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Ostmitteleuropa

Tschechiens starke Krone unvorteilhaft für Auslandsgeschäfte

- Kursanstieg trifft Skoda und alle anderen tschechischen Exporteure

Prag, 2.7.2002, RADIO PRAG, deutsch, Lothar Martin

Die tschechische Währung jagt dieser Tage wieder einen Wechselkursrekord nach dem anderen. Nachdem ihr Kurs Ende letzter Woche erstmals seit dreieinhalb Jahren wieder unter die 30-Kronen-Marke im Verhältnis zu einem US-Dollar gefallen war, so war der Euro am Montag (1.7.) Nachmittag nur noch knapp über 29 Kronen wert. Ein Missverhältnis, das vor allem die tschechischen Exporteure in Schwierigkeiten bringt. In welche, dazu führte Radio Prag ein Gespräch mit dem Vorstandsvorsitzenden von PKW-Hersteller Skoda Auto, Ing. Vratislav Kulhanek.

Skoda Auto ist als größtes tschechisches Unternehmen zugleich größter hiesiger Exporteur, so dass wir Kulhanek zunächst nach den Auswirkungen der "starken Krone" für seine Firma befragten:

"Unser Unternehmen betrifft es genau so wie alle anderen Exporteure, das heißt: Für im Ausland in Euro verkaufte Fahrzeuge erhalten wir weiterhin die gleichen Beträge, denn selbstverständlich können wir die Preise nicht so einfach erhöhen. Demgegenüber kaufen wir die Mehrzahl der zur Produktion verwendeten Materialien in Tschechien ein, haben also hierzulande die höheren Kosten. Die Folge daraus ist, dass wir dem Euro weniger Kronen gegenrechnen können und das senkt natürlich die Rentabilität der Firma. Das zweite Problem, was sich daraus ergibt, ist jenes, dass die Konkurrenz nun ihre Wagen billiger importieren sowie Rabatte und weitere Vergünstigungen gewähren kann, wodurch sie auf unsere Kosten neue Kunden gewinnen dürfte."

Was gilt es in dieser Situation zu tun, welche Maßnahmen wurden eingeleitet, wollten wir von Kulhanek wissen.

"Selbstverständlich mussten wir die Währung versichern lassen, was uns in einem beträchtlichen Maß gelungen ist. Dadurch konnte der Gewinnrückgang zu einem gewissen Umfang kompensiert werden. Und zum anderen senken wir derzeit unsere Kosten zum Teil sehr drastisch, um konkurrenzfähig bleiben zu können. Das wird sich jedoch früher oder später nicht als Vorteil erweisen. Aber das ist schon so gut wie alles, was man dagegen tun kann.""

Wie hoch die augenblicklichen Verluste sind, darüber wollte Kulhanek keine Auskünfte geben. Allerdings erwarte er von der einheimischen Politik, dass sie zum aktuellen Stand der tschechischen Wirtschaft und zu den tatsächlichen Gründen für den Anstieg des Bruttoinlandproduktes schnellstens eine eingehende Analyse durchführen werde. Laut Kulhanek seien die in dieser Hinsicht verkündeten Daten zu optimistisch gewesen. Darüber hinaus, so Kulhanek, sollte die tschechische Regierung ihre aus der Privatisierung gewonnenen Devisenguthaben alsbald in die soziale Rentenversicherung stecken. Die eingefrorenen Devisenerträge stünden dem Kronenkurs nur als Spekulationsobjekt im Wege, sagte Kulhanek. (ykk)

  • Datum 04.07.2002
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  • Permalink http://p.dw.com/p/2Sly
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