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USA

Trump schlägt Welle der Kritik entgegen

Langsam wird es einsam um ihn: Trotz aller Bemühungen hat der rechtskonservative US-Sender Fox News keinen einzigen Republikaner finden können, der US-Präsident Trump in der Rechtsextremismusdebatte verteidigen will.

"Unser Buchungsteam hat Republikaner aller Lager aus dem ganzen Land kontaktiert", sagte Moderator Shepard Smith in seiner Sendung. "Wir konnten niemanden bekommen, der herkommen und ihn, Trump, verteidigen wollte."

Auch die Wirtschaftsbosse wenden sich ab

Tatsächlich gerät Donald Trump immer mehr ins Abseits. Sieben Monate nach seinem Amtsantritt sind die Beziehungen zur heimischen Wirtschaft auf einen Tiefpunkt gesunken. Trump löste zwei Beratergremien mit Konzernchefs auf, nachdem mehrere Mitglieder aus Protest gegen seine Äußerungen zur rechtsextremen Gewalt in Virginia ausgetreten waren. Die Entscheidung belastete die Aktienmärkte in New York und den Dollar.

Zuvor hatten hochrangige US-Politiker beider Parteien Trump scharf kritisiert. Analysten zeigten sich skeptisch, dass seine Regierung noch zu den angekündigten Steuer- und Infrastrukturreformen fähig sei.

Trump erklärte per Twitter, er habe die Arbeit des Strategieforums (Strategic and Policy Forum) und des
Industrierates (Manufacturing Council) beendet "anstatt Druck auf die Geschäftsleute auszuüben". Er bedankte sich für deren Arbeit.

Berater auf dem Rückzug

Schon in den vergangenen Tagen waren mehrere Topmanager aus den Gremien ausgetreten. Dazu gehörten die Chefs der Unternehmen Merck, Intel, 3M und Under Armour. Auch der Vorsitzende des Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO verlies den Industrierat. Noch am Dienstag hatte Trump dazu erklärt, für jeden, der den Rat verlasse, habe er mehrere, die deren Plätze einzunehmen würden.

Kenneth Frazier (picture alliance/AP Photo/M. Lennihan)

Übte heftige Kritik an Trump: Merck-Boss Kenneth Frazier

Ursprünglich zählten die beiden Beratergremien jeweils etwa 20 Mitglieder. Die Kreise hatten sich bisher allerdings nur selten getroffen. Die Gremien hatten zudem keine Entscheidungsmacht und waren von Trump wohl eher dazu gedacht, medienwirksam seine Nähe zur Wirtschaft zu demonstrieren.

Doch damit ist nun Schluss. Mit Blick auf Trumps umstrittene Äußerungen nach den Vorkommnissen in Charlottesville/Virginia zitierten US-Medien einen Konzernvorstand mit den Worten: "Angesichts der Kommentare der vergangenen Tage wollte niemand weiterhin als ein Unterstützer dieser Art von Entzweiung gelten."

"Sehr anständige Leute"

Bei einem Neonazi-Aufmarsch am vergangenen Samstag war ein mutmaßlicher Rechtsextremist in eine Gruppe von Gegendemonstranten gefahren, hatte dabei eine Frau getötet und mehrere Teilnehmer schwer verletzt. Zudem kam es zu schweren Zusammenstößen. Trump löste seitdem parteiübergreifend Kritik aus, weil er rechte und linke Extremisten gleichermaßen verantwortlich machte statt die Rechtsradikalen ausdrücklich zu verurteilen. Am Dienstag hatte er bei einer viel beachteten Pressekonferenz in New York erklärt, es gebe Schuld, aber auch "sehr anständige Leute" auf beiden Seiten.

Neben den US-Demokraten kritisierten auch hochrangige republikanische Parteikollegen die Wortwahl des Präsidenten, darunter die ehemaligen Amtsinhaber George Bush und George W. Bush. Der Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell, nannte Trump zwar nicht beim Namen, unterstrich aber: "Es gibt keine guten Neonazis." In Deutschland verurteilten Justizminister Heiko Maas und SPD-Chef Martin Schulz Trumps Äußerungen als Verharmlosung rechter Gewalt.

haz/wa/cgn (rtr, afp, dpa)