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Europa

Tschetschenenführer Maschadow getötet

Nach russischen Angaben ist der tschetschenische Rebellenführer Aslan Maschadow in seiner Heimat getötet worden. Was bedeutet sein Tod für den Konflikt in Tschetschenien?

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Aslan Maschadow (Archivbild)

Laut russischen Sicherheitsdiensten wurde der tschetschenische Rebellenführer Aslan Maschadow bei einer "Spezialoperation" nördlich der tschetschenischen Hauptstadt Grozny getötet. Entsprechende russische Angaben wurden am Abend von Maschadows Sprecher in London, Achmed Zakajew, bestätigt. Russische Fernsehsender haben bereits vorher Bilder der angeblichen Leiche gezeigt.

Schwerer Schlag für tschetschenische Rebellen

Tschetschenischer Separatistenführer Maschadow getötet

Maschadow im Jahr 1997 bei seiner Amtseinführung als Präsident

Für den Kreml ist die Tötung Maschadows durch russische Streitkräfte ein großer Erfolg. Die russische Staatsführung dürfte dies als Bestätigung ihrer seit 1999 verfolgten unnachgiebigen Politik einer militärischen Lösung des Tschetschenien-Konfliktes betrachten. Denn Maschadow stand neben dem tschetschenischen Terroristen Schamil Bassajew an der Spitze der russischen Fahndungsliste. Die russische Regierung beschuldigte beide in den vergangenen Jahren schwere Terroranschläge wie die Geiselnahme im Moskauer Musicaltheater Nordost sowie in der Schule von Beslan verantwortet zu haben.

Der Tod Maschadows ist für die tschetschenischen Rebellen tatsächlich ein schwerer Rückschlag, vor allem in politischer Hinsicht. Im einstigen Berufsoffizier der Sowjetarmee sahen russische und internationale Gegner der Kreml-Politik immer noch den legitimen Präsidenten Tschetscheniens. Denn Maschadow war 1997 in einer Wahl unter OSZE-Aufsicht in das Amt gewählt worden. Auf Seiten der tschetschenischen Rebellen gibt es nun niemanden mehr, der diese Rolle einnehmen könnte.

Kein Nachfolger mit Autorität

Vizepräsident Achmed Sakajew Tschetschenien

Maschadows Sprecher: Achmed Sakajew

Zwar könnten im Exil lebende tschetschenische Politiker, das Erbe Maschadows für sich beanspruchen - beispielsweise der in London ansässige Sprecher Maschadows, Achmed Sakajew. Doch ihnen fehlt nicht nur die politische Legitimität (schon Maschadow fiel es schwer, seinen eigenen Führungsanspruch mit einer Wahl vor rund acht Jahren zu begründen). Vielmehr dürfte der Kreml, der trotz mehrfacher Angebote Verhandlungen mit Maschadow strikt abgelehnt hat, jetzt erst recht nicht zu Gesprächen mit Sakajew oder anderen Prätendenten bereit sein. Völlig offen ist auch die Haltung der tschetschenischen Bevölkerung zu möglichen selbst ernannten Nachfolgern. Die Loyalität unter den noch kämpfenden tschetschenischen Rebellen zu Maschadow hatte jedenfalls in den vergangenen Jahren nachgelassen. So war in jüngster Zeit unklar, welche Rebellengruppen Maschadow noch repräsentierte und befehligte.

Alltag in Tschetschenien Frau Ruinen

Straßenbild in Tschtschenien

Die Auswirkungen des Todes von Maschadow sind daher in realpolitischer Hinsicht geringer zu bewerten. Schamil Bassajew und seine Terroristengruppe, die für die Geiselnahme im Musicaltheater Nordost sowie in der Schule von Beslan Verantwortung übernommen haben, dürfte sich durch den Tod Maschadows nicht geschlagen geben. Weitere Terrorakte sind deshalb nicht auszuschließen. Die moskau-treue Führung der Kaukasusrepublik hat bereits weitere Angriffe auf die tschetschenischen Rebellen angekündigt.

Der Tod Maschadows ändert nichts an der schwierigen sozialen und wirtschaftlichen Lage in Tschetschenien: Nach Jahren des Krieges leben die meisten Menschen in erbärmlichen provisorischen Unterkünften, mit wenig Aussicht auf eine geregelte Arbeit. Allgegenwärtige Korruption, Amtsmissbrauch und Gewaltverbrechen verhindern eine Verbesserung der sozialen Situation. Daher muss Präsident Putin für einen echten Wiederaufbau Tschetscheniens sorgen, wenn er diesen Konflikt in den nächsten Jahren tatsächlich beenden will.

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