Trump: Mit Fernbedienung und Atomkoffer | Amerika - Die aktuellsten Nachrichten und Informationen | DW | 02.01.2018
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US-Präsident Donald Trump

Trump: Mit Fernbedienung und Atomkoffer

Viele Medien reden von interaktivem TV. Doch nur ein Zuschauer spielt wirklich Pingpong mit dem Kabelfernsehen: US-Präsident Donald Trump. Die Auswirkungen auf seine Politik sind umfangreicher als ein 60-Zoll-TV.

Es ist Viertel nach sechs in der Früh im "Studio F" in Midtown Manhattan. "Get this" -  also ungefähr "haltet Euch fest, jetzt kommt was Aufregendes" sagt "Fox and Friends"-Moderator Brian Kilmeade zu elektronischen Paukenschlägen, die auch die neueste Star Wars-Sequel untermalen könnten.

Kilmeade zeigt an diesem Donnerstagmorgen kurz vor Jahresende etwa 1,6 Millionen US-Frühaufstehern vor den Kabelfernsehgeräten vier Bilder von zwei Schiffen. Angeblich ein chinesischer Tanker, der einen nordkoreanischen auf offenem Meer mit Öl befüllt. Aufgenommen von US-Spionagesatelliten und veröffentlicht von der südkoreanischen Zeitung Chosun Ilbo.

"Das ist doch Beweismaterial, das China überführt, nicht wahr?", gibt Kilmeade der hauseigenen Außenpolitik-Expertin Kiron Skinner ihr Stichwort. "Absolut", sagt Skinner und führt dann aus, warum China damit UN-Resolutionen zum Embargo gegen Nordkorea verletze. "Damit unterstützt die chinesische Regierung illegalen Schmuggel", so Skinner. "Das macht sie zum Unterstützer des erpresserischen Atomprogramms Nordkoreas."

Zwei Stunden später - und etwa eine halbe Stunde, bevor er zum Golfen aufbricht, reagiert US-Präsident Trump auf den Bericht aus dem Frühstücksfernsehen. China sei "auf frischer Tat ertappt worden" schreibt Trump auf Twitter und fügt hinzu, dass er enttäuscht sei. Schließlich hatten Donald Trump und der chinesische Präsidente Xi Jingping zuletzt öffentlich so etwas wie Freundschaft zelebriert. Dass er die Nachricht von den Öltankern von Fox hatte, erzählte der Präsident einem Reporter der New York Times dann beim Lunch in seinem Golfclub.

Ungefähr alle drei Tage erwähnt Trump "Fox and Friends" oder ein Thema der Sendung auf Twitter. Zwischen sechs und acht Uhr morgens, der Sendezeit von "Fox and Friends" an der Ostküste, scheint sich der Trumpsche Twitter-Daumen besonders stark zum iPhone hingezogen zu fühlen. Am heutigen Dienstag sind es die Trump-Lobeshymnen des Gewerkschaftsführers der Grenzschützer, Brandon Judd, die dem Präsidenten auf "Fox and Friends" besonders gut gefallen haben. @foxandfriends bekommt vom Präsidenten dafür sogar eine Twitter-Erwähnung, also den digitalen Fleißpunkt ins Schulheft geklebt.

In einem Zeitalter, in dem fast jedes Medium sich den Dialog mit dem Nutzer auf die Fahnen schreibt, dürfte Trump als erster eine wirklich interaktive TV-Erfahrung machen. Denn Trump twittert über Trump-Berichte auf "Fox and Friends", worüber "Fox and Friends" wiederum berichtet. Die "einflussreichste TV-Sendung Amerikas" nennt die "New York Times" die Morgenshow im Kabelfernsehen. Denn ihr wichtigster Fan heißt Donald Trump und der ist immerhin der 45. Präsident der USA. Hängt der vielleicht sogar fest in der Endlosschleife konservativer TV-Talks?

Trump in der Echokammer

"Fox News" und speziell "Fox and Friends" haben großen Einfluss auf den Präsidenten", sagt dazu Matthew Dallek von der George Washington University. "Er hegt fundamentales Misstrauen seinen eigenen Geheimdiensten gegenüber", so der Politikwissenschaftler und Historiker im Gespräch mit der DW. "Es ist schwer zu sagen, welche Informationen er von seinen Diensten erhält und welche aus dem Kabelfernsehen. Aber 'Fox News' sieht er als verlässliche Quelle an. Deshalb haben sie die Macht, seine Agenda mitzubestimmen. So etwas gab es im Weißen Haus noch nie."

Das Problem: "Fox News" gilt nicht nur als so Trump-nah, dass der Präsident sich stets in seinen eigenen Meinungen bestätigt fühlen dürfte. Der Kabelsender lebt - wie andere Medien auch - von der Dramatisierung der Ereignisse. Und das könnte dazu führen, dass Trumps Politik noch konfliktfreudiger wird, als sie es ohnehin schon ist. Etwa im Krieg der Worte mit Nordkorea. "Nur weil wir in Trumps erstem Jahr im Amt noch keine ausgewachsene außenpolitische Krise hatten, muss das nicht so bleiben", sagt der Politologe Dallek. "Grund dafür wäre dann nicht nur seine eigene Instabilität und Unkenntnis, sondern auch sein Vertrauen auf Stimmen wie die von 'Fox News'." Im Zweifelsfall wäre der Weg von der Fernbedienung zum Atomkoffer für Trump nicht weit.

Es seien keine vier bis acht Stunden, die er täglich vor dem Fernseher verbringt, twitterte Trump am 11. Dezember 2017. Kurz zuvor hatte die "New York Times" in einem umfangreichen Dossier zusammengetragen, wie der Tagesablauf von Nummer 45 aussieht. Die Informanten: 60 Mitarbeiter Trumps, die die Journalisten befragt hatten. Die Zutaten: Dutzende Dosen Diät-Cola und mindestens vier Stunden Fernsehen täglich. Der Apparat mit der beeindruckenden Bildschirmdiagonale von 60 Zoll im Besprechungsraum laufe sogar rund um die Uhr, so schrieb die "Times". Sei er auf lautlos geschaltet, dann lese Trump halt das Laufband, das in schöner Regelmäßigkeit "Breaking News" verspricht.

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