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Nordkorea-Konflikt

Trump zu Nordkorea: Unterschätzt uns nicht

Das letzte Mal hatte ein US-Präsident vor 24 Jahren vor dem südkoreanischen Parlament in Seoul gesprochen. Donald Trump nutzte seinen Auftritt für eine weitere Warnung an die Adresse Nordkoreas.

US-Präsident Donald Trump hat deutliche Warnungen an die Adresse Nordkoreas gerichtet, den Konflikt aber nicht weiter angeheizt. In einer Rede vor der Nationalversammlung in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul sagte Trump: "Ich hoffe, für alle freien Nationen zu sprechen und nicht nur für die USA, wenn ich sage - unterschätzt uns nicht. Fordert uns nicht heraus."

In Sichtweite der weiträumig abgeschirmten Nationalversammlung gingen zahlreiche Menschen für und gegen Trump auf die Straße. Dabei kam es zu einzelnen Handgreiflichkeiten zwischen den Gruppen auf beiden Seiten. Tausende Bereitschaftspolizisten waren im Einsatz.

"Nordkorea ist eine Hölle"

In den vergangenen Monaten hatten sich die Spannungen in der Region deutlich verschärft, nachdem Nordkorea mehrfach Raketen getestet und damit gegen UN-Resolutionen verstoßen hatte. Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hatten sich mit Beschimpfungen und harschen Drohungen überzogen. Das nährte große Sorgen vor einem Krieg. Trump zeichnete in seiner gut 30-minütigen Ansprache in Seoul den scharfen Kontrast zwischen einem freien, prosperierenden Südkorea und einem völlig verkommenen, am Boden liegenden Norden. "Nordkorea ist ein Land, das wie eine Sekte regiert wird", sagte der US-Präsident. Nordkorea sei eine Hölle, die kein Mensch verdiene. Scharf kritisierte Trump Menschenrechtsverletzungen in Nordkorea.

"Jetzt ist die Zeit der Stärke"

Anders als am Vortag, als Trump mit sehr diplomatischen und zurückhaltenden Äußerungen überrascht hatte, sprach er nun zwar nicht mehr davon, dass es Bewegung in dem festgefahrenen Konflikt gebe. Er eskalierte aber auch nicht weiter. Den nordkoreanischen Führer Kim Jong Un beleidigte er nicht. Trumps Rhetorik war kräftig, aber nicht kriegerisch. Er sagte: "Amerika sucht keinen Konflikt. Aber wir gehen ihm nicht aus dem Weg." Unter seiner Führung bauten die USA das Militär komplett neu auf, sagte Trump. "Jetzt ist die Zeit für Stärke. Wenn du Frieden willst, musst du jederzeit mit Stärke agieren", sagte Trump. Der US-Präsident rief dazu auf, dass alle Nationen Nordkorea isolieren sollten. Das gelte auch für China und Russland. Niemand dürfe Nordkorea in irgendeiner Weise unterstützen. Trump warnte Nordkorea vor der Fehleinschätzung, seine Regierung so zu behandeln wie ihre Vorgänger. Pjöngjang könne Atomwaffen nicht als Faustpfand nutzen.Es war die erste Rede eines US-Präsidenten vor der Nationalversammlung seit Bill Clinton im Jahr 1993.

Besuch im Grenzgebiet abgebrochen

Ein unangekündigter Besuch der sogenannten Demilitarisierten Zone zwischen Nord- und Südkorea wurde vor Trumps Auftritt im Parlament in Seoul nach Angaben seiner Sprecherin Sarah Sanders kurzfristig abgebrochen. Der Hubschrauber des Präsidenten habe wegen Nebels in dem Grenzgebiet nicht landen können. Trump sei enttäuscht gewesen. Der Überraschungsbesuch hätte die Stärke der amerikanisch-südkoreanischen Allianz belegen sollen, so Sanders. 

Die nächste Etappe seiner Asienreise ist China. Dort ist er am Nachmittag (Ortzeit) eingetroffen. Bei seinen Gesprächen mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping soll es unter anderem um die Nordkorea-Krise und um Handelsfragen gehen. Trump will, dass die Chinesen ihren Einfluss auf Nordkorea stärker geltend machen, um die dortige Führung von ihrem Konfrontationskurs abzubringen. In der Handelspolitik dürfte Trump das riesige Handelsdefizit seines Landes zur Sprache bringen.

bri/sti (rtr, dpa)

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