfstoff geben wird. Außerdem dürfe man von einer Impfung gegen Tuberkulose keinen 100-prozentigen Schutz erwarten, wie bei den klassischen Impfungen, beispielsweise gegen Grippe. "Wir müssen uns aber überlegen, dass auch ein 50-prozentiger Schutz jedes Jahr eine Million Patienten retten würde!"

Autorin: Judith Hartl
Redaktion: Andreas Ziemons

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