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Fernsehen

Trump prägt die Emmy-Verleihung

Gewürzt mit viel Spott für US-Präsident Donald Trump sind in Los Angeles die Emmys verliehen worden. Der hat eine ganz besondere Beziehung zu den begehrten US-Fernsehpreisen.

Die Gewinner freuen sich gemeinsam fürs Familienfoto (Reuters/L. Nicholson)

Die Gewinner freuen sich gemeinsam fürs Familienfoto

Die Präsidentschaft Donald Trumps hat die erste Emmy-Verleihung seiner Amtszeit zur Polit-Show werden lassen. "Der größte TV-Star des vergangenen Jahres ist Donald Trump", sagt der Late-Night-Moderator Stephen Colbert, der durch die Gala im Microsoft Theater in Los Angeles führte. "Jede Show war auf irgendeine Weise von Trump beeinflusst." 

Das gilt vor allem für die politische Satire-Show "Saturday Night Live" – die neun der wohl wichtigsten Fernsehpreise der Welt abräumte. Kate McKinnon und Alec Baldwin gewannen für ihre Parodien von Clinton und Trump Emmys als beste Nebendarsteller in einer Comedy-Serie. "Ich schätze, ich sollte sagen, 'Endlich, Herr Präsident, hier ist Ihr Emmy", sagte Baldwin, als er den Preis entgegennahm. Damit spielte er auf Trumps noch im Wahlkampf wiederholte Klagen an, dass er niemals für seine erfolgreiche Reality-Sendung "The Apprentice" ausgezeichnet worden sei.

Sean Spicer wurde bei der Verleihung vom echten Sean Spicer parodiert (Reuters/M. Anzuoni)

Sean Spicer wurde bei der Verleihung vom echten Sean Spicer parodiert

Bevor aber irgendein Preis verliehen wurde, fuhr überraschend Trumps früherer Pressesprecher Sean Spicer mit einem Podium auf die Bühne. "Dies wird die größte Zuschauerzahl sein, die jemals die Emmys verfolgt hat. Punkt!", sagt der 45-Jährige. Am Tag nach der Amtseinführung Trumps im Januar hatte Spicer bei seiner ersten Pressekonferenz behauptet: "Dies war das größte Publikum, das jemals einer Amtseinführung beiwohnte. Punkt!" Darum entspann sich ein Streit mit Medienvertretern, die diese These in Zweifel zogen. Im Publikum der Emmys saß eine sichtlich erstaunte Melissa McCarthy. Sie hatte Spicer immer wieder für "Saturday Night Live" parodiert - inklusive fahrbarem Podium. 

Elizabeth Moss mit den Emmys für The Handmaid's Tale und für ihre schauspielerische Leistung darin (Reuters/L. Nicholson)

Elizabeth Moss mit den Emmys für "The Handmaid's Tale" und für ihre schauspielerische Leistung darin

Neben "Saturday Night Live" gewannen vor allem die Serien "Veep - Die Vizepräsidentin", "Big Little Lies" und "The Handmaid's Tale", sowie John Oliver's Late-Night-Politiksatire "Last Week Tonight". "Veep" handelt vom Alltag einer US-Vizepräsidentin und gewann den Emmy als beste Comedy-Serie. Die Dystopie "The Handmaid's Tale" wurde als beste Drama-Serie geehrt.

Um Trump schien bei dieser Verleihung niemand herumzukommen. "Wir hatten eine ganze Geschichte über eine Amtsenthebungsklage geplant, aber das haben wir dann aufgegeben, weil wir besorgt waren, dass uns da jemand zuvorkommt", sagte Julia Louis-Dreyfus, die für ihre Rolle in "Veep" als beste Hauptdarstellerin einer Comedy-Serie ausgezeichnet wurde. 

Als bester Hauptdarsteller in einer Comedy-Serie wurde Donald Glover ausgezeichnet (Reuters/L. Nicholson)

Als bester Hauptdarsteller in einer Comedy-Serie wurde Donald Glover ausgezeichnet

Und auch der Afroamerikaner Donald Glover sprach das Thema an, als er für seine Rolle in "Atlanta" als bester Hauptdarsteller in einer Comedy-Serie geehrt wurde. "Ich danke Donald Trump, dass er Schwarze zu den am meisten unterdrückten Menschen gemacht hat, er ist wahrscheinlich der Grund dafür, dass ich jetzt hier stehe." 

Insgesamt, fasst Moderator Colbert zusammen, gebe es derzeit ganz schön viel gute Fernsehstoffe in den USA - aber wer habe Zeit, das alles anzuschauen? "Niemand hat so viel Zeit - bis vielleicht auf den Präsidenten, der scheint zuviel Zeit zum Fernsehschauen zu haben. Hallo, Herr Präsident, ich freue mich schon auf ihre Tweets." 

Die Emmys, die als wichtigste Fernsehpreise der Welt gelten, wurden in diesem Jahr zum 69. Mal verliehen.Über die Sieger hatten zuvor die rund 22.000 Mitglieder der Academy for Television Arts & Sciences entschieden.

Die Gewinner im Einzelnen: 
- Beste Drama-Serie: "The Handmaid's Tale"
- Beste Comedy-Serie: "Veep"
- Bester Hauptdarsteller in einer Drama-Serie: Sterling K. Brown ("This Is Us")
- Beste Hauptdarstellerin in einer Drama-Serie: Elisabeth Moss ("The Handmaid's Tale")
- Bester Nebendarsteller in einer Drama-Serie: John Lithgow ("The Crown")
- Beste Nebendarstellerin in einer Drama-Serie: Ann Dowd ("The Handmaid's Tale")
- Bester Hauptdarsteller in einer Comedy-Serie: Donald Glover ("Atlanta")
- Beste Hauptdarstellerin in einer Comedy-Serie: Julia Louis-Dreyfus ("Veep")
- Bester Nebendarsteller in einer Comedy-Serie: Alec Baldwin ("Saturday Night Live")
- Beste Nebendarstellerin in einer Comedy-Serie: Kate McKinnon ("Saturday Night Live")
- Beste Mini-Serie: "Big Little Lies"
- Bester Hauptdarsteller in einer Mini-Serie: Riz Ahmed ("The Night Of")
- Beste Hauptdarstellerin in einer Mini-Serie: Nicole Kidman ("Big Little Lies")
- Beste Nebendarstellerin in einer Mini-Serie oder einem TV-Film:Laura Dern ("Big Little Lies")
- Bester Nebendarsteller in einer Mini-Serie oder einem Film: Alexander Skarsgard ("Big Little Lies")

stu/sam (afp, dpa)

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