Trump liefert Schweden-″Erklärung″ | Aktuell Welt | DW | 19.02.2017
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Alternative Fakten

Trump liefert Schweden-"Erklärung"

Die sozialen Netzwerke hatten ihren Spaß mit Trumps angeblichem Vorfall in Schweden. Die schwedische Regierung möchte wissen, was denn der US-Präsident genau meinte - und bringt das Weiße Haus in Erklärungsnot.

Die schwedische Botschaft in Washington hat das US-Außenministerium um eine Erklärung des Kommentars von Präsident Donald Trump gebeten. Catarina Axelsson, Sprecherin des schwedischen Außenministeriums, sagte: "Wir versuchen Klarheit zu bekommen."

Trump hatte am Samstag während einer wahlkampfartigen Rede vor seinen Anhängern angedeutet, in der Nacht zuvor habe es in Schweden einen schweren Zwischenfall gegeben. Um seine restriktive Einwanderungspolitik zu rechtfertigen, sagte Trump: "Seht, was in Deutschland passiert, seht, was letzte Nacht in Schweden passiert ist. Schweden, wer hätte das gedacht? Schweden - sie haben ganz viele hineingelassen, nun haben sie Probleme, wie sie es nie für möglich gehalten hätten." Dann nannte er mit Paris, Brüssel und Nizza weitere bisherige europäische Anschlagsziele.

Axelsson sagte, die Regierung wisse von keinen großen Vorfällen, die in Zusammenhang mit Terrorismus stünden. Wie die schwedische Sicherheitspolizei mitteilte, sieht sie keinen Anlass, die Terrorwarnstufe zu ändern.

Weißes Haus: "Kein konkreter Vorfall"

Das Weiße Haus räumte nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters inzwischen ein, dass Trump nicht über einen bestimmten Vorfall gesprochen habe, sondern über die steigende Kriminalität und Vorfälle in letzter Zeit allgemein. Darüber habe es eine Menge Berichte gegeben.

Trump könnte sich nach Angaben des Weißen Hauses auch auf einen Bericht des Senders Fox News bezogen haben. Am Freitagabend strahlte der konservative US-Sender Fox News, eine bevorzugte Quelle des Präsidenten, eine Vorschau auf einen Film aus (hier eingebettet). Dieser Film behandelt die steigende Kriminalität in Schweden, was in den Zusammenhang mit Migranten gebracht wurde.

Trump bestätigte inzwischen auf Twitter, dass er einen entsprechenden Bericht des Sender gesehen hat.

In Schweden nichts Neues

Die schwedische Zeitung "Aftonbladet" hatte zuvor mit einem Artikel auf Englisch direkt an Trump gerichtet reagiert. Unter dem Titel​​​ "Das passierte Freitagnacht, Herr Präsident" listet die Zeitung auf: Ein Mann habe sich in Stockholm selbst angezündet, ein berühmter Sänger habe bei einer Probe für einen Musikwettbewerb technische Probleme gehabt, ein Mann sei nach einem Arbeitsunfall gestorben, wegen des Wetters sei eine Straße im Norden gesperrt worden und die Polizei habe in Stockholm nach einer Verfolgungsjagd einen Autofahrer wegen Trunkenheit und Autodiebstahls festgenommen.

In den sozialen Netzwerken zog Trumps Bemerkung schnell Kreise. Unter den Stichworten #lastnightinsweden und #SwedenIncident machten sich Nutzer des Netzwerks Twitter lustig. Ein Nutzer schrieb unter dem Hashtag, vergangene Nacht hätte sein Sohn ein Würstchen ins Lagerfeuer fallen lassen. "Das ist so traurig!" Wiederholt spielten Beiträge auf berühmte schwedische Kindergeschichten wie Pippi Langstrumpf, Michel aus Lönneberga oder Nils Holgersson an.

Der frühere schwedische Ministerpräsident Carl Bildt fragte: "Schweden? Terrorattacke? Was hat er geraucht?"

Das dritte Mal falsche Anschläge

Im ersten Monat von Trumps Amtszeit gab es schon mehrfach Fehlinformationen aus Trumps Team über angebliche Anschläge. Trumps Sprecher Sean Spicer redete innerhalb einer Woche drei Mal über einen Anschlag in Atlanta, meinte aber einen Anschlag in Orlando. Trumps Beraterin Kellyanne Conway​​​​​​​ ​​​​​​​sprach von einem "Bowling-Green-Massaker", das es nicht gab​​​​​​​. 

Schweden ist bekannt dafür, Flüchtlinge willkommen zu heißen. Im Jahr 2015 gab es in dem Land 163.000 Asylanträge. Der aktuellste Anschlag im Zusammenhang mit Extremismus hatte sich nach Angaben der Nachrichtenagentur Associated Press vor gut sechs Jahren ereignet. Ein im Irak geborener Schwede ließ zwei Sprengsätze explodieren. Einer davon tötete den Mann selbst, aber niemand anderen.

ust/se  (rtr, ap, afp, Aftonbladet, Twitter, Youtube)

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