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Asien

Tsunami-Helfer ziehen positive Bilanz

Sofort nach dem unglaublichen Seebeben brachen internationale Hilfsorganisationen in die Krisengebiete auf und halfen den Flutopfern. Sechs Monate nach der Flutkatastrophe ziehen die Helfer Bilanz.

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Staatsakt im Bundestag am 20. Januar 2005

"UNICEF" zieht eine positive Bilanz. Durch die weltweite Spendenbereitschaft sei kein Kind in den Tsunami-Gebieten an Hunger oder Seuchen gestorben. Aus Deutschland wurden allein 90 Millionen Euro gespendet. Bisher wurde aber bewusst weniger als die Hälfte für Sofortmaßnahmen ausgegeben. Dietrich Garlichs, Geschäftsführer von Unicef- Deutschland schilderte die Probleme der Hilfsorganisation: "Endgültige Schulen und Gesundheitsstationen kann man nur bauen, wenn man weiß, wo die Bevölkerung später siedeln wird. Und das ist größtenteils noch nicht ganz klar."

Die "Aktion Deutschland hilft", ein Zusammenschluss verschiedener Hilfsorganisationen, darunter auch Johanniter und Malteser Hilfsdienst, die im Falle einer großen Katastrophe gemeinsam helfen, zog eine positive Bilanz der Hilfsprojekte. Die Soforthilfe-Maßnahmen werden als abgeschlossen angesehen, und die Organisation bereitet den "dauerhaften Wiederaufbau" vor. An die Organisation wurden 125 Millionen Euro gespendet, wovon bereits 34 Millionen in die Soforthilfe investiert wurden. 4000 Helfer schickte die Organisation in die Krisengebiete. Bemängelt wurde die politisch unsichere Situation in Sri Lanka und Indonesien, die zur Verzögerung und Behinderung wichtiger Projekte führe.

Das " Deutsches Rotes Kreuz" (DRK) stellte in seinem Bericht fest, dass für sein Hilfsprogramm 124,6 Millionen Euro gespendet wurden. Das DRK richtete unmittelbar nach dem Seebeben eine Luftbrücke ein und schickte aus Deutschland Helfer in die Krisenregionen, die dort insbesondere für die Trinkwasseraufbereitung gesorgt haben. Durch ihren Einsatz erreichten die Helfer 1,2 Millionen Menschen und stellten allein in Indonesien 29 Millionen Liter Trinkwasser bereit. Bis Ende April 2005 wurden 1300 Tonnen Hilfsgüter in die Krisengebiete transportiert.

Hilfsgüter für den Sudan

35 Tonnen Hilfsgüter werden verladen

Das katholische Hilfswerk " Caritas" war ebenfalls mit hunderten Helfern im Einsatz. An die Caritas wurden 46,5 Millionen Euro gespendet. Allerdings ist das Hilfswerk besorgt, dass kaum noch Geld für Menschen in Not gespendet werde, über die nicht so umfassend berichtet wird. Im Krisengebiet hat die Caritas inzwischen umfangreiche Programme zum Wiederaufbau des Landes begonnen. Mittel- und langfristige Hilfsprojekte mit einem Umfang von 260 Millionen Euro sind geplant.

"Ärzte ohne Grenzen" unterstützte mit 120 internationalen und 250 nationalen Mitarbeitern die Hilfeleistungen. Weltweit sammelte die Organisation über 100 Millionen Euro, allein in Deutschland 49,7 Millionen, womit sie in der indonesischen Provinz Aceh und in Sri Lanka helfen will. Ärztliche Versorgung, psychologische Hilfe, der Betrieb von Sanitäranlagen und eine bessere Trinkwasserversorgung sind die Schwerpunkte ihrer Arbeit. Die Organisation bedauert auch, dass kaum noch für andere Zwecke gespendet werde und bittet um nicht zweckgebundene Spenden.

Halbes Jahr nach Tsunami - Zerstörungen in Banda Aceh

Auch nach sechs Monaten sind manche Gegenden noch ein Trümmerfeld

Das Kinderhilfswerk "Terre des hommes" ist ebenfalls mit der Spendenbilanz zufrieden. Die Organisation erhielt 11,5 Millionen Euro und unterstützt damit Projekte im Süden Indiens und in der indonesischen Region Aceh. Hauptsächlich kümmern sich die Helfer um sauberes Trinkwasser, Nahrungsmittel, Medikamente, Kleidung sowie Notunterkünfte. Insgesamt 35.000 Menschen konnten in Auffanglagern untergebracht werden. In Zukunft müsse für die traumatisierten Menschen aber noch psychologische Hilfe organisiert werden.

"World Vision" ist immer noch mit rund 700 Mitarbeitern vor Ort. Seit dem ersten Tag wurde Hilfe geleistet, und insgesamt 125.000 Menschen wurden mit Wasser, Medikamenten, Nahrung und Notunterkünften versorgt. Man habe vielen Familien wieder ein Dach über dem Kopf schaffen können, und auch zahlreiche Kinder gingen wieder in die Schule. Probleme habe es aber immer wieder bei der Abstimmung mit den Behörden gegeben, und auch in der Zukunft seien die Herausforderungen gewaltig.

An die "Deutsche Welthungerhilfe" (DWHH) haben insgesamt 300.000 Personen zusammen 28,5 Millionen Euro gespendet. Sie betreut Hilfsprojekte in Sri Lanka, Indonesien und Thailand. Schwerpunkt der Arbeit ist die Wiederaufnahme des Fischereibetriebs. Bisher wurden Boote und Netze angeschafft und zerstörte Boote repariert. Die Welthungerhilfe bemängelt die Zusammenarbeit mit den Behörden. 120.000 Menschen wurden versorgt. Durch die Unterstützung der Fischereiwirtschaft sollen Arbeitsplätze geschaffen und ein geordneter Wirtschaftsverkehr etabliert werden.

Die Sonderbeauftragte der Bundesregierung Christiane Frau koordiniert die Hilfe der deutschen Städte, Kommunen und Verbände, zu der Bundeskanzler Schröder in seiner Neujahrsansprache aufgerufen hatte. Auch sie zieht eine positive Bilanz. Die Angebote zur Übernahme einer Partnerschaft sei überwältigend, mehr als 1350 Angebote lägen ihrer Vermittlungsstelle vor. Die Frau des ehemaligen Bundespräsidenten Johannes Rau ist begeistert über die Hilfsbereitschaft im Land und weist Kritik an der Arbeitsweise ihrer Partnerschaftsinitiative zurück: "Es hat sich viel getan, und wenn in der Presse dann oft überbewertet wird, dass gesagt wird, wir haben noch gar keine Hilfe erfahren, dann möchte ich die vielen Orte dagegenstellen, in denen schon konkret geholfen worden ist und wo Fischer wieder Einnahmequellen haben und wo Infrastruktur wieder steht. Also, es hat sich einiges getan, aber es wird auch noch sehr lange dauern."

Das " Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen" gab im März bekannt, dass allein aus Deutschland 516 Millionen Euro an die Hilfsorganisationen gespendet wurden. Für die Elbeflut seien es 350 Millionen gewesen. Das " International Committee on Fundraising Organizations" (ICFO) teilte mit, dass Deutschland im Vergleich von neun westlichen Industrieländern bei der absoluten Spendensumme auf Platz zwei nach den USA liegt. In der Pro-Kopf-Betrachtung haben die Schweizer mit 23 Euro pro Einwohner aber deutlich mehr als die Deutschen (6,30 Euro) gespendet.