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Ostmitteleuropa

Tschechiens Wirtschaftspresse

– Handeslblatt-Gruppe am Verlag des Marktführers "Hospodarske noviny" beteiligt

Prag, 15.2.2002, RADIO PRAG, deutsch, Robert Schuster

Die Zeitung "Hospodarske noviny" (Wirtschaftsblatt) ist (...) nach wie vor die unbestrittene Nummer eins auf dem heimischen Markt der Wirtschaftspresse. Die Führungsposition ergibt sich nicht zuletzt auch daraus, dass es keine weitere ähnlich ausgerichtete Zeitung im Land gibt. Entsprechende Versuche zum Beispiel in den 90er Jahren scheiterten, auch wenn hinter diesen Projekten starke westliche Verlage standen. Ein Beispiel dafür ist etwa die Wirtschaftszeitung "Profit", die (...) vom Schweizer Ringier-Verlag gegründet wurde. Mit einem starken, auf Service-Leistungen ausgerichteten Angebot sollte Profit vor allem die neu entstehende Schicht von Klein- und mittelständischen Unternehmern ansprechen und sich unter dieser wichtigen Berufsgruppe etablieren. Das Konzept von Ringier ging jedoch nur teilweise auf, was auch wahrscheinlich der Grund dafür war, warum der Verlag Profit 1999 an den Unternehmer Karel Komarek verkaufte.

Eines der Erfolgsgeheimnisse der Wirtschaftszeitung "Hospodarske noviny" liegt sicherlich auch darin, dass es die Zeitung schon vor der Wende gab und es sich somit um eine eingeführte Marke handelt. Vor 1989 war die "Hospodarske noviny" sogar das inoffizielle Organ der Regierung, weil dort unter anderem regelmäßig alle wichtigen Verlautbarungen und Beschlüsse des Kabinetts in Form von speziellen Beilangen erschienen sind. Nichts unterstreicht wohl diese Kontinuität und Verknüpfung mit dem damaligen Regime besser als der Umstand, dass der Sprecher der letzten kommunistischen Regierung in der Tschechoslowakei, Miroslav Pavel, nach der Wende nicht nur Chefredakteur der "Hospodarske noviny" wurde, sondern auch Chef des ganzen Wirtschaftsverlags Economia, in dem unter anderem die "Hospodarske noviny" erscheinen.

Außer der "Hospodarske noviny" sind die über Wirtschaft berichtenden tschechischen Zeitschriften vor allem Wochenzeitungen. Neben der bereits erwähnten Zeitung "Profit", sind hier vor allem zwei weitere Titel zu erwähnen: Zum einen das Magazin "Ekonom" und zum anderen die Zeitschrift "Euro." Während "Ekonom" im gleichen Verlag wie die "Hospodarske noviny" erscheint und somit über die gleichen finanziellen Ressourcen und die gleiche Philosophie verfügt, ist das Magazin "Euro" etwas anders gestrickt. Die Macher von "Euro" versuchen sich nämlich stärker mit den politischen Zusammenhängen von wichtigen Wirtschaftsentscheidungen zu befassen. Das hat aber häufig zur Folge, dass "Euro" vor allem bei der Regierung aneckt. Vor allem Premier Milos Zeman ließ sich in diesem Zusammenhang oft zu harten Attacken gegen das Magazin verleiten.

Was erwartet eigentlich der tschechische Leser von seiner Wirtschaftszeitung? Wollen die Leser in erster Linie Informationen aus Politik und Wirtschaft oder ganz bestimmte Service-Leistungen, wie zum Beispiel Ratgeber, Angebote von Weiterbildungsseminaren usw.?

Joachim Weidemann meint, dass alle Wirtschaftszeitungen in Tschechien immer noch beträchtliche Reserven haben und sich also überlegen müssen, wie sie es am besten schaffen, den Leser besser anzusprechen. So wird zum Beispiel die "Hospodarske noviny" gegenwärtig in diesem Zusammenhang einer grundlegenden Blattreform unterzogen:

Joachim Weidemann ist der stellvertretende Chef von "Hospodarske noviny." Neben Veselin Vackov, der seit einem Jahr die Redaktion der Tageszeitung "Lidove noviny" leitet, ist neben Weidemann somit der zweite Nicht-Tscheche in der führenden Position einer überregionalen tschechischen Tageszeitung.

Weidemanns Wirken bei "Hospodarske noviny" hat einen wichtigen Grund: Am Verlag, in dem "Hospodarske noviny" und das Magazin "Ekonom" erscheinen, ist die deutsche Handelsblatt-Gruppe beteiligt. (...) (ykk)

  • Datum 19.02.2002
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