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Fokus Osteuropa

Tschetschenischer Rebellenchef Aslan Maschadow getötet

Der tschetschenische Ex-Präsident und Untergrundkämpfer Aslan Maschadow hatte noch vor kurzem dem Kreml Verhandlungen angeboten. Nach seinem Tod fürchten Beobachter nun eine weitere Eskalation in der Kaukasusrepublik.

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Maschadow bei seiner Vereidigung als tschetschenischer Präsident (Februar 1997)

Die russische Armee hat eigenen Angaben zufolge den tschetschenischen Rebellenchef Aslan Maschadow im Verlaufe einer sogenannten "Spezialoperation" in einem Dorf etwa zwanzig Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Grosny getötet. Die genauen Umstände seines Todes sind noch nicht bekannt. Maschadow gilt als Schlüsselfigur im bewaffneten Unabhängigkeitskampf der Kaukasus-Republik gegen Russland. Der russische Armeesprecher Ilja Schabalin sagte am Dienstag (8.3.), der Rebellenchef sei von einer russischen Sondereinheit getötet worden. Auch die tschetschenische Polizei bestätigte den Tod des 53-Jährigen, dessen mutmaßliche Leiche im russischen Staatsfernsehen zur Schau gestellt wurde. Der Inlandsgeheimdienst FSB unterrichtete den russischen Präsidenten Wladimir Putin am Dienstagabend über den Tod Maschadows. Es bleibe "noch viel Arbeit" in Tschetschenien, sagte Putin in einer ersten Reaktion.

Maschadows Waffenstillstandsangebot

Vor genau einem Monat hatte der tschetschenische Ex-Präsident und Untergrundkämpfer Aslan Maschadow einseitig einen vierwöchigen Waffenstillstand für die vom Bürgerkrieg gezeichnete Kaukasusrepublik Tschetschenien verkündet. In einem Interview mit der russischen Tageszeitung Kommersant hatte er kurz darauf dem Kreml Verhandlungen angeboten - ein Angebot, das die russische Führung unbeantwortet ließ. Mit Terroristen werde nicht verhandelt, hat Präsident Wladimir Putin stets betont. Behörden und Armee machten auch nach dem Waffenstillstandsangebot keine Anstalten, von ihrer Politik der eisernen Faust abzurücken. Auch der Moskau-treue tschetschenische Präsident Alu Alchanow sagte, wenn Maschadow wirklich den Terror beenden wolle, so dürfe er keine Bedingungen stellen, sondern müsse sich ergeben.

Vom Oberst zum Unabhängigkeitskämpfer

Der 1951 geborene Maschadow war zunächst Berufsoffizier, in der russischen Armee brachte er es bis zum Oberst. Nach dem ersten Krieg in der nach Unabhängigkeit strebenden Republik Tschetschenien wurde Maschadow 1997 zu ihrem Präsidenten gewählt. Später schloss er sich dem militanten Kampf für die Abspaltung von Russland an, trotzdem galt er als gemäßigter Separatist. Seit Ausbruch des zweiten Krieges 1999 lebte er im Untergrund. Die Einführung von Scharia-Gerichten, die Finanzierung der tschetschenischen Freischärler durch Drogenhandel und Entführungen lehnte er stets ab. Auch zu den brutalen terroristischen Anschlägen hat er sich nie bekannt. Dennoch warfen ihm die russischen Behörden vor, Drahtzieher der brutalen Geiselnahmen im Moskauer Nordost-Theater (im Oktober 2002) und in der Schule von Beslan (Anfang September 2004) gewesen zu sein.

Ein Partner weniger

Mit dem Tod Maschadows verliert der russische Präsident einen potenziellen Verhandlungspartner. Manche sagen, er sei der letzte überhaupt gewesen. Nicht wenige Beobachter fürchten nun eine weitere Eskalation in der von Kämpfen und Zerstörung betroffenen Kaukasusrepublik.

Cornelia Rabitz
DW-RADIO/Russisch, 8.3.2005, Fokus Ost-Südost

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