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Asien

Tsunami-Wellen überfluten Japans Küste

Ein Jahrhunderterdbeben der Stärke 8,9 hat die Nordostküste Japans erschüttert. Flutwellen verwüsteten die Region um die Hafenstadt Sendai. In Tokio wackelten die Hochhäuser. Hunderte Menschen starben dabei.

Erdbebenschäden (Foto: AP)

Wie groß die Schäden sind, weiß kurz nach dem Beben noch niemand

Noch ist die Situation nach dem schweren Erdstoß in Japan unübersichtlich. Klar ist nur, dass bis zu zehn Meter hohe Monsterwellen auf die Küstenregion im Nordosten des Landes getroffen sind und vor allem in der Hafenstadt Sendai große Schäden angerichtet haben. Von zahlreichen Toten und Verletzten ist die Rede, genauere Zahlen fehlen, weil das Ausmaß der Verwüstung nach der Naturkatastrophe noch nicht abzusehen ist. Japanische Medien berichten von Hunderten Toten. Allein im Küstengebiet Sendais sind laut Polizeiangaben 200 bis 300 Leichen gefunden worden.

Wassermassen überfluten die Küste (Foto: AP)

Mit voller Wucht traf die Monsterwelle auf die Küste

Das Erdbeben ereignete sich gegen 14.45 Uhr Ortszeit (06.45 Uhr MEZ). Es soll nach Angaben des japanischen Meteorologieamtes das stärkste Beben gewesen sein, das je in Japan gemessen werden konnte. Das Epizentrum lag 130 Kilometer östlich der Stadt Sendai und knapp 400 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Tokio. Experten vergleichen die Katastrophe auch mit dem schweren Tsunami in Südostasien von 2004.

Gewaltige Überflutungen

Während zunächst Bilder von wackelnden Büroräumen aus der Hauptstadt Tokio und der Hafenstadt Sendai gezeigt wurden, übertrug das Fernsehen die gewaltige Flutwelle, die auf die Ostküste traf. Vom Helikopter aus filmten die Kamerateams, wie Boote gegen die Küste geschleudert und Autos ins Meer gespült wurden.

Hunderte Menschen hatten sich auf die Dächer der Häuser vor den Wassermassen gerettet. Die japanischen Behörden hatten zuvor die Menschen an der Küste aufgerufen, sich in höher gelegene Gebiete oder in ihren Häusern in die oberen Stockwerke zu begeben. Aus der Provinz Iwate waren bei dem Sender NHK Straßenzüge mit eingestürzten Häusern zu sehen.

Gebäude einer Industrieanlage brennt (Foto:Kyodo News/AP/dapd)

Brände brachen auch in Industrieanlagen aus

Atomkraftwerk und Industrie betroffen

Von dem Beben und der Flutwelle sind auch wichtige Industrieanlagen des Landes getroffen worden. So ging eine Ölraffinerie in Chiba nördlich von Tokio in Flammen auf. Atomkraftwerke an der Pazifikküste in den Präfekturen Miyagi und Fukushima schalteten sich bei dem Erdbeben automatisch ab. Dafür ist an einem Turbinengebäude eines Atomkraftwerks im Nordosten des Landes ist ein Feuer ausgebrochen. Dies sagte der Betreiber der Anlage, Tohoku Electric Power. Berichte über einen Austritt von Radioaktivität oder Verletzte lägen nicht vor. Das vom Brand betroffene Gebäude ist vom Reaktorgebäude getrennt.

Dennoch hat Regierungschef Naoto Kan den Atomalarm ausgerufen. Zwar gibt es keine radioaktiven Lecks in oder in der Nähe von Atomkraftwerke, aber durch den atomaren Notfall können die Behörden leichter ergreifen, sagte ein Regierungssprecher. Anwohner von Atomkraftwerken müssten aber keine besonderen Maßnahmen ergreifen.

Chaos in Tokio

Nach dem Erdbeben kam es in der Hauptstadt Tokio stundenlang zur Überlastung der Telefonnetze. Menschen konnten ihre Angehörigen nicht erreichen. Auf den Straßen bildeten sich Kilometer lange Staus, an den Bahnhöfen strandeten massenweise Pendler. Viele Bürger trugen Helme aus Angst vor herabstürzenden Gegenständen. Beim Einsturz eines Daches während einer Zeugnisübergabe mit 600 Teilnehmern wurden in Tokio mehrere Menschen verletzt, wie die Feuerwehr mitteilte.

Zerstörte Gebäude und Passanten (Foto: dapd)

Im ganzen Land gab es große Zerstörungen

Aus allen Landesteilen wird von Toten und Verletzten berichtet. Viele Menschen wurden von herab fallenden Gegenständen und Häuserteile erschlagen, zahlreiche durch Erdrutsche verschüttet, außerdem sollen viele Kinder vom Tsunami ins Meer gezogen worden sein. Stündlich erhöhen die Behörden die Opferzahlen.

Hilfsmaßnahmen laufen an

Japans Ministerpräsident Naoto Kan rief die Bevölkerung trotz der Katastrophe zur Ruhe auf. Er entsendete die japanischen Verteidigungsstreitkräfte für Rettungsarbeiten in die schwer betroffene Präfektur Miyagi. Das Kabinett kam unter Leitung von Ministerpräsident Naoto Kan zu einer Krisensitzung zusammen und richtete einen Krisenstab ein. Außerdem wurden acht Kampfflugzeuge losgeschickt, um mit Luftaufnahmen die Schäden zu dokumentieren und einen ersten Überblick zu erhalten. Auch 900 Einsatzkräfte der Polizei wurden in den Nordosten der japanischen Hauptinsel Honshu geschickt.

Auch international laufen die Hilfsmaßnahmen an. So haben viele Staaten, darunter auch Deutschland, ihre Unterstützung angeboten. Die Vereinten Nationen bereiteten sich auf die Entsendung von 30 Einsatzteams zur Katastrophenhilfe für Japan vor.

Tsunami-Warnung für die Pazifik-Region

Pazifikregion mit den Kontinenten Asien, Australien, Nord- und Südamerika (Grafik: DW)

Die gesamte Pazifikregion ist gewarnt

In rund 20 Ländern der Pazifikregion werden Menschen vor einer möglichen Tsunamiewelle evakuiert. So rechnet man auf Hawaii und im US-Staat Washington mit Auswirkungen des Bebens. Indonesien, Russland, die Philippinen und Taiwan gaben ebenfalls Tsunami-Warnungen heraus. Das US-Tsunamiwarnzentrum dehnte die Warnung auf praktisch alle Küstengebiete am Pazifik aus. Dies gelte auch für Australien und Südamerika.

Die Behörden auf den Philippinen haben die Evakuierung von Ortschaften an der Ostküste angeordnet. Im äußersten Osten Russlands wurden mehr als 10.000 Menschen in Sicherheit gebracht. Auf der Inselgruppe der Südkurilen sowie auf der Insel Sachalin sind mehrere Siedlungen in Ufernähe evakuiert worden.

Große Anteilnahme in Deutschland

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte Japan deutsche Hilfe zur Bewältigung der Katastrophe zu. Sie schrieb Premierminister Kan, sie habe mit Bestürzung die Nachricht von dem Erdbeben aufgenommen. Die Kanzlerin sprach den Angehörigen der Opfer ihr Beileid aus und wünschte den Verletzten schnelle Genesung. "Seien Sie versichert, dass Deutschland in diesen tragischen Stunden an der Seite von Japan steht und zu Hilfen bereit ist", schrieb die Kanzlerin.

Ob und wann Hilfe aus Deutschland zu erwarten ist, steht noch nicht fest. Der stellvertretende Regierungssprecher Christoph Steegmans sagte, derzeit gebe es noch keine Anforderungen der japanischen Behörden.

Von dem Beben sind nach Angaben von Außenminister Guido Westerwelle nach bisherigen Erkenntnissen keine Deutschen unmittelbar betroffen. Dies sei allerdings nur eine vorläufige Lageeinschätzung, weil der Kontakt in das Katastrophengebiet nur eingeschränkt möglich sei. Im Nordosten Japans lebten etwa 100 Bundesbürger, sagte Westerwelle weiter. Die deutsche Botschaft sei mit Nachdruck dabei, Kontakt aufzunehmen.

Autorin: Marion Linnenbrink (afp, dapd, dpa, rtr)
Redaktion: Sabine Faber

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