Trump lässt Chip-Deal platzen | Aktuell Amerika | DW | 13.03.2018
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Halbleiterindustrie

Trump lässt Chip-Deal platzen

Es wäre die teuerste Übernahme in der IT-Branche gewesen. Doch das Veto von Präsident Trump beendet den milliardenschweren Übernahmeversuch des US-Halbleiterkonzerns Qualcomm durch den Konkurrenten Broadcom.

Der Chipkonzern Qualcomm wehrte sich gegen einen Übernahmeversuch des Rivalen Broadcom - und fand einen Verbündeten in Donald Trump. Der US-Präsident verbot den bisher teuersten Tech-Deal unter Hinweis auf Sicherheitsbedenken. Auch der 5G-Mobilfunk könnte ein Rolle spielen.

Der bisher teuerste Übernahmeversuch in der Technologie-Industrie ist von US-Präsident Donald Trump torpediert worden. Der in Singapur ansässige Chiphersteller Broadcom war bereit, 117 Milliarden Dollar für den US-Konkurrenten Qualcomm auf den Tisch zu blättern. Trump untersagte das Gebot von Broadcom. Ein solcher Deal könne der nationalen Sicherheit der USA schaden, erklärte Trump am Montag zur Begründung. Damit schloss er sich einer Einschätzung des US-Komitees CFIUS an, das für die Überprüfung ausländischer Investitionen in den USA zuständig ist. Es ist das bislang fünfte Mal, dass ein US-Präsident eine Übernahme auf Basis von Bedenken des CFIUS-Komitees blockiert hat. Unter Trump ist es das zweite Mal seit er im Januar 2017 sein Amt antrat.

Auch im US-Kongress hatte sich Widerstand gegen die Übernahme formiert. Qualcomms Arbeit sei zu wichtig für die nationale Sicherheit, als dass sie in die Hände eines ausländischen Unternehmens fallen dürfe, hatte etwa Senator Tom Cotton gesagt. Qualcomm wehrt sich vehement gegen den Übernahmeversuch - und das macht den Vorstoß Trumps so ungewöhnlich: Üblicherweise griffen US-Präsidenten erst ein, wenn ein Deal stand.

Broadcom will Lage prüfen

Broadcom war zuletzt auf den US-Kongress zugegangen, um sich dessen Zustimmung für die Übernahme Qualcomm zu sichern. Es war sogar angeregt worden, den Firmensitz von Broadcom in die USA zu verlegen. Das sollte die feindliche Übernahme vereinfachen. Trumps Anordnung ist eher so formuliert, dass Broadcom auch danach der Kauf von Qualcomm untersagt bliebe.

USA | Donald Trump mit Broadcom CEO Hock Tan (picture-alliance/Newscom)

Im November 2017 traf Broadcom-Chef Hock Tan auf Donald Trump. Trump lobte Broadcom damals als "ein wirklich großartiges, großartiges Unternehmen".

Zunächst gab es keine Angaben dazu, ob Broadcom Trumps Verbot vor Gericht anfechten könnte. Die Firma erklärte lediglich, man werde die Anordnung prüfen und sei überhaupt nicht einverstanden damit, dass der Zukauf die nationale Sicherheit gefährden könne. Einspruch gegen Trumps Entscheidung ist nicht möglich. Allerdings ist nicht klar, wie Broadcom vorgehen könnte, wenn es einmal seinen Sitz in die USA verlegt hat.

Angst: Broadcom könnte Unternehmensteile weiterverkaufen

Qualcomm produziert Funkchips, die in sehr vielen Telefonen für die Verbindung sorgen, sowie auch die Haupt-Prozessoren diverser Smartphones mit dem Google-Betriebssystem Android. Außerdem arbeitet das Unternehmen auch im Auftrag von US-Behörden - was als Begründung für die Sorgen um nationale Sicherheit dienen kann.

Die Chipbranche wird gerade von einer Konsolidierungswelle überrollt. Forschung und Entwicklung - auch angesichts neuer Halbleiter für die 5G-Mobilfunktechnologie - werden für die Anbieter immer teuer. In diesem Bereich gilt Qualcomm als einer der größten Konkurrenten von Huawei aus China. Insider befürchteten, dass Broadcom nach der Übernahme Teile von Qualcomm an Huawei verkaufen könnte.

Broadcom hatte zuletzt zugesichert, keine sicherheitsrelevanten Teile von Qualcomm an ausländische Unternehmen zu verkaufen, und stellte eine Investition von 1,5 Milliarden Dollar in den USA in Aussicht. Das reichte nicht, um die US-Behörden umzustimmen. Laut Medienberichten sehen sie Verbindungen von Broadcom-Tochterfirmen nach China und sind besorgt darüber.

Deal hätte chinesische 5G Anbieter stärken können

Bei dem Deal könnte es auch um die Mobilfunk-Zukunft mit der nächsten superschnellen Datenfunk-Generation 5G gehen. Qualcomm ist ein führender Entwickler der Technologie in Amerika und im Westen insgesamt. Broadcom hatte bereits signalisiert, dass die Firma nicht besonders an der Fortführung von Qualcomms 5G-Aktivitäten interessiert sei.

Die Sorge in Washington ist, dass mit einer Schwächung dieser Forschung chinesische Player wie der Netzwerkausrüster und Smartphone-Anbieter Huawei die Oberhand bei 5G bekommen könnten. Besonders US-Militär und Sicherheitsbehörden ist nicht wohl bei der Aussicht, eventuell auf Netzwerktechnik aus China angewiesen zu sein. Huawei wird in den USA gerade als Sicherheitsrisiko angesehen, während das Unternehmen jegliche Verstrickungen mit chinesischen Geheimdiensten zurückweist.

Auswirkungen auf Europa

Broadcom hatte für Qualcomm in der Spitze 121 Milliarden Dollar geboten, plus die Übernahme von Schulden in Höhe von 25 Milliarden Dollar. Dann wurde die Bewertung um vier Milliarden Dollar gekürzt, nachdem Qualcomm seinerseits das eigene Übernahmeangebot für den europäischen Chipspezialisten NXP hochschraubte. NXP ist stark bei NFC-Funkchips, die zum Beispiel in Zugangs- oder Bankkarten verwendet werden, sowie bei Technik für vernetzte Autos.

Spanien Mobile World Congress in Barcelona (DW/P.-C. Britz)

Der niederländische Konzern NXP hat sich vor allem auch auf das Geschäft mit Autoherstellern und Industriebetrieben fokussiert, die ihr Digitalgeschäft ausbauen wollen, und ist hier einer der stärksten Konkurrenten von Infineon.

Auch in Europa war die Politik nach Angaben aus Branchenkreisen nicht besonders glücklich über die Aussicht darauf, dass NXP als Teil von Qualcomm an Broadcom fallen könnte. Broadcom-Chef Hock Tan hatte mehrfach betont, dass er keinen Wert in NXP sehe. Deshalb wurde befürchtet, NXP als ein wichtiger Lieferant von Chip für sicherheitsrelevante Anwendungen, könne danach zum Verkauf stehen und in unwillkommene Hände geraten.

Das heutige Broadcom ist bereits das Produkt einer Serie von Übernahmen: Der Netzwerk-Spezialist Avago aus Singapur hatte die Chipfirma Broadcom gekauft und deren Namen übernommen. Der Umzug des Firmensitzes in die USA soll Anfang April abgeschlossen werden. Gemäß Trumps Anordnung soll die verschobene Hauptversammlung von Qualcomm, bei der Broadcom versuchen wollte, sich von Aktionären die Mehrheit im Verwaltungsrat geben zu lassen, nun in zehn Tagen nachgeholt werden.

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Trump lässt Übernahme in Chipbranche platzen

iw (dpa, rtr)

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