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USA

Trump-Sprecher wegen Hitler-Vergleichs unter Druck

Mit der Zwischenfrage eines Journalisten nahm das Unheil seinen Lauf. Sean Spicer, die Stimme seines Herrn, vergaloppierte sich derart, dass ein Sturm der Entrüstung losbrach. Dann leistete er Abbitte.

Sean Spicer Pressesprecher des Weißen Hauses (picture-alliance/dpa/A. Harnik)

Der Sprecher des Weißen Hauses geriet durch eine Zwischenfrage aus dem Konzept - und verstrickte sich immer tiefer

Mit einem Satz über Adolf Hitler hat der Sprecher von US-Präsident Donald Trump, Sean Spicer, heftige Proteste ausgelöst. Spicer verlangte während der täglichen Pressekonferenz, Russland müsse seine Unterstützung für den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad überdenken.

Dann sagte er: "Nicht einmal jemand so verabscheuungswürdiges wie Hitler war so weit gesunken, chemische Waffen einzusetzen." Über die Opfer, die die Nazis in den Gaskammern ernordeten, ging Spicer damit einfach hinweg. Während des Dritten Reiches ließ das Hitler-Regime insgesamt rund sechs Millionen Juden umbringen. Im Vernichtungslager Auschwitz und anderen Lagern wurde das Blausäure-Gas Zyklon B eingesetzt, um Menschen systematisch zu töten.

"Warum gerade jetzt?"

Spicer war durch einen Zuruf in die Bredouille geraten. Ein Journalist hatte den 45-Jährigen gefragt, warum er glaube, dass Moskau ausgerechnet jetzt seine Hand vom Assad-Regime abziehen sollte, wo beide doch schon seit Jahren kooperierten. Der Präsidentensprecher erwiderte, nicht einmal im Zweiten Weltkrieg seien chemische Waffen eingesetzt worden. Dann zog er den Vergleich zu Hitler.

Sean Spicer Pressesprecher des Weißen Hauses (picture-alliance/dpa/A. Harnik)

"Unangebracht und unsensibel": Sean Spicer am Rednerpult

Als eine Reporterin wenig später um Erläuterung bat, kam Spicer aus dem Konzept - und verstrickte sich mit seiner Antwort noch mehr. "Er (Hitler) hat Gas nicht auf dieselbe Art und Weise gegen sein eigenes Volk eingesetzt, wie es Assad tut." Allerdings waren unter den Opfern der Gaskammern auch mehrere Hunderttausend deutsche und österreichische Juden.

"Sofort feuern!"

Spicer führte aus, während Hitler das Gas in die "Zentren des Holocaust" gebracht habe, werfe Assad es über den Stadtzentren ab. Mit dem Begriff "Holocaust-Zentren" meinte der Sprecher offensichtlich die Konzentrations- und Vernichtungslager der Nationalsozialisten.

Der Leiter des Anne Frank Center for Mutual Respect, Steven Goldstein, erklärte, Spicer fehle es an Integrität, um als Sprecher des Weißen Hauses zu dienen. Präsident Trump müsse ihn "sofort feuern". Das American Jewish Committee sprach im Kurznachrichtendienst Twitter von einem "unerhörten" Vorfall und forderte eine Entschuldigung.

Sean Spicer Pressesprecher des Weißen Hauses (picture-alliance/dpa/A. Harnik)

Nun verlangen viele, dass er geht - für immer

Spicer erklärte später in einer Mitteilung an Journalisten, er habe keinesfalls versucht, "das abscheuliche Wesen des Holocausts abzuschwächen". Jeder Angriff auf unschuldige Menschen sei "verwerflich und unverzeihlich". Inzwischen bat der Republikaner förmlich um Entschuldigung. Er habe einen "unangebrachten und unsensiblen" Bezug zum Holocaust hergestellt, sagte Spicer dem Fernsehsender CNN. "Es war ein Fehler, das zu tun."

Mit seinem Vergleich wollte Spicer den US-Raketenangriff der vergangenen Woche gegen die syrische Luftwaffe begründen und den russischen Beistand für Assad verurteilen. Trump hatte den Raketeneinsatz als Antwort auf einen mutmaßlichen Giftgasangriff in der nordsyrischen Stadt Chan Scheichun angeordnet. Bei der Gasattacke, für die nach Überzeugung der USA die Assad-Regierung verantwortlich ist, waren mindestens 87 Menschen getötet worden, darunter viele Kinder.

jj/ww (dpa, afp, rtr)

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