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Wirtschaft

Trump schwingt die Zollkeule

Bei der Wirtschaftspolitik setzt Donald Trump auf "America First" und plant gegenüber Mexiko Handelszölle. Ähnlich könnte er auch gegen China und Deutschland vorgehen. Für Deutschland steht dabei viel auf dem Spiel.

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US-Einreiseverbot trifft Unternehmen

Für Dennis Snower, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, ist klar: Donald Trump könnte dringend einen Auffrischungskurs in Sachen Volkswirtschaftslehre gebrauchen. Zölle hätten in einer integrierten Weltwirtschaft keinen Sinn mehr. "Sie erhöhen lediglich die Kosten, ohne dass dabei etwas rauskommt. Alle haben das verstanden, nur Donald Trump nicht", so der Ökonom gegenüber der DW.

Schon im Wahlkampf hatte sich Trump auf die Länder eingeschossen, die mehr Waren in die USA liefern, als sie von dort beziehen. Ganz oben auf seiner Liste steht Mexiko. Mit 20 Prozent will er nun alle Produkte besteuern, die dort produziert und den USA verkauft werden. Mehrere Milliarden Dollar sollen so zusammenkommen, mit denen Trump nebenher auch noch die mehr als 3000 Kilometer lange Betonmauer an der Grenze zu Mexiko finanzieren möchte.

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Interview: Freihandel auf der Kippe?

Von einer solchen Zollpolitik könnten nur die ineffizienten alten Industrien der USA profitieren, ist Snower sicher und nennt als ein Beispiel die Stahlindustrie. Ganz abgesehen davon, wären das Ganze auch nicht konform mit internationalem Handelsrecht. "Dass von einem bedeutenden Land wie den USA offen ein Handelskrieg angefangen wird, ist für den freien Handel, für den multilateralen Handel höchst gefährlich", warnt Oliver Wieck, Generalsekretär der Internationalen Handelskammer (ICC).   

Deutschland next?

Dass der neue US-Präsident neben Mexiko auch andere Länder für ihre erfolgreichen Exporte in die USA abstrafen möchte, dafür ließ Trumps Sprecher zumindest ausreichend Spielraum: "Wir wollen Steuern auf Importe aus Ländern erheben, mit denen wir ein Außenhandelsdefizit haben", so Sean Spicer. Wie im Fall Mexikos seien die andere Länder momentan Bestandteil eines Paketes, über das der Senat zur Zeit berate. 

Neben Donald Trumps Lieblingsfeind China sind die Worte wohl auch an Deutschland gerichtet. Amerikaner schätzen deutsche Produkte. Vor allem Fahrzeuge und Fahrzeugteile, aber auch ganze Maschinen für die Fertigung werden gerne auf amerikanischen Straßen und in den Fabriken eingesetzt. So haben die Deutschen (siehe Grafik) 2015 fast doppelt so viele Waren in die USA geliefert, wie sie im Gegenzug von dort importierten. Aus US-Perspektive ist das Defizit nur beim Handel mit China noch höher.

Auch wegen solcher Zahlen sind deutsche Ökonomen bereits alarmiert. Clemens Fuest, Präsident des Ifo-Instituts beschreibt das Schreckensszenario. In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung spricht er von einem Wegfall von rund 1,6 Millionen Arbeitsplätzen, wenn die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den USA und Deutschland gänzlich zum Stillstand kommen.

Mehr als nur Waren

Importzölle auf deutsche Produkte wäre ein harter Schlag. Schließlich sind die USA nach offiziellen Statistiken immer noch Deutschlands wichtigster Absatzmarkt. Die Exporte in das Herz des Kapitalismus machten 2015 knapp zehn Prozent der gesamten deutschen Ausfuhren aus.

Doch damit nicht genug. Die Verflechtung beider Länder ist historisch gewachsen. Für viele deutsche Unternehmen ist eine Niederlassung in den USA absolutes Pflichtprogramm. Viele Unternehmen produzieren auch vor Ort, investieren Geld in neue Werke und Fabriken. Nicht umsonst liegen die USA bei den Direktinvestitionen Deutschlands ganz weit vorne (siehe Grafik). So hat der Autobauer BMW beispielsweise sein größtes Werk nicht in Bayern, sondern in South Carolina. Insgesamt gibt es 3500 deutsche Unternehmen, die mit Tochtergesellschaften in den USA aktiv sind. Deren Umsätze tauchen in der Außenhandelsbilanz nicht auf - sehr wohl aber fließen die Umsätze auch wieder zurück nach Deutschland in die Konzernzentralen.

Bei einer Eskalation der Handelsbeziehungen zwischen den USA und Deutschland stünde hier deutlich mehr auf dem Spiel. "Die ehrliche Antwort ist: Wir wissen es nicht", lautet Dennis Snowes Antwort auf die Frage, wie sich eine Art Handelskrieg auf Deutschland auswirken könnte. Viel entscheidender seien aber die indirekten Wirkungen, auch Rückkopplungseffekte genannt. "Die Welt ist wirtschaftlich extrem integriert - wenn andere Länder auch Strafzölle bekommen und deshalb weniger exportieren, dann importieren sie auch weniger aus Deutschland."

China kein schneller Plan B

Die Volksrepublik ist da ein gutes Beispiel. Für Deutschland wird China wirtschaftlich immer wichtiger. So machte Ende vergangener Woche eine Meldung die Runde, die aktuell wohl für Freude bei den deutschen Exporteuren sorgt: Laut einer Hochrechnung der DIHK ist China nun Deutschlands wichtigster Handelspartner. Die USA - bisher die Nummer eins - sind demnach sogar auf den dritten Rang abgerutscht.

Doch die Hoffnung, dass die noch immer zentralistisch gelenkte Wirtschaft Chinas schnell die USA ersetzen könnten, sei verfehlt, glaubt Dennis Snower vom Kieler Institut für Weltwirtschaft. "Die Waren, die nach Amerika exportiert werden, sind nicht dieselben, die nach China exportiert werden." China könnte zwar noch deutlich wichtiger werden als bisher, "aber es ist nicht so, dass es dort eine unbegrenzte Nachfrage nach deutschen Gütern gibt." Zumal gerade China ganz oben auf Trumps Zollzettel stehen müsste. Sollte es so kommen, könnte sich auch dort erst mal die Wirtschaft abkühlen. Bei sinkender Produktion träfe das dann auch ganz schnell wieder die exportorientierte deutsche Wirtschaft. 

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