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Nahost

"Trumps Verbeugung vor dem König und dem Islam"

Der Auftritt und die Rede von US-Präsident Trump haben in der arabischen Welt ein unterschiedliches Echo ausgelöst. Vor allem in Saudi-Arabien selbst zeigte man sich zufrieden. Anderswo überwogen Kritik und Skepsis.

Ist auch ein vergiftetes Lob ein Lob? Mit dieser Frage wird sich die Pressestelle des Weißen Hauses bei der Auswertung von Donald Trumps Nahost-Reise in den arabischen Medien auseinandersetzen müssen. Dort finden sich nämlich Bemerkungen zu dieser Reise, von denen sich nicht ganz einfach sagen lässt, ob sie freundlich oder eher kritisch gemeint sind. Jener Kommentar in der ägyptischen Zeitung Al-Shorouk etwa, dessen Autor seine Bewunderung für Trump nicht verhehlt:  "Jobs, Jobs, Jobs", eröffnete er seinen Kommentar, habe der Präsident vor seiner Wahl versprochen. Und dieses Versprechen habe er nun umgesetzt. "Es war ein wundervoller Tag", schreibt er nicht ohne Ironie, "eine gewaltige Investition von hunderten Milliarden US-Dollars in die Vereinigten Staaten". Dort, schreibt er weiter, entstünden sie nämlich nun, die dringend benötigten Jobs, rund um die dank der saudischen Aufträge aufblühende Waffenindustrie.

"Während seines Besuchs in Saudi-Arabien war Trump ein gehorsamer Diener der obersten Interessen seines Landes". Und das vornehmste Interesse sei es eben, das Land ökonomisch auf Vordermann zu bringen. "Die Geschäftsabschlüsse kommen als Insulinspritze, um die Wirtschaft wieder zu beleben." Implizit schwang mit: Arbeitsstellen in den arabischen Ländern hat dieser Besuch nicht gebracht.

"Verbeugung vor dem Islam"

Ähnlich sieht es auch die in Kairo herausgegebene Zeitung Al-Ahram. "Donald Trump hat gerade das größte Geschäft abgeschlossen, das ein amerikanischer Präsident je gemacht hat." Es sei viel größer, als es sich die Waffenindustrie der Vereinigten Staaten jemals vorgestellt habe. Ganz nebenbei könnte dem Präsidenten womöglich noch etwas gelingen: "Der Deal könnte für Washington eine Gelegenheit sein, internationale Wettbewerber wie China und Russland in Schach zu halten."

Saudi Arabien Riad Plakate Besuch US Präsident Trump (picture-alliance/AA/E. Abdelrehim )

Gern gesehener Gast: Auch in der Öffentlichkeit wird Trump begrüßt

Zugleich, bemerkt die  in London erscheinende Zeitung "Al Hayat", habe Trump ein weiteres Wahlversprechen umgesetzt – nämlich Saudi-Arabien und die übrigen Golfstaaten für ihre Sicherheit zahlen zu lassen. Weil diese Sicherheit ihnen so wichtig erscheine, hätten die Führungen dieser Länder auch zu Trumps im Wahlkampf losgelassenen Attacken auf den Islam geschwiegen. Nun aber habe die islamische Welt von Trump eine regelrechte Hommage erhalten: "Der saudische König konnte Trump die König Abdul al-Aziz-Medaille nicht um den Hals legen, weshalb dieser sich hinab neigte. Das war eine Verbeugung: vor dem König - und vor dem Islam."

Ablehnung im Jemen

Von dieser Verbeugung wollten in Saudi-Arabiens Nachbarland Jemen Tausende Menschen nichts wissen. Sie gingen auf die Straße, um gegen den Besuch des amerikanischen Präsidenten in Riad zu protestieren. Im Jemen führt Saudi-Arabien seit mehr als zwei Jahren einen Krieg, der Tausende Menschen das Leben kostete und Millionen Menschen zu Binnenflüchtlingen machte. "Im abstoßendsten Teil seiner Rede pries Trump die saudischen Aktionen im Jemen", twitterte Fares Said, Journalist bei der Zeitung Yemen al-youm. "Dabei handelt es sich um einen Krieg, der eine große Zahl von Zivilisten getötet hat."

Auf einen anderen Aspekt wies der jordanische Jurist Gandhi Amin hin. Er dachte in einem Tweet über andere Verwendungsmöglichkeiten für die nun in den Waffendeal geflossenen Milliarden nach. Mit ihnen hätte man etwa die durch den Krieg verursachte Cholera-Epidemie im Jemen in den Griff kriegen können. Oder man hätte ein Flüchtlingszentrum für die durch den Krieg in Syrien vertriebenen Menschen errichten können.

Saudi Arabien - Donald Trump zu Besuch in Riad (Reuters/J. Ernst)

Unter Freunden: Trump in Riad

"Kampf gegen Terror wird nicht greifen"

Sehr kritisch äußerte sich der populäre Leitartikler Abdel Bari Atwan, Kolumnist der ebenfalls in London erscheinenden Zeitung Rai al-Youm. Eines der absurdesten Paradoxe des Gipfels von Riad sei es, dass Präsident Trump sich als Prediger von Toleranz und Gleichheit gezeigt habe. Dabei seien die von den USA gestützten Kriege in der Region die blutigste Form von Terrorismus überhaupt. "Die Terroristen, zu deren Bekämpfung Trump nun aufforderte und die, wie er sagt, nicht Gott, sondern den Tod anbeten, haben vergleichsweise wenige Menschen getötet im Vergleich zu den Vielen, die von amerikanischen Flugzeugen im Irak, in Syrien, Libyen, dem Jemen und in Afghanistan getötet wurden."

Der Gipfel werde keinesfalls der Beginn einer Friedensperiode im Nahen Osten sein. "Der Kampf gegen den Terror wird solange nicht greifen, wie die Ungerechtigkeiten, die diesen Terror nähren, weiterhin bestehen." Darum sei es auch mehr als fraglich, ob der Kampf gegen den Terror langfristig Früchte trage. Es könne, fürchtet Atwan, auch das Gegenteil eintreten: "Präsident Trump hat keinen Krieg gegen den Terror gestartet, sondern einen konfessionellen Krieg in der islamischen Welt - einen Krieg, in dem hauptsächlich Araber und Muslime sterben werden."

Saudi Arabien - Präsident Trump zu Besuch (picture-alliance/dpa/ZUMA Wire/A. Hanks)

Künftig noch besser gerüstet: Ehrenformation der saudischen Luftwaffe

"Leuchtendes Beispiel von Hoffnung und Toleranz"

Anders sieht man es in Saudi-Arabien. "Das Land hat es geschafft, den amerikanischen Präsidenten von sich zu überzeugen und seine Sicht auf Muslime und den Islam zu ändern", heißt es in der saudischen Zeitung Sabq.

Trump, hatte die Zeitung in einem anderen Artikel bereits einen Tag vor dessen Besuch vermutet, werde von dem Königreich Arabien angetan sein. "Sie werden, Herr Präsident, Saudi-Arabien als leuchtendes Beispiel von Hoffnung, Toleranz und Hilfe erleben."

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