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USA

Trumps-Sieg: Beweis für den Rückschritt des Liberalismus

Der Wahlsieg von Donald Trump habe weniger mit Wirtschaftsfragen als mit den Themen Herkunft und Religion zu tun, sagt der US-amerikanische Politologe P. Klinkner. Trumps erste Kabinettsmitglieder bekräftigten den Trend.

DW: Herr Klinkner, Sie sind der Meinung, dass die US-Präsidentschaftswahl trotz ihrer Beispiellosigkeit in vielerlei Hinsicht eine Rückkehr zur Normalität war, und zwar aus einem wichtigen Grund: In den USA nennt man das 'Rassenpolitik'. Warum ist das so?

Philip Klinkner: Sie können dieses Muster im Laufe der US-amerikanischen Geschichte immer wieder beobachten: Erfolgreichen Epochen der Gleichberechtigung folgen lange Perioden des Rückschritts. Der Grund dafür ist, dass Amerika sich nicht eindeutig egalitären Idealen verpflichtet fühlt. Stattdessen hatten wir immer schon einen Kampf der Demokratie, Freiheit, Gleichberechtigung gegen hierarchische Strukturen im Bezug auf Geschlecht, ethnische Herkunft und Religion.

Zeiten des Fortschritts herrschen meistens zu Kriegszeiten. Die Regierung steht dann unter Druck von außen. Zu solch einem Zeitpunkt sind die USA gezwungen, liberale Werte wie Gleichberechtigung und Freiheit hervorzuheben und benachteiligten Gruppen ein größeres Maß an Freiheit zu verschaffen.

Also begeben wir uns Ihrer Meinung nach gerade wieder in eine Phase des Rückschritts?

Ja. Wir haben darüber bereits in unserem Buch "Der Unstete Marsch: Aufstieg und Fall der Rassengleichheit in Amerika" geschrieben. Meine Kollegen und ich sind der Meinung, dass Trumps Wahlsieg der Beweis dafür ist. Aber es ist nicht nur die Wahl an sich. Wir haben festgestellt, dass die politische Kluft zwischen Demokraten und Republikanern immer häufiger von Themen wie Rassismus und Einwanderung bestimmt wird, anstatt von wirtschaftlichen Unterschieden.

Rückblickend auf die Wahl sagen Sie, dass die beste Erklärung für den Erfolg Trumps nicht etwa Wirtschaftsprobleme sind, sondern die Einstellung der Menschen gegenüber anderen Ethnien und Muslimen. 

Das basiert auf Umfragen von Anfang des Jahres. Dabei habe ich herausgefunden, dass Wirtschaftsfragen kaum Einfluss nehmen. Die wirklich einflussreichen Faktoren waren Herkunft, Muslime und die Frage, ob die Leute davon ausgingen, dass Obama ein Muslim sei. Wirtschaftliche Faktoren, so wie das Einkommensverhältnis oder die Frage, ob sie positiv oder negativ über die Wirtschaftssituation denken, hatten kaum Einfluss.

Was bedeuten Ihre Forschungsergebnisse für die bevorstehende Trump-Präsidentschaft?

Ich denke, wir sehen das bereits anhand der Personen, die er ernennt: Steve Bannon, der sein zweiter Assistent im Weißen Haus sein wird, Jeff Sessions, der als Generalstaatsanwalt der oberste Strafverfolger im Weißen Haus sein wird oder Michael Flynn als möglicher innenpolitischer Berater. Das sind alles Leute mit einer langen Vorgeschichte von kontroversen Aussagen über Herkunft, Religion und Muslime. Ich denke, das zeigt, dass dies eine Reihe von Themen sind, die in der Trump-Regierung immer wieder auftauchen werden. Und das wird sicherlich nicht helfen, die Kluft zu schließen, sondern sie künftig wahrscheinlich nur vergrößern.

UKIP-Anführer Nigel Farage kommt in dem Trump Tower an (picture-alliance/AP Photo/E. Vucci)

Brexit-Verfechter Nigel Farage im Trump Tower in New York

Die USA sind nicht das einzige Land, das derzeit mit einem Anstieg des Rechtspopulismus konfrontiert wird. Glauben Sie, dass die Tendenzen, die Sie in den USA festgestellt haben, auch auf Europa übertragbar sind?

Sie haben absolut Recht damit, dass es einen Aufschwung dieser nationalistisch-populistischen Parteien gegeben hat, die Einwanderung ablehnen und sehr kontroverse Meinungen zu 'Rasse', Religion und anderen Dingen haben. Ich weiß nicht, ob es immer die gleichen Faktoren sind, die zu dem Aufstieg in jedem einzelnen Land geführt haben, aber eines weiß ich: Diese Gruppen inspirieren und unterstützen sich immer häufiger gegenseitig

Da lobt erst Donald Trump den Ausstieg Großbritanniens aus der EU und dann kommt Nigel Farage sogar selbst in die Vereinigten Staaten, um für ihn Wahlkampf zu machen. Trump äußert sich positiv zu Marine Le Pen in Frankreich. Das ist ein Kontrast zu dem Zustand von vor 40 oder 50 Jahren, als Regierungen und politische Parteien sich in den westlichen Ländern gemeinsam für liberale Werte einsetzten. Heute unterstützen sich rechtspopulistisch-nationalistische Parteien innerhalb Europas aktiv.

Philip Klinkner ist Professor für Staatswissenschaften am Hamilton College.

Das Interview wurde von Michael Knigge geführt.