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Amerika

Trump: Durch Social Media ins Weiße Haus?

Im US-Wahlkampf ist der umstrittene Donald Trump ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Inzwischen führt er die Liste der republikanischen Kandidaten an. Social-Media-Nutzer helfen ihm - ob sie wollen oder nicht.

Gefeiert, gehasst, verspottet: Kaum eine Woche vergeht, in der der milliardenschwere Präsidentschaftsbewerber Donald Trump nicht durch kontroverse Statements für Aufregung sorgt - ob es um die Attraktivität von Journalistinnen geht oder um sein Lieblingsprojekt, eine Mauer an der mexikanischen Grenze, mit der er illegale Einwanderer abschrecken will. Man mag ihn für eine populistische Witzfigur mit fragwürdiger Haarpracht halten, in der politischen Realität ist er Umfragen zufolge inzwischen der stärkste Republikaner. Vieles spricht dafür, dass das Internet ein Katalysator für Trumps Erfolg ist. Längst gilt er als Online-Phänomen, in den sozialen Medien ist er ein Superstar.

Kalkulierte Twitter-Pöbeleien

Spätestens seit seiner Ankündigung, Präsident werden zu wollen, hat sich Trump im Netz eine Reichweite aufgebaut, die unter den 16 anderen republikanischen Kandidaten ihresgleichen sucht. Fast vier Millionen Menschen folgen "The Donald" auf Twitter, täglich kommen durchschnittlich 15.000 dazu. Seine Facebookseite verzeichnet 3,4 Millionen Fans, sein YouTube-Kanal 1,5 Millionen Aufrufe. Im Vergleich zu den 63 Millionen Followern von Noch-Präsident Obama ist das wenig. Aber Trump ist lauter, schriller. Seine massive Internet-Präsenz kommt nicht von ungefähr - Trump ist Medienprofi. Seine Reality-Show "The Apprentice" ("Der Auszubildende") wird seit 2004 erfolgreich auf dem Fernsehsender NBC ausgestrahlt. Es ist davon auszugehen, dass er auch in den sozialen Medien weiß, was er tut. Online bleibt er sich treu - mit Äußerungen, die für andere wohl den politischen Tod bedeuten würden: einfache Botschaften, oft frauenfeindliche, teilweise rassistische Rhetorik, politische Unkorrektheit als Wahlkampfprogramm.

Portrait von Jessica Einspänner-Pflock (Foto: privat)

Die Bonner Medienwissenschaftlerin Jessica Einspänner-Pflock erforscht politische Kommunikation im Social Web.

Das kommt an. Jessica Einspänner-Pflock, Medienwissenschaftlerin an der Universität Bonn, erforscht politische Kommunikation im Social Web. Trumps Online-Erfolg überrascht sie nicht: "Im Netz werden Dinge viral, weil sie eben nicht stromlinienförmig sind, weil sie herausstechen. Und genau das macht Trump, er eckt an, wo er nur kann. Alles, was er sagt, wie er aussieht, was er darstellt, ist so außergewöhnlich, dass die Netzgemeinde Spaß daran hat." Trump nutzt die Dynamiken des Internets strategisch und ganz bewusst. So pöbelt er auf Twitter vor allem gegen andere Präsidentschaftskandidaten und Prominente mit vielen Followern. Seinen innerparteilichen Konkurrenten Rand Paul nannte er ein "verzogenes Balg ohne funktionierendes Gehirn".

Faszination Trump

Ob man Donald Trumps Verhalten als geradeaus und authentisch oder als unverschämt empfindet - es provoziert Reaktionen: Neben ernstgemeinter Unterstützung und scharfer Kritik erntet Trump vor allem Spott. Der exzentrische Immobilienmogul scheint für jede Form von Online-Belustigung eine ideale Projektionsfläche zu sein. So ermittelt ein "Trumpgenerator" aus realen Trump-Vorlagen Tweets, mit denen man Freunde und Feinde beleidigen kann. Auf Instagram posten tausende Nutzer Fotos von ihren Katzen, die sie mit einem Toupé à la Trump geschmückt haben. Nicht zu vergessen das sich rasant verbreitende Instagram-Video, mit dem Heidi Klum auf Trumps Äußerung in der New York Times, er halte sie nicht mehr für eine "10", souverän gekontert hat. Darin lässt sie sich mit gespieltem Schreck ein Blatt Papier mit einer 10 von der Brust reißen, darunter erscheint die aufgemalte Zahl 9,99. 46.000 Menschen haben “Gefällt mir” geklickt.

Screenshot von Instagram: trumpyourcat

Beim Instagram-Trend "Trump your cat" schmücken Nutzer ihre Katzen mit Toupés.

Reale politische Auswirkungen

Die Netzreaktionen generieren Aufmerksamkeit und haben damit einen Einfluss auf die politische Realität. "Nach so vielen Jahren Social Media im US-Wahlkampf denke ich schon, dass sie einen eigenständigen Einflusskanal bilden, aber virale Effekte schwappen eben auch in die traditionellen Medien über und werden von ihnen weiterverbreitet. Die sozialen Medien dienen als eine Art Multiplikator", erklärt Jessica Einspänner-Pflock. Durch den Dauerhype im Netz bleibt Trump also auch in den Offline-Medien im Gespräch.

Karte Google Trends USA Präsidentschaftskandidaten (Karte: DW)

Google-Gewinner: In den USA ist Donald Trump momentan der am meisten gesuchte Präsidentschaftskandidat.

Das beeinflusst die öffentliche Debatte - und die Google-Suchaktivitäten. Derzeit ist Trump der am meisten gegoogelte Kandidat. Je nach Algorithmus könnte er also auch auf dem Ranking der Google-Suchergebnisse an die Spitze rutschen - und das hat, wie die US-Psychologen Robert Epstein und Ronald E. Robertson in einer Studie feststellten, Einfluss auf das Wählerverhalten. "Google bekennt sich dazu, den Algorithmus 600 Mal im Jahr zu ändern, aber der Prozess ist geheim. Welchen Einfluss Mr. Trumps Erfolg also auf die Google-Suchergebnisse hat, liegt wohl nicht in seinen Händen", schreibt Epstein im Onlinemagazin Politico. Dass die Social-Media-Aufregung um Donald Trump zumindest das Potential hat, politische Entwicklungen zu beeinflussen, lässt sich jedenfalls nicht leugnen. Will man seinen Erfolg also um jeden Preis verhindern, wäre es wohl am besten, ihn online komplett zu ignorieren. Genau das fällt dem Netz aber sichtlich schwer.

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