1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Trotz Rettungsaktion: Kurseinbruch bei Hypo Real Estate

Mit voller Wucht trifft die Finanzkrise jetzt auch die europäischen Banken. Gleich bei drei großen Geldhäusern springt der Staat ein, um eine Pleite zu verhindern. Auch in den USA geht das Bankensterben weiter.

Filiale der Hypo Real Estate. (Quelle: AP Photo/Diether Endlicher)

Europäische Banken stehen mit dem Rücken zur Wand

Die Aktien des angeschlagenen Münchner Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE) stürzten am Montag dramatisch ab: um zwei Drittel. Einen Solchen Kurssturz eines DAX-Unternehmens habe es bisher noch nie gegeben, sagen Börsianer. Der Kurs brach ein, obwohl der HRE zuvor ein 35 Milliarden Euro Kredit zugesagt wurde, der das Bankhaus vor der Pleite retten soll.

Tagelang hatten die Krisengespräche über die Bürgschaft angedauert, dann verkündeten HRE, Bundesbank und die Finanzaufsichtsbehörde BaFin den Rettungsplan. Der Kredti sei in zwei Tranchen aufgeteilt. Für die erste, in Höhe von 14 Milliarden Euro, bürge der Bund zu 40 Prozent, 60 Prozent übernähmen ein Konsortium privater Banken. Die 21 Milliarden Euro schwere zweite Tranche der Bürgschaft entfalle komplett auf den Bund. Der stehe damit mit maximal 26,6 Milliarden Euro in der Verantwortung. Mit dem Paket sei die Refinanzierung der HRE bis Ende 2009 gesichert, hieß es.

Die HRE hatte zuletzt mit drohenden Liquiditätsengpässen zu kämpfen. Vor einem Jahr hatte die HRE die Staatsfinanzierungsbank Depfa für fünf Milliarden Euro übernommen. Damit wurde der Immobilienfinanzierer besonders stark von dem Interbankenmarkt abhängig, da er keine Kundeneinlagen hat. Auf dem Interbankenmarkt versorgen sich die Banken untereinander mit Krediten. Seit der spektakulären Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers ist diese Geldquelle jedoch zusehends eingetrocknet, da die Geldhäuser ihre liquiden Mittel horten.

Benelux-Länder retten Fortis

Der niederländische Finanzminister Wouter Bos, Belgiens Premier Yves Leterme, and der belgische Finanzminister Didier Reynders (v.l.n.r.) (AP Photo/Virginia Mayo)

Benelux-Länder steigen bei Fortis ein

Die HRE ist aber nicht die einzige europäische Bank, die von der Finanzkrise durchgeschüttelt wird. Bei der belgisch-niederländischen Großbank Fortis musste der Staat eine Insolvenz verhindern. In einer dramatischen Rettungsaktion bewahrten Belgien, die Niederlande und Luxemburg den Finanzkonzern vor dem Aus. Ohne das staatliche Eingreifen hätte Fortis möglicherweise "nicht bis Montag Abend überlebt", erklärte der niederländische Finanzminister Wouter Bos. Die Benelux-Staaten übernahmen 49 Prozent an Fortis und bezahlten dafür 11,2 Milliarden Euro. Bedingung für die Rettung war der Verkauf der Anteile von Fortis an dem Banken- und Versicherungskonzern ABN Amro. Die hatte das Bankhaus im vergangenen Jahr erworben, zum Preis von 24 Milliarden Euro. Wer die Anteile jetzt übernehmen wird ist noch nicht klar.

Die Finanzkrise hat auch eine weitere britische Bank voll getroffen. Die acht-größte britische Hypothekenbank, Bradford & Bingley, wird verstaatlicht. Schon wieder musste die britische Regierung tief in die Tasche greifen, um eine in Schieflage geratene Bank vor dem Kollaps zu retten. Für 50 Milliarden Pfund (63 Milliarden Euro) übernimmt der Staat die faulen Kredite der Bank. Das Filialnetz und das Kleinkundengeschäft von Bradford & Bingley, samt Einlagen von rund 25 Milliarden Euro, geht für 770 Millionen Euro an den spanischen Bankenriesen Banco Santander.

Bradford & Bingley Filiale (AP Photo/Sang Tan)

Verstaatlicht: die britische Hypothekenbank Bradford & Bingley

Bradford & Bingley ist die zweite englische Bank innerhalb eines Jahres, die der Staat vor der Pleite retten musste. 2007 war der Fiskus eingesprungen, als verängstigte Anleger der größten britischen Hypothekenbank Northern Rock abrupt ihre Einlagen entzogen und das Geldhaus damit in die Krise stürzten. Erst vergangene Woche war die britische Hypothekenbank HBOS der Finanzkrise zum Opfer gefallen und musste sich von dem Konkurrenten Lloyds TSB übernehmen lassen.

Sarkozy will Bankkunden schützen

In Dänemark erklärte die Regionalbank Vestjysk am Montag, sie werde die kleine Bank Bonusbanken übernehmen, die durch die Krise ins Trudeln geraten war. Mit der Übernahme garantiere Vestjysk für die Weiterführung der Geschäfte von Bonusbanken.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy trifft sich am Dienstag mit den Chefs der wichtigsten französischen Banken und Versicherungen, um über die Auswirkungen der Finanzkrise zu beraten. Die Krise werde auch an Frankreich nicht vorbeigehen, sagte Sarkozy bereits im Vorfeld des Treffens. Aber seine Regierung garantiere für die Sicherheit des französischen Bankensystems. Er werde es nicht akzeptieren, dass auch nur ein einziger Anleger Geld in einem Bankenkollaps verliere, so Sarkozy.

In den USA forderte die Bankenkrise ein weiteres Opfer: In einem Bieterwettstreit um die gebeutelte US-Regionalbank Wachovia, stach die Citigroup ihren Konkurrenten Wells Fargo aus. Citigroup übernimmt einen Großteil der nach Einlagen sechstgrößten US-Bank samt deren Schulden in Höhe von 42 Milliarden US-Dollar. Das teilte der US-Einlagenversicherungsfonds mit. Die verbleibdenden Verluste übernehme der Fonds selbst. Die Wachovia-Aktie brach daraufhin um 80 Prozent ein, Citibank legte hingegen um drei Prozent zu. (har)

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema