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Asien

Tsunami-Tourismus als Aufbauhilfe

2004 verwüstete ein Tsunami im Indischen Ozean die indonesische Stadt Banda Aceh. Heute zieht die Neugier eine neue Sorte von Besuchern an. Mit Tourismus-Einkünften versucht die Stadt, wieder auf die Beine zu kommen.

A woman walks near a mosque with the rubbish from the quake and tsunami in Banda Aceh Tuesday, Dec. 28, 2004. The Health Ministry said in a statement early Wednesday that 27,178 people have been killed on Indonesia's Sumatra Island.. (AP Photo/str)

__GROSS.

Am 26. Dezember 2004 löste ein Erdbeben mit der Stärke 9,1 einen riesigen Tsunami im Indischen Ozean aus. Dabei kamen 230.000 Menschen ums Leben. Indonesien, vor allem die Nordwestprovinz Aceh, wurde am schwersten getroffen. Die Katastrophe führte zu einer noch nie dagewesenen internationalen Hilfsbereitschaft. Als aber auch diese Welle abgeebbt und die Helfer in andere Katastrophengebiete weitergezogen waren, stand die Hauptstadt Acehs, Banda Aceh, vor der schweren Aufgabe, eine zukunftsfähige Wirtschaft aufzubauen. Es war schließlich die Verwüstung selbst, die der Stadt eine neue Perspektive eröffnete: den Tsunami-Tourismus. Eines der einprägsamsten Bilder, das die Gewalt des Tsunami zeigt, ist ein mehr als zwölf Meter langes Fischerboot. Es wurde einige Meilen ins Landesinnere getragen und strandete auf den Ruinen eines Hauses im nördlichen Teil von Banda Aceh.

Schiff auf einem Haus (Foto: Niall Macaulay)

Das Schiff auf einem Haus wurde zum Mahnmahl der Zerstörung

Neunundfünfzig Menschen klammerten sich an dem Boot fest und warteten auf das Ende der Flut. Sieben Jahre später ist das Boot immer noch am selben Ort. Jetzt ist über dem Gebäude eine Aussichtsplattform errichtet worden. Eine kleine Galerie stellt Fotos zum Tsunami aus.

"Ich finde das furchteinflößend", sagt Ponny, Tourist aus Ostjava. Er hat Photos gesehen, doch er ist auf die Wirklichkeit nicht vorbereitet. "Der Mensch macht so etwas nicht. Gott hat das für uns gemacht. Also ist das ein Wunder."

Neue Möglichkeiten für Aceh

Ponny ist einer von ein paar tausend Touristen aus Indonesien, Europa und Australien, die jedes Jahr in die Region von Aceh kommen. Mit den Besuchern kamen auch neue Möglichkeiten für die Einheimischen. Zum Beispiel ein Nudelstand unter dem Boot, an dem Petriani und ihre Schwester selbstgemachte Speisen für weniger als einen Dollar verkaufen. Ursprünglich hatten sie ihren Laden weiter oben an der Straße, aber sie zogen unter das Boot, um sich dem Tourismus anzupassen.

"Nach dem Tsunami wurde dieser Ort wirklich bekannt. Darum haben meine Schwester und ich ihn gewählt", sagte sie. "Die Mundpropaganda breitete sich schnell aus und es ist einfach für die Leute, uns hier zu finden."

Eine junge Frau sitzt ins Gebet vertieft auf einer Wiese Foto: (EPA)

Eine junge Frau gedenkt zusammen mit anderen Menschen der Opfer des Tsunami

Auf der anderen Straßenseite verkauft Abdul Wahab Getränke, Snacks und Souvenirs. Er kam nach dem Tsunami aus Zentralsumatra hierher. Ursprünglich hatte er versucht, mit den Aufräumarbeiten Geld zu verdienen. Nun freut er sich darüber, einen guten Standort für seinen Laden gefunden zu haben. Zugleich berührt ihn die Trauer der Besucher. "Ich sehe Menschen weinen, bevor sie hoch zur Plattform gehen. Sie erinnern sich, wie es hier war am Tag vor dem Tsunami“, sagt er. "Die Dorfbewohner bevorzugen es, fischen zu gehen. Sie wollen hier nicht arbeiten und an ihre Verluste erinnert werden."

Erholung der Wirtschaft – und der Seele

Nicht nur die Straßenhändler haben den neuen Tourismus als Einnahmequelle erkannt, sondern die ganze Region profitiert. Etwa eine Meile entfernt hat die indonesische Behörde zum Wiederaufbau von Aceh und der Insel Nias ein 5,2 Millionen Euro teures Tsunami-Museum gebaut. Es stellt Fotografien von Opfern aus, dokumentiert Geschichten von Überlebenden und zeigt eine elektronische Simulation von dem gewaltigen Untersee-Erdbeben, das die zehn Meter hohe Welle auslöste.

Inzwischen interessieren sich mehr Touristen für die Auswirkungen des Tsunami als für die großen Sandstrände, sagen die lokalen Behörden. Einheimische Führer bieten Touristen für gerade mal 38 Euro am Tag eine Führung durch die Trümmer an.

Eingangshalle im Tsunami-Museum in Banda Aceh (Foto: Niall Macaulay)

Das Tsunami-Museum in Banda Aceh

Yusny Saby, Professor am Institut für Islamstudien in Aceh, glaubt, dass der Tourismus trotz des morbiden Beiklangs eine heilende Wirkung entfaltet. "Wir sprechen von einem spirituellem Tourismus", sagt er. "Und wir betrachten ihn als ein Weg, Gott dafür zu danken, dass wir immer noch leben und unser Land wieder aufbauen können."

Die Wunden, die der Tsunami hinterlassen hat, sind immer noch nicht ganz verheilt. Die Bewohner Acehs hoffen, dass sie wenigstens irgendeinen Gewinn aus der Naturkatastrophe ziehen können, die sie beinah das Leben gekostet hätte.

Autorin: Maria Bakkalapulo /Übers.: Alina Döhring
Redaktion: Ana Lehmann