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Ostmitteleuropa

Tschechen bangen um ihre Sicherheit

- Kriminalität ist für sie das größte Problem des Landes

Prag, 31.1.2002, PRAGER ZEITUNG, deutsch

Die Tschechen fürchten um die Sicherheit im eigenen Land - obwohl die Kriminalität sinkt. An Arbeitslosigkeit haben sich die Bürger hingegen gewöhnt und sehen darin kein schwerwiegendes Problem.

Das tschechische Institut für Meinungsforschung STEM gab Ende Dezember vergangenen Jahres die Ergebnisse einer Umfrage bekannt, welche die gravierendsten Probleme der Gesellschaft ermitteln sollte. Nach Einschätzung von 1500 Befragten stellt die vorherrschende Kriminalität das größte Problem dar.

Das Gesundheitswesen folgt an zweiter Stelle der Skala, die die Schwachpunkte der tschechischen Gesellschaft bloßstellen soll. Tschechische Soziologen halten die Einordnung dieser beiden Problemfelder im vorderen Bereich der Skala für normal. Beide Bereiche würden unmittelbar das Leben der Menschen betreffen. Als gängige Begleiterscheinung nehmen dagegen mehr und mehr Tschechen die Arbeitslosigkeit wahr.

"Die Menschen haben sich an dieses Problem gewöhnt. Heute stellt für sie die Arbeitslosigkeit einen normalen, üblichen Trend dar", interpretiert Jaroslav Huk, der als Analytiker für das Forschungsinstitut STEM arbeitet, die Einschätzung seiner Landsleute.

Umweltfragen haben für die tschechische Gesellschaft in den letzten Jahren deutlich an Bedeutung verloren. Dieser Problembereich wird von der Bevölkerung nicht als schwerwiegend erachtet und nimmt in der Skala den vierten Platz ein.

Traditionell befindet sich die Kategorie "Beitritt Tschechiens in die EU" auf dem untersten Rang der Skala. Jaroslav Huk geht jedoch davon aus, dass die Tschechen den Beitritt in die Europäische Union keineswegs als gering erachten. Im Gegenteil: "Dass sich dieser Bereich so weit unten befindet, bedeutet einzig und allein, dass Tschechiens Beitritt in die Europäische Union grundsätzlich positiv verläuft und deshalb nicht als problematisch betrachtet wird."

Dass die Kriminalität im Land nach wie vor ein ernsthaftes Problem darstellt, ist das interessanteste Ergebnis dieser Umfrage. Diese Einschätzung steht nämlich im Gegensatz zur allgemeinen Entwicklung in diesem Bereich. Ein Blick in die Statistiken verrät, dass die landesweite Kriminalitätsrate in den letzten drei Jahren kontinuierlich gesunken ist. Wurden im Jahr 1999 noch 426.626 Straftaten begangen, waren es im Jahr 2000 nur noch 391.469. Im vergangenen Jahr stellte die Polizei nur noch 358.577 Straftaten fest.

Ebenso konnte die Polizei hinsichtlich der Aufklärung von Straftaten in den vergangenen Jahren einige Erfolge verbuchen. Mitte der 90er Jahre wurden rund 35 Prozent aller Fälle aufgeklärt. In den vergangenen drei Jahren stieg diese Zahl auf stolze 45 Prozent. Zu den häufigsten Straftaten, mit denen sich Tschechen im alltäglichen Leben konfrontiert sehen, zählen Diebstahl und Einbruch. Diese beiden Kategorien machen zusammen über 80 Prozent aller jährlichen Straftaten aus. Jedes Jahr werden in Tschechien rund 30.000 Autos gestohlen und doppelt so viele aufgebrochen, jährlich wird in über 30.000 Wohnungen eingebrochen. Diese Art von Kriminalität ist wohl gemeint, wenn Tschechen um ihre Sicherheit besorgt sind. (ykk)

  • Datum 31.01.2002
  • Autorin/Autor Martin Nerad
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  • Permalink http://p.dw.com/p/1mCl
  • Datum 31.01.2002
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