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Ostmitteleuropa

Tschechische Telecom wartet auf den goldenen Fisch

- Regierung Zeman will das Unternehmen privatisieren - Deutsche Telecom ist ein möglicher strategischer Partner

Prag, 24.1.2002, PRAGER ZEITUNG, Günter Gensicke

"Der beste strategische Partner wäre für uns die Deutsche Telecom", sagt Generaldirektor Premysl Klima. Sein Unternehmen, die Tschechische Telekom AG, steht zum Verkauf. 51,1 Prozent der Anteile liegen beim Staat, und die sollen samt und sonders über den Ladentisch. Und das möglichst noch vor den Parlamentswahlen im Juni. Ausgeschrieben ist der Deal schon seit langem, und mehr als 20 Unternehmen sollen weltweit Interesse bekundet haben. Doch die Branche ist durch die aufwendige Neuverteilung vor allem der Mobilfunknetze finanziell arg gebeutelt, und selbst die ganz großen wie die Deutsche Telekom, in Europa auf Platz eins und weltweit Dritte hinter der amerikanischen AT&T und der NTT, weisen horrende Fehlsummen aus.

Also eigentlich kein guter Zeitpunkt für einen Verkauf. Premier Milos Zeman besteht auch nicht darauf, dass es sofort sein müsse. Wenn aber, meint er geübt schwejkisch, schon jetzt einer mit einem Superangebot käme, dann besser heute als morgen. Summen wurden bisher allerdings nicht vorgegeben, etwa wie bei der letzten - und geplatzten - Verkaufsrunde nahezu der gesamten Elektroenergiewirtschaft, wo ein Mindestbetrag von 200 Milliarden Kronen die Bedingung dafür war, dass das Angebot überhaupt durchgelesen wurde.

Unter der Hand gehandelt aber werden für die Telecom 80 - 100 Milliarden Kronen, was, so die Experten, ein angemessener Obulus wäre. Denn immerhin hat die Firma die Hand auf dem gesamten tschechischen Festnetz, sie besitzt 3,85 Millionen Telefonhauptstationen, bringt als kleines Angebinde 51 Prozent am Mobilfunkbetreiber Eurotel (3,2 Millionen Kunden/etwa 40 Prozent Marktanteil) in die Ehe, und in 2000 lag ihr konsolidierter Gewinn bei 6,36 Milliarden Kronen.

Acht Interessenten haben letztlich ihre Anträge abgegeben. Unverbindlich noch, doch immerhin mit Straße und Hausnummer. Die zuständige Kommission im Nationalen Vermögensfonds (FNM), der tschechischen Treuhand, hat geprüft und am Donnerstag mitgeteilt, alle Bewerber seien bestätigt für die Runde zwei. Nur - nicht verraten wurde, um wen es sich dabei handelt. Der einzige, der von sich aus Farbe bekannte, hat auch den Namen nach einer solchen - Mobilfunkbetreiber Orange, Ableger der France Telecom.

Die vor acht Jahren in Großbritannien gegründete Firma gehört zu den ganz großen in Europa - in England ist sie mit mehr als zwölf Millionen Kunden die Nummer zwei, und in Frankreich liegt sie mit rund 16 Millionen klar an der Spitze der Mobilen. Ein überaus potenter Anbieter also, nur hat die Bewerbung einen Mangel: die Franzosen interessieren sich ausschließlich für Eurotel, den Mobilfunker. Damit wären sie schon fast aus dem Rennen, es sei denn, sie fänden einen Partner, der das Festnetz übernimmt. Denn aufgebröselt werden soll Cesky Telecom auf keinen Fall.

Wunschkandidat Nummer eins jedoch ist die Deutsche Telekom. Auch sie soll einen Brief in Prag abgegeben haben, doch war eine Bestätigung nicht zu bekommen. Aus zuverlässigen Quellen aber verlautet, sie gehöre zu den acht der zweiten Runde. Doch auch hier gibt es ein Problem: Die Deutsche Telekom hält seit einiger Zeit die Mehrheit beim tschechischen Mobilfunkbetreiber RadioMobil. Erhielte sie nun den Zuschlag für die Tschechische Telecom, fielen ihr auch die 51 Prozent Anteile an Eurotel zu. Damit wären die Deutschen plötzlich das Mammut im tschechischen Mobilfunkwald. Ein Zustand, gegen den die Brünner Wettbewerbschützer mit tiefen Fallgruben vorgehen würden.

Bliebe nur der Ausweg, das Eurotel-Paket abzustoßen oder bei RadioMobil auszusteigen, sagen Analysten. Oder ganz auf das Geschäft zu verzichten. Was die Deutschen selbst dazu meinen, bleibt vorerst unbekannt - man hüllt sich auf beiden Seiten in, wie es hieß, geschäftsförderndes Schweigen.

Denn es sind noch weitere Bewerber im Gespräch. Genannt werden, und auch das unbestätigt, ein Konsortium des US-Finanzhauses Warburg Pincus mit zwei britischen Partnern - Doughty Hanson und Apax Partners, sowie die britisch-amerikanische Allianz CBC Capital Partners und Spectrum Equity Partners. Doch handelt es sich in beiden Fällen um Finanzinstitute, was der Ausschreibung widerspricht: Wer ohne Partner aus der Telekommunikation antritt, wird gnadenlos aus dem Wettbewerb gekippt.

In diesem Monat soll das Sieb noch einmal geschüttelt werden, um die Teilnehmer der Endrunde zu ermitteln. Dann könnte Ende März der Zuschlag erfolgen. Oder halt nicht. "Entweder wir fangen den goldenen Fisch", sagt der Telecom-Chef, "oder wir werfen die Angel noch einmal aus." (ykk)

  • Datum 25.01.2002
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