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Ostmitteleuropa

Tschechiens militärischer Geheimdienst wie lahmgelegt

– Immer mehr geheime Informationen gelangen an die Öffentlichkeit – Intensive Ermittlungen inzwischen aufgenommen

Prag, 6.9.2002, LIDOVE NOVINY, tschech.

Tschechiens Verteidigungsminister Jaroslav Tvrdik schließt nicht aus, dass vor dem Prager NATO-Gipfel und vor einem möglichen US-Angriff gegen den Irak versucht werden könnte, den tschechischen militärischen Geheimdienst in seiner Tätigkeit massiv zu behindern. "Diesbezüglich sind inzwischen sehr intensive Ermittlungen aufgenommen worden", sagte Tvrdik der Zeitung "Lidove noviny."

Wer dahinter stecken könnte, deutete der Minister nicht an. Der ihm unterstehende militärische Abwehrdienst (VZS) ist jedoch - durch die Untersuchungen über die Zusammenarbeit des (inhaftierten) Ex-Staatssekretärs im Prager Außenministerium Karel Srba mit dem militärischen Geheimdienst - wie gelähmt.

Aus dem militärischen Abwehrdienst (...) gelangen geheime Informationen nach draußen, in Medien tauchen sogar Namen von Offizieren und Agenten auf. Zuerst gab es Enthüllungen im Fall Srba (der des geplanten Journalistenmordes sowie der Korruption verdächtigt wird – MD). Dann wurden einige in Moskau tätige Mitarbeiter des Prager Außenamtes und zuletzt der (tschechische - MD) Botschafter in Kasachstan sowie der (tschechische - MD) Militärattache in Indien kompromittiert. (...)

Viele der als geheimen geltenden und jetzt in den Medien veröffentlichten Informationen sind schon vor Monaten, wenn nicht sogar vor einigen Jahren beim militärischen Geheimdienst "verschwunden". Deswegen scheint es, dass sie jetzt absichtlich ans Licht befördert werden, um den militärischen Abwehrdienst zu zerstören. "... Es stellt sich die Frage: Warum gelangen diese Informationen gerade jetzt an die Öffentlichkeit? Was für Zweck steckt dahinter, warum ist es überhaupt dazu gekommen?", sagte Tvrdik. (...)

Die Enthüllungen häufen sich gerade zum Zeitpunkt eines möglichen US-Schlags gegen den Irak, an dem auch tschechische Soldaten beteiligt werden könnten. Genauso nähert sich auch der Prager NATO-Gipfel, bei dem auch der militärische Abwehrdienst für die Sicherheit sorgen soll. (...)

Der Versuch, den militärischen Abwehrdienst "zu zerstören", ist sehr wahrscheinlich hausgemacht. Dahinter stecken am ehesten Streiterein, Gruppeninteressen, Neid. Der VZS erhält vom Staat fünf Mal so viel Geld wie die anderen Geheimdienste. Bei ihm gibt es auch die besten Möglichkeiten für Nebenverdienste. (...) (ykk)

  • Datum 06.09.2002
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  • Permalink http://p.dw.com/p/2cbc
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