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Ostmitteleuropa

Tschechien: Jahresrückblick Wirtschaft

- Privatisierungen, Proteste von Umweltschützern und der Traum vom "Big Bang"

Prag, 20.12.2001, PRAGER ZEITUNG, deutsch

Januar

Österreichs Erste Bank kauft für 425 Millionen Euro das größte slowakische Kreditinstitut, die Slovenska sporitelna.

Die Prager Lufthansa-Vertretung, zuständig für Tschechien und die Slowakei, gibt die Ergebnisse für das Jahr 2000 bekannt: Über 50 Prozent Zuwachs bei Passagieren und Erträgen.

Februar

Industrieminister Miroslav Gregr, ein Mann alter Schule, plant den "großen Knall" - er will innerhalb von zwei Jahren 265 Milliarden Kronen in die tschechische Wirtschaft pumpen, das Bruttoinlandsprodukt soll in diesem Jahr um vier und im nächsten um fünf bis sechs Prozent wachsen. Die Wirtschaftszeitung "Hospodarske noviny" befindet bündig: "Ein solcher Plan grenzt an Größenwahn."

In Pilsen machen Umweltschützer gegen das Großprojekt der mexikanischen Firma Nemak mobil; 170 Millionen Dollar wollte die Firma in den Bau einer Autoteile-Fabrik stecken und 3100 neue Arbeitsplätze schaffen. Trotz Intervention des tschechischen Premierministers gewinnen die Umweltschützer den ungleichen Kampf, die Firma gibt das Projekt in Pilsen auf und will nun in der Nähe von Most bauen.

März

Umweltschützer aus Österreich und Deutschland rufen zum Boykott der deutschen E.on auf. Sie wollen verhindern, dass künftig Atomstrom aus dem umstrittenen Kernkraftwerk Temelin nach Österreich und Deutschland fließt. Der Boykott zeigt Wirkung, zwei Monate später kündigt E.on die Lieferverträge mit dem Temelin-Betreiber CEZ.

In Pilsen beginnen die Arbeiten an der Autobahnumgehung, bis 2003 soll das erste Teilstück fertiggestellt werden, die ganze Straße soll 2004 oder 2005 in Betrieb genommen werden. Bis dahin müssen sich Autofahrer auf der Strecke Prag-Nürnberg noch durch die Pilsener Innenstadt quälen.

Die IBM World Trade Corporation gibt bekannt, dass sie in Brünn (Brno) 8,8 Millionen Dollar in ein Expertenzentrum investieren wird, innerhalb von fünf Jahren sollen 200 tschechische Computerspezialisten Unternehmen in ganz Europa die Software-Sorgen abnehmen.

April

Finanzminister Pavel Mertlik tritt zurück, weil er eigenen Bekundungen zufolge "grundlegende Entscheidungen der Regierung nur wenig beeinflussen kann". Neuer Finanzminister wird der stellvertretende Minister für Arbeit und Soziales, Jiri Rusnok.

Mai

Vertreter der Bankrott gegangenen Firma H-System, die tschechischen Bürgern vorgegaukelt hatte, sie könnten zu günstigen Preisen Eigenheime bauen, bekommen per Post Briefbomben zugeschickt, eine Person wird schwer verletzt.

Juni

Tschechien und die EU einigen sich bei Übergangsfristen für den Verkauf von Grundstücken durch Ausländer. EU-Bürger müssen sieben Jahre warten, bis sie Grund und Boden erwerben können, bei Wochenendgrundstücken allerdings nur fünf Jahre. Selbstständige Bauern können sich gleich nach der EU-Osterweiterung in Tschechien niederlassen. Die Einschränkungen gelten nicht für ausländische Firmen, die in Tschechien im Handelsregister eingetragen sind.

Tschechiens Politiker vergeben immer häufiger Staatsaufträge ohne öffentliche Ausschreibung. Die Kontrollbehörde veröffentlicht einen Bericht, bei 600 untersuchten Fällen fand sie 277 Gesetzesverstöße.

Die Agentur für Auslandsinvestitionen Czechinvest erhält zum zweiten Mal hintereinander die Auszeichnung "Beste europäische Investitionsagentur".

73 Prozent aller Tschechen vertrauen deutschen Firmen, die in Tschechien investieren. Deutsche Vorgesetzte sind allerdings nur für 52 Prozent annehmbar, 25 Prozent lehnen sie entschieden ab.

Juli

Die französische Société Générale gewinnt den Wettbewerb um die Privatisierung der Bank "Komercni banka," für 40 Milliarden Kronen kauft sie 60 Prozent der Aktien.

Vor dem Oberlandesgericht München siegen die Brauer der tschechischen Budejovicky Budvar gegen die US-amerikanische Anheuser-Busch: Die Amerikaner dürfen ihr Bier in Deutschland nicht unter dem Namen Budweiser vertreiben.

Nach Einschätzung der Organisation Transparency International nimmt die Korruption in Tschechien zu, das Land fällt im Rating in diesem Jahr auf Platz 47 zurück.

August

Mit dem neuen Modell Skoda Superb wollen die Autobauer aus Mlada Boleslav nun in der Oberklasse angreifen, die Neuentwicklung der VW-Tochter soll Wagen wie dem Audi A4, dem VW Passat oder dem Peugeot 406 Konkurrenz machen.

September

Tschechien erprobt in einem Pilotprojekt seine Variante der Green Card - dem Vorhaben nach sollen Ausländern, die für den tschechischen Arbeitsmarkt qualifiziert sind, die Arbeitsbeschaffung und die Aufenthaltsgenehmigung erleichtert werden.

Deutsche Unternehmen, die gegen tschechische Geschäftspartner Außenstände vor deutschen Gerichten einklagen, können ab sofort auf Erfolg hoffen - die Urteile deutscher Gerichte können nun auch in Tschechien vollstreckt werden.

Oktober

In Dresden werden die ersten 3,5 Kilometer Abschnitt der A 17 übergeben. Bis 2005 soll eine durchgehende Autobahn Prag und Dresden verbinden.

Tschechiens Wirtschaft spürt die ersten Auswirkungen der Terroranschläge: Die Tourismusbranche klagt über Rückgang, Waffenexporteure hoffen auf neue Geschäfte.

November

Ausländische Investoren klagen über einen Mangel an geeigneten Arbeitskräften, beanstandet werden vor allem mangelnde Mobilität und fehlende Ausbildung.

Dezember

Österreich verbietet den Strom-Import aus 15 Ländern, darunter aus Tschechien, der Slowakei, Ungarn und Slowenien. Die Betroffenen sprechen von einem "politischen Akt, der mit Umweltschutz nichts zu tun hat". (ykk)

  • Datum 21.12.2001
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