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Fokus Osteuropa

Tschetschenischer Terroristenführer Bassajew getötet

Schamil Bassajew, der in Russland als Terrorist Nummer Eins gilt, ist tot. Beobachter, die von einer gezielten Tötung durch den russischen Geheimdienst sprechen, bewerten die Auswirkungen auf die Lage in Tschetschenien.

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Schamil Bassajew galt in Russland als meistgesuchter Terrorist

Neben Schamil Bassajew wurden durch die Explosion der Sprengstoffladung auf dem Lastwagen 12 weitere Kämpfer getötet. Unter ihnen sind Tarchan Ganischew, Kontaktmann zwischen den einzelnen Gruppierungen, sowie Isa Kuschtow, der sich mit der Beschaffung von Waffen und Munition für Bassajews Einheit befasst hatte. Derzeit prüft Russlands Föderaler Sicherheitsdienst (FSB) die Information, ob unter den Getöteten auch der Feldkommandeur Ali Tasijew ist, der unter den Namen "Magas" bekannt ist.

Der inguschetische Innenminister Beslan Chamchojew erklärte, die Identifizierung von Magas und der restlichen Kämpfer brauche Zeit, da die Körper der Toten durch die starke Explosion "buchstäblich zerschmettert" worden seien. Bassajew sei am Kopf und an einer Beinprothese erkannt worden. Dennoch solle ein genetisches Gutachten der Leiche erstellt werden.

Spekulationen um Hergang

Vertreter des FSB weisen Gerüchte kategorisch zurück, wonach es sich um eine versehentliche Explosion gehandelt habe. Dies schließen auch Militärexperten aus, denn Bassajew und dessen Anhänger waren im Umgang mit Munition sehr erfahren. Nach Meinung von Aleksandr Chramtschichin vom Institut für politische und militärische Forschung, wussten die russischen Geheimdienste, wo sich Bassajew aufhielt. Sie hätten ihn verfolgt und zu einem günstigen Zeitpunkt getötet, sagte Chramtschichin der Nachrichtenagentur Interfax. Als günstigen Zeitpunkt betrachtet der Experte den G-8-Gipfel, der am 15. Juli in St. Petersburg beginnt.

Interfax zitiert auch einen ehemaligen FSB-Mitarbeiter, dem zufolge die Tötung Bassajews eine gemeinsame Operation russischer und ausländischer Geheimdienste gewesen war. "Die Tötung Bassajews kann das Ergebnis einer tatsächlichen Zusammenarbeit russischer Geheimdienste mit ihren ausländische Partnern sowie einer gut vorbereiteten Operation des russischen FSB gewesen sein", meint der Experte.

Chance für neue Verhandlungen?

Die Tötung Bassajews ist eine gute Nachricht, meint die Vorsitzende der Moskauer Helsinki-Gruppe, Ljudmila Aleksejewa. "Bassajew war das Symbol für brutale und grausame Terroranschläge, bei denen so viele unschuldige Menschen ums Leben kamen", sagte Aleksejewa und fügte hinzu, dass es besser gewesen wäre, man hätte ihn gefangen genommen und vor Gericht gestellt. "Es ist selten, dass man eine Nachricht über den Tod eines Menschen mit Zufriedenheit aufnimmt", betonte die Menschenrechtlerin. Dabei unterstrich Aleksejewa, dass die Tötung des Terroristen Nummer Eins sich auf die Lage in Tschetschenien kaum auswirken werde.

Diese Meinung vertritt auch der ehemalige Sonderberichterstatter der Parlamentarischen Versammlung des Europarates für Tschetschenien, Rudolf Bindig: "Ich glaube nicht, dass der Tschetschenien-Konflikt schon damit beendet ist oder sich eine Aussicht auf eine baldige Endigung abzeichnet. Schließlich gibt es verschiedene weitere tschetschenische Führer, nationalistische Kräfte."

Im Gespräch mit der Deutschen Welle sagte er weiter: "Ich meine, dass jetzt, nachdem der gefährlichste Terroristenführer eliminiert worden ist, die russische Regierung ihre bisherige Haltung gegenüber den eher gemäßigten Führern ändern und in Verhandlungen eintreten sollte. Aber das wird sich erst in den nächsten Tagen jetzt abzeichnen, ob die russische Regierung dazu bereit ist einerseits und ob die tschetschenischen Führer, die mehr nationalistisch denken und nicht radikal-islamistisch, ob diese bereit sind, Verhandlungen aufzunehmen."

Tatjana Petrenko, Andreas Brenner
DW-WORD.DE/Russisch, DW-RADIO/Russisch, 11.6.2006, Fokus Ost-Südost

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