Tschechien und Bayern gelingt Schlag gegen Schleuserbanden | Aktuell Europa | DW | 09.03.2018
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Flüchtlinge

Tschechien und Bayern gelingt Schlag gegen Schleuserbanden

Die Polizei in Tschechien und in Bayern melden Erfolge im Kampf gegen die Schlepperkriminalität. In beiden Fällen wurden auch Flüchtlinge aus Fahrzeugen befreit. Derweil scheinen Migranten zunehmend Flugrouten zu nutzen.

Deutschland Bundespolizei Schleuserkriminalität (picture-alliance/dpa/F. Rumpenhorst)

Beamte der Bundespolizei bei einer Aktion gegen Schleuserkriminalität (Archivbild)

In Tschechien nahm die Polizei nach eigenen Angaben drei mutmaßliche Schleuser aus der Türkei fest, die versucht haben sollen, 22 Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak und der Türkei in einem Lieferwagen nach Deutschland zu bringen. Das Fahrzeug war nach Angaben der Behörden am Stadtrand von Prag aufgebracht worden. Unter den entdeckten Flüchtlingen seien vier Kinder und eine hochschwangere Frau gewesen, die nun ärztlich behandelt würden. 

Erfolg zweimonatiger Ermittlungen

Die tschechischen Ermittler hatten die Schlepper bereits mehr als zwei Monate lang im Visier und arbeiteten dabei mit der Polizei in Deutschland und der Slowakei zusammen. Die Festgenommenen sollen in der Vergangenheit bereits auf sechs Fahrten rund hundert Menschen nach Deutschland gebracht haben. Von jeder Person sollen sie zwischen 2000 und 8000 Euro kassiert haben.

Im letzten Fall seien die Flüchtlinge von Rumänien über Ungarn und die Slowakei in einem Lastwagen bis nach Tschechien transportiert worden, wo sie in den Lieferwagen umstiegen. Einige hätten bereits in einem EU-Land Asyl beantragt und sollen dorthin zurückgebracht werden, so die tschechischen Behörden. Den festgenommenen Schleusern drohen Haftstrafen von bis zu acht Jahren.

Bundespolizei bekommt Hinweis

Ebenfalls aus der Türkei stammen die beiden Schlepper, die die Bundespolizei in Niederbayern festgesetzt hat. Die Festnahme verdankten die Ermittler dem telefonischen Hinweis eines Zeugen, der einen verdächtigen Lastwagen auf einem Parkplatz gemeldet hatte, wie die Bundespolizeidirektion München mitteilte.

Deutschland Brandenburg Polizei stoppt Schleuser-Lastwagen (picture-alliance/dpa/P. Pleul)

Schlepperkriminalität: In diesem Lkw wurden im Herbst 2017 in Brandebburg 51 Flüchtlingen entdeckt

Demnach wurden bei dem Zugriff in Kreuzberg bei Freyung zudem auch 27 Flüchtlinge auf der Ladefläche eines Lastwagens entdeckt. Die ohne Ausweispapiere eingereisten Flüchtlinge stammten  aus dem Iran und dem Irak. Sie wurden wegen des Verdachts der unerlaubten Einreise der Bundespolizei übergeben.

Neue Fluchtrouten  

Offenbar waren auch sie über Tschechien nach Deutschland eingereist. Der östliche Nachbar der Bundesrepublik gilt eigentlich nicht als eines der Haupttransitländer für Migranten auf ihrem Weg nach Westeuropa. Im vergangenen Jahr griff die tschechische Polizei nach eigenen Angaben nur 172 Flüchtlinge auf. Möglicherweise weichen Schleuser und Flüchtlinge nun aber auch auf neue Routen aus.

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Das beobachtet das Gemeinsame Analyse- und Strategiezentrum illegale Migration (Gasim), laut einem Bericht der Tageszeitung "Die Welt". Demnach nutzen immer mehr Asylsuchende auf ihrer Flucht Flugrouten. Dabei nutzten Flüchtlinge und Schleuser "sehr flexibel verschiedene Routen und Modi Operandi", zitierte die Zeitung Gasim-Experten.

So versuchten immer mehr Flüchtlinge wegen der verstärkten Kontrollen in Griechenland, nicht unmittelbar auf dem Luftweg nach Deutschland zu gelangen, sondern flögen stattdessen zunächst in andere europäische Staaten wie Polen, "um im Anschluss auf dem Landweg nach Deutschland weiterzureisen".

Kampf gegen Schlepper als "dauerhafte" Aufgabe

Der scheidende Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) sieht den Kampf gegen Schlepper als "dauerhafte" Aufgabe der nächsten Jahre. "Die Tatsache, dass immer noch Schlepper darüber entscheiden, wer nach Europa kommt, ist auch moralisch unbefriedigend", sagte er beim Treffen der EU-Innenminister in Brüssel. Bei der Bewältigung der Migrationskrise seien zwar Fortschritte erzielt worden, dies reiche aber noch nicht aus, so der Politiker. "Immerhin sind die Zahlen erheblich zurückgegangen - nicht nur in Deutschland, sondern auch in Europa."

ww/rb (afp, dpa, kna)

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