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Das Jahr an der Börse

Trump? Brexit? Dem Dax doch egal!

Das Auf und Ab gehört zur Börse wie das Feuerwerk zu Sylvester. Das war 2016 nicht anders. Trotzdem hatte das Jahr auf dem Parkett etwas Spezielles. Konrad Busen berichtet aus Frankfurt.

"Früher haben die Börsen die Politiker vor sich her getrieben, heute ist es genau anders herum", sagt Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING Diba. Die Börsen seien 2016 mehr denn je von weltpolitischen Ereignissen beeinflusst worden. Allerdings: Ob Brexit, US-Wahl, Terror in Brüssel, Putsch in der Türkei, der Deutsche Aktienindex (Dax) hat das alles verkraftet, er steht zum Jahreswechsel deutlich höher da als zu Beginn des Jahres. Was die wirtschaftlichen Perspektiven und die Gewinnerwartungen deutscher Unternehmen angeht, herrscht Zuversicht an der Börse.

Symbolbild Börse Frankfurt Handel (picture-alliance/dpa/Rumpenhorst)

Zu Beginn des Jahres ging's erstmal turbulent zu an der Frankfurter Börse

 Verkorkster Anfang: Zweifel an China-Daten

2016 beginnt mit kräftigen Verlusten, in den ersten sechs Wochen des Jahres verliert das wichtigste deutsche Börsenbarometer mehr als 18 Prozent. Aus China kommen schwache Konjunkturdaten, die Börsen im Reich der Mitte brechen ein. Angst geht um, dass in dem Land der Umbau der Wirtschaft hin zu mehr Dienstleistungen und Konsum nicht gelingen könnte, dass es zu einer "harten Landung" der Wirtschaft kommt. Professoren wie Clemens Fuest (damals ZEW, heute Ifo-Institut) warnen zwar vor Panik ("Ich sehe keinen Lehman-Moment."), aber der Herdentrieb an der Börse ist stärker. Viele Volkswirte misstrauen auch den Daten, unterstellen der Pekinger Regierung, die Wirtschaft besser darzustellen, als sie ist. Als im Lauf des Frühjahrs auch nicht-offizielle Wirtschaftsdaten robust bleiben, wie der Energieverbrauch, beruhigen sich die Gemüter. Trotzdem: Sehr China-abhängige Aktien wie BMW und Daimler gehören zu den größeren Verlierern im Dax.

Adidas hui, Deutsche Bank pfui

Ein Jahr mit Fussball-EM und Olympischen Spielen, das kann für Adidas nicht schief gehen, die Aktie legt dieses Jahr am meisten von allen Dax-Werten zu. Aktien der Deutschen Bank sind dagegen die größten Verlierer. Schon am 2. Januar titelt die FAZ: "Der Markt misstraut der Deutschen Bank". Wie sehr, das wird im Lauf des Jahres deutlich, Ende September rutscht der Kurs der Bank zeitweise auf ein historisches Tief von unter 10 Euro. Die Befürchtung ist, dass die Bank frisches Kapital braucht, wenn sie eine milliardenschwere Strafe in den USA wirklich zahlen muss.

Deutschland Börse Frankfurt am Main (Getty Images/AFP/T. Lohnes)

Nach dem Brexit-Schock wurde es im Lauf des Jahres entspannter

Erstmals: 10jährige Staatsanleihen rentieren im Minus

Die Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank sind weiterhin einer der großen Treiber der Märkte. Sie lassen die Kurse der Anleihen steigen, dadurch sinken automatisch die Renditen (die Verzinsung der Anleihen). Im März senkt die EZB außerdem den Leitzins auf null Prozent. Als nach dem Brexit-Referendum die Unsicherheit an den Finanzmärkten unerträglich wird, stürzen die Anleger zum "sicheren Hafen" der deutschen Staatsanleihen. Die Rendite der 10jährigen Bundesanleihe rutscht erstmals überhaupt ins Minus. So günstig könnte sich der Finanzminister noch nie verschulden. Erst im November, als sich in den USA die "Zinswende" klar wird, steigt dieser Durchschnitts-Zins wieder ins Plus.

Irrsinn des Jahres

An der Börse wäre das Wort sicher in die engere Wahl zum Wort des Jahres gekommen: Helikoptergeld. Zeitweise spekulieren Händler, die Europäische Zentralbank könnte auch Aktien kaufen, um die Kreditvergabe anzukurbeln. Sie könnte auch Bargeld drucken, es an die Leute verteilen, um so den Konsum zu heben. Nicht nur die Zentralbank selbst, auch alle seriösen Experten an der Börse lehnen die Idee als Hirngespinst ab.

Deutschland Symbolbild VW-Abgasskandal Aktienkurs (picture-alliance/dpa/F. Rumpenhorst)

Aktien von Volkswagen und Deutsche Bank standen des öfteren im Blickpunkt

 

Übernahmen, Börsengänge, Rekordividenden

Bayer möchte Monsanto übernehmen, mit 66 Milliarden Dollar wäre es die größte Übernahme eines deutschen Unternehmens im Ausland. Es ist aber nicht die einzige Übernahmestory, die dieses Jahr die Börse umtreibt. Spannend sind die Übernahmen, bei denen chinesische Investoren in Deutschland aufs Einkaufstour gehen, unter anderen am Roboterbauer Kuka, dem Maschinenbauer Aixtron und am Leuchtenproduzent Osram sind Chinesen interessiert. Regierungen in Deutschland und Washington sehen das mit Argwohn, Einspruch aus Amerika lässt die Übernahme von Aixtron scheitern, denn das Aachener Unternehmen stellt auch militärisch sensible Produkte her.

Politisch relevant wird auch die geplante Fusion von Deutscher Börse und London Stock Exchange, denn nach dem Brexit ist es zweifelhaft, ob der Hauptsitz der neuen Börse außerhalb der EU sein darf. Klärung vertagt auf 2017.

Mit Börsengängen ist 2016 nicht besonders reich gesegnet. Nur acht Unternehmen schaffen den Sprung an die deutsche Börse, gut halb so viele wie im vergangenen Jahr. Immerhin: Innogy, die Ökostromtochter des Energieriesen RWE legt den größten Börsengang seit dem Jahr 2000 aufs Parkett, er bringt RWE fünf Milliarden Euro.

Börse Karneval (picture-alliance/dpa/A. Dedert)

Nein, das ist kein Flashboy. Das ist Fasching an der Börse. Flashboys sieht man nicht.

Trends: Fake News, Flashboys & Active Investors

Lügengeschichten treiben nicht nur die Politik und die Internetgemeinde um, auch die Börse. Ende November gehen Nachrichtenagenturen wie Bloomberg und AFP einer falschen Pressemeldung auf den Leim, angeblich vom französischen  Baukonzern Vinci. Darin ist von falscher Buchführung die Rede und vom Rücktritt des Finanzchefs. Der Aktienkurs stürzt in wenigen Minuten um 18 Prozent ab. Zwar erholt er sich schnell wieder, aber die Börsenaufsicht ermittelt noch, wer daran verdient haben könnte.

In Deutschland geraten kleinere Unternehmen wie Wirecard und Ströer ins Visier (böser) Gerüchte. Solche werden häufig auch von sogenannten aktivistischen Investoren gestreut. Sie kaufen kleine Mengen Aktien, setzen aber mit großen Worten und geschicktem Netzwerken die Vorstände unter Druck und versuchen, Mehrheiten auf Hauptversammlungen zu arrangieren. Beim Pharmakonzern Stada schafft es der rebellische Investor AOC, dass der Aufsichtsrat in seinem Sinne umgebaut wird.

Die Bundesbank kritisiert außerdem den wachsenden Einfluss von Hochfrequenzhändlern. Es gebe zwar keine Beweise dafür, dass die Blitzhändler Preise an der Börse zu ihren Gunsten bewegen, aber weil sich einige sogenannte Flashboys ausgerechnet dann von den Märkten zurück ziehen, wenn es dort besonders turbulent zugeht, könnten die Blitzhändler bestehende Trends verstärken. Die Volatilität nehme zu, Marktverwerfungen würden begünstigt. Das will die Bundesbank durch Anpassung bereits vorhandener Gesetze zum Hochfrequenzhandel verändern.