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Afrika

Tsvangirai: "Ich bin immer noch resolut"

Präsident Robert Mugabe hat Simbabwe fest in der Hand, doch Oppositionsführer Morgan Tsvangirai will nicht aufgeben. Im DW-Interview erklärt er, wie er seine zerrissene Partei neu aufstellen will.

DW: Herr Tsvangirai, 15 Monate ist es her, dass die ZANU-PF von Präsident Robert Mugabe wieder zur einzigen Regierungspartei in Simbabwe gewählt wurde. Das war auch das Ende der Koalition mit Ihrer Partei, der Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC-T). Hat die Einheitsregierung mit Mugabe dem Ruf Ihrer Partei geschadet?

Morgan Tsvangirai: Man muss natürlich berücksichtigen, dass die MDC diese Regierungskoalition mit der ZANU-PF nur eingegangen ist, um die Menschen in Simbabwe zu retten. Das war keine perfekte Übereinkunft, aber es gab keinen anderen Weg. Wir mussten dem Land und den Menschen helfen.

Am Freitag (31.10.2014) beginnt Ihr Parteikongress. Kann der denn helfen, das Image der MDC-T aufzupolieren?

Ich glaube nicht, dass das zur Debatte steht. 85 Prozent der Simbabwer glauben, dass die MDC einen wichtigen Beitrag geleistet hat. Die Simbabwer schätzen die Beteiligung der MDC. Das geht sogar soweit, dass sie in der jetzigen Krise fragen, warum es nicht wieder eine Einheitsregierung gibt. Denn die Situation hat sich damals wesentlich verbessert, weil wir an der Regierung beteiligt waren. Der Parteikongress kommt nun also zu einer Zeit, in der wir die Basis re-aktivieren und wir uns neu mobilisieren müssen - als Oppositions- und nicht als Regierungspartei.

Wird die MDC-T auch eine neue Führung wählen?

Ja, der Kongress findet auch statt, um eine Wahl abzuhalten. Einige der führenden Politiker in der Partei haben keine Gegenkandidaten, aber bei anderen Positionen wird es Wettbewerb geben.

Jahresrückblick 2008 International Juni Simbabwe Robert Mugabe

Im Jahr 2008 wurde Morgan Tsvangirai Premierminister in einer Einheitsregierung mit Robert Mugabe

Werden sie sich für eine Wiederwahl zur Verfügung stellen?

Bis jetzt wurde ich von allen Provinzen nominiert. Also habe ich keinen Gegenkandidaten. Das gleiche gilt für meinen Stellvertreter und den nationalen Vorsitzenden.

Also werden Sie zur Wiederwahl stehen?

Ja.

Sie haben Kritiker innerhalb der MDC-T. Im April haben sie sogar erklärt, dass sie Sie suspendiert haben...

Ja, das war eine schreckliche Erfahrung, aber wir haben unsere Einheit wieder stabilisiert. Es gab einen Putschversuch von einigen ambitionierten Leuten, der aber nicht gelungen ist. Die Menschen haben ihr Vertrauen in die Partei und in die Führung von Morgan Tsvangirai aufrecht erhalten. Wir haben zwölf lokale Parteitage abgehalten und mussten jetzt auch den nationalen Parteitagtag einberufen, um die Führungsfrage zu klären.

Innerhalb der ZANU-PF tobt ein Kampf um die Nachfolge von Robert Mugabe, auch seine

Frau Grace

will antreten. Inwiefern betrifft das auch die Zukunft Ihrer Partei?

Was jetzt in der ZANU-PF passiert, ist der unvermeidliche Abgang der großen Männer. Deshalb dieser Streit um die Nachfolge in der Partei. Das wird uns nicht betreffen. Aber es wird Folgen haben für die Politik in diesem Land, denn die MDC wird wegen der Krise innerhalb der ZANU-PF eine Alternative werden. Deshalb ist es so wichtig, dass wir an diesem Parteitag eine politische Linie und Programme beschließen, die den Leuten Zuversicht geben.

Wahl Simbabwe 2013

Die Wahl im Jahr 2013 verlor Tsvangirais Partei - Mugabe wurde wieder Alleinherrscher

Wie sieht Ihre persönliche Vision für Simbabwes Zukunft aus? Was soll Ihr Land in den nächsten zehn Jahren erreichen?

Es gibt drei wichtige Themen für unser Land: Zunächst müssen wir uns von der Regierungskultur trennen, die wir in den letzten 35 Jahren hatten. Eine Kultur, die diktatorisch und undemokratisch war, die nationale Institutionen personalisiert hat. Zweitens müssen wir unsere Nation aufbauen. Die Staatenbildung wird eine große Herausforderung: Die Menschen zu vereinen und sicherzustellen, dass jeder Simbabwer ein Platz an der Sonne hat. Und drittens wollen wir keine Nation der armen Menschen sein. Wir brauchen ein florierendes Land. Deswegen wird es wichtig sein, in die Menschen und in die Wirtschaft zu investieren, damit jeder Simbabwer davon profitieren kann, was dieses Land zu bieten hat.

Welche Sorgen haben ihre Mitbürger?

Ich denke, im Moment sorgen sich sie die Menschen am meisten um die Armut, um die Wirtschaft. Es gibt keine Jobs, wir haben eine Liquiditätskrise, es gibt kein Geld im Land, Unternehmen gehen Pleite.

Es gab eine Zeit im Jahr 2008, als Morgan Tsvangirai resolut und entschlossen auftrat, die Massen anzog und sich nicht einschüchtern ließ. Es sah damals so aus, als ob Sie Robert Mugabe und der ZANU-PF die Macht streitig machen könnten. Warum ist Ihnen diese Gelegenheit entglitten?

Ich glaube nicht, dass sie mir entglitten ist. Das ist einfach ein Teil des Kampfes. Es kommen immer wieder Gelegenheiten auf, und es kommen Rückschläge. Denken Sie daran: Unser Kampf war immer der gegen eine fest verwurzelte Diktatur. Und eine solche Diktatur mit demokratischen Mitteln abzulösen, ist sehr, sehr schwierig. Ich glaube, die Menschen sind immer noch resolut, ich bin immer noch resolut. Und ich bin entschlossen, einen Wandel in diesem Land herbeizuführen. Es gab vielleicht diese Gelegenheit im Jahr 2008, aber eine Wahl zu gewinnen, das ist eine Sache - die Macht zu übernehmen, ist eine andere. Deshalb müssen wir in unserem Kampf immer noch etwas dazulernen.

Wären Sie auch bereit, zum Wohle der Partei zurückzutreten?

Wer sagt, dass es der Partei besser geht, wenn ich abtrete? Wenn die Partei glaubt, das ich derjenige bin, in den die Menschen ihr Vertrauen und ihre Hoffnung gesetzt haben, dann bin ich bereit, die Rolle auszufüllen, bis die Menschen ihr Vertrauen verlieren. Und es gibt nur eine Plattform, auf der man Vertrauen und Misstrauen ausdrücken kann: Das ist der Parteitag. Jede andere Form wäre nicht nur undemokratisch, sondern auch gewaltsam und würde den Willen der Menschen untergraben.

Das Interview führte Mark Caldwell.

Morgan Tsvangirai ist Präsident der größten Oppositionspartei in Simbabwe, der "Movement for Democratic Change" (MDC-T). Die Partei MDC hatte sich bei der Wahl 2008 in zwei Lager gespalten. Tsvangirai war von 2009 bis 2013 Premierminister in einer Einheitsregierung mit Präsident Robert Mugabe.

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