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Kultur

Tsunami-Frühwarnsystem in Betrieb

Ein Tsunami-Frühwarnsystem wird erstmals für die gefährdeten Regionen am Indischen Ozean eingesetzt. Dort soll es Menschenleben retten. Deutsche Forscher haben das System entwickelt.

Vor Tsumanis soll zuverlässig und schnell gewarnt werden

Vor Tsunamis soll zuverlässig und schnell gewarnt werden - mit Hilfe von Bojen

Am 26. Dezember 2004 suchte ein gewaltiger Tsunami den Indischen Ozean heim. Rund 300.000 Menschen starben. Viele hätten gerettet werden können, wenn es damals ein Frühwarnsystem gegeben hätte. Deshalb beschloss die deutsche Bundesregierung kurz nach der Katastrophe zu helfen und bot Indonesien an, gemeinsam ein Frühwarnsystem im Indischen Ozean aufzubauen.

Mit Drucksensoren am Meeresboden

Gelbe Boje auf dem Indischen Ozean. (Quelle: AP)

Arbeit an den Bojen

Das Kernelement des Frühwarnsystems ist eine Boje, knallgelb lackiert und vollgestopft mit Elektronik. Insgesamt gibt es zehn dieser Bojen, jede liegt verkabelt mit einem Drucksensor am Meeresboden, sagt Projektleiter Jörn Lauterjung vom Geoforschungszentrum Potsdam. "Wenn eine Tsunami-Welle über einen solchen Drucksensor hinweg läuft, ändert sich der Druck. Das kann sehr präzise gemessen werden", erklärt der Geophysiker. "Die Bojen selber sind mit GPS ausgerüstet und können auch Meeresspiegel-Änderungen messen."

GITEWS, so heißt der von Deutschland gebaute und mit 45 Millionen Euro finanzierte Teil des Frühwarnsystems. Zu den zehn Bojen kommen 20 Stationen zur Messung des Wasserpegels und rund 100 Seismometer. Die Daten sämtlicher Sensoren laufen in einer Zentrale zusammen, dem Warnzentrum. Hier sitzen rund um die Uhr Experten, die in aller Eile entscheiden müssen, ob sie Alarm auslösen oder nicht. Das Problem bestehe darin, die Daten zu interpretieren. "Man muss mit Sicherheit sagen können, ob ein Tsunami kommt oder nicht", sagt Stefan Dech vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen. "Wenn man weiß, wo er eintrifft, muss man sich fragen, welche Auswirkungen er haben wird. Genau das ist der kritische Punkt", erklärt Dech die schwierige Situation.

Der Mensch habe im konkreten Fall maximal zehn Minuten Zeit. "Nachdem wir ein Seebeben mit einer kritischen Größe festgestellt haben, müssen wir in der Lage sein, eine Warnung auszusprechen oder Entwarnung zu geben", sagt Dech weiter.

Vorberechnete Szenarien als Vergleich

Techniker bereiten einen Seismographen vor. (Quelle: AP)

Techniker bereiten einen Seismographen vor

Bei dieser Entscheidung hilft der Computer. Er vergleicht die einlaufenden Daten blitzschnell mit Tausenden vorberechneter Szenarien, gespeichert auf Festplatte. Bei einem Alarm sollen dann Radio, Fernsehen und SMS die Warnung zu den Menschen bringen, und zwar bis ins abgelegendste Fischerdorf. Die Forscher hoffen auf eine hohe Trefferquote und damit auf möglichst wenig Fehlalarm. "Eine Trefferquote von 50 Prozent wäre schon ein sehr gutes System. Andere Tsunami-Warnsysteme, die zum Beispiel im Pazifik existieren, arbeiten relativ häufig mit Fehlalarmen", erklärt Dech.

Und GITEWS konnte bereits einen Treffer für sich verbuchen, und zwar am 12. September 2007, sagt Jörn Lauterjung vom Geoforschungzentrum: "Obwohl noch nicht alle Komponenten vollständig aufgebaut sind, war das System in der Lage, schwere Erdbeben vor der Südküste Sumatras nach etwa dreieinhalb Minuten zu lokalisieren und die Magnitude auszurechnen." Daraufhin habe der indonesische meteorologische und geophysikalische Dienst innerhalb von fünf Minuten eine Frühwarnung herausgeben zu können. "Das waren immerhin 15 bis 20 Minuten vor Eintreffen der Welle. Das System hat damit seine Bewährungsprobe bestanden", freut sich Lauterjung.

Noch aber sind nicht alle Bojen installiert. Das soll bis Anfang 2009 nachgeholt werden, sagen die Forscher. Doch auch danach ist ihr Job noch nicht erledigt. Um das indonesische Personal mit dem Frühwarnsystem vertraut zu machen, werden die Deutschen mindestens bis März 2010 im Lande bleiben, wahrscheinlich sogar länger.

Im Training mit dem Warnsystem

"Ich denke, es ist notwendig, noch über einige Jahre gemeinsam mit den Indonesiern mit dem System zu arbeiten", schätzt Lauterjung, "und vor allem die Ausbildungs- und Trainingsmaßnahmen noch weiter zu verfolgen. Training und Ausbildung sind nicht in zwei bis drei Jahren zu machen. Dafür sind längere Zeiträume nötig."

Sorgen bereitet Geophysiker Lauterjung aus Potsdam aber noch, dass die Bevölkerung noch nicht ausgebildet ist, richtig auf eine solche Warnmeldung zu reagieren. "Da steht eine Aufgabe vor den indonesischen Partnern, die sicher noch viele Jahre in Anspruch nehmen wird", meint Lauterjung. "Ich hoffe, dass das nicht in Vergessenheit gerät, damit es eine insgesamt erfolgreiche Aktivität wird."

Die Physiker haben aber auch noch mit anderen Problemen zu kämpfen. Wie das ARD-Magazin "Weltspiegel" am Sonntag (09.11.2008) berichtete, sind schon mindestens vier Messbojen gestohlen worden.

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