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Wirtschaft

Trotz Krise ein Plus

Die DAX-Unternehmen haben ihre Geschäftsberichte vorgelegt, damit ist raus, wieviel ihre Vorstände verdienen. Wer glaubt, es sei in der Krise weniger geworden, der täuscht sich. Manche verdienen sogar mehr.

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank Josef Ackermann (Foto: AP)

Hat gut lachen: Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann

Rund 3,64 Millionen Euro kassierten Vorstandschefs der DAX-Unternehmen 2009 durchschnittlich ohne Altersvorsorgebezüge - zehn Prozent mehr als im Jahr davor. Das errechnete das Beratungsunternehmen Towers Watson, nachdem es 29 der 30 Geschäftsberichte durchgesehen und ausgewertet hatte. Wie gut Ulf Mark Schneider von Fresenius abschnitt ist noch unklar, der Geschäftsbericht des Gesundheitskonzerns lag zum Zeitpunkt der Auswertung noch nicht vor. Was aber klar ist: Nicht nur die Vorstandchefs verdienten gut, auch die übrigen Vorstände mussten mit durchschnittlich 1,9 Millionen Euro keine Verluste hinnehmen - trotz Wirtschaftskrise. Allerdings liegt die Durchschnittsvergütung nach Towers Watson noch immer unter der aus dem Jahr 2005.

Ackermann oben, Blessing unten

Spitzenverdiener war Josef Ackermann mit Bezügen von rund 9,4 Millionen Euro. Damit stand der Deutsche-Bank-Chef auf dem Rang, den er schon die letzten Jahre für sich beanspruchte. Nur 2008 begnügte er sich mit 1,4 Millionen Euro, weil er auf alle Boni verzichtete. Die flossen 2009 allerdings wieder reichlich und machten den größten Prozentsatz seines Gehalts aus. Auf den Plätzen zwei und drei folgen RWE-Chef Jürgen Großmann mit 7,13 Millionen Euro und Siemens-Vorstandsvorsitzender Peter Löscher mit 7,03 Millionen Euro.

Martin Blessing, Vorstandssprecher der Commerzbank AG (Foto: DPA)

Martin Blessing - mit einer halben Million der Verlierer

Der am schlechtesten bezahlte DAX-Chef war der Vorstandsvorsitzende der Commerzbank, Martin Blessing. Sein Haus hatte sich vor dem Hintergrund der Bankenkrise bei der Übernahme der Dresdner Bank verschätzt und musste vom Staat gestützt werden. Blessings Gehalt war daher auf eine halbe Million Euro gedeckelt. Immerhin gut doppelt so viel erhielten die Vorstandsvorsitzenden des Chipherstellers Infineon, Peter Bauer und Thyssen-Krupp-Chef Ekkehard Schulz.

Vergütung spiegelt Erfolg und Misserfolg

"Die Vergütungssysteme greifen auch in der Krise", urteilten die Experten von Towers Watson. Erfolg oder Misserfolg schlage sich sehr wohl in der Bezahlung der Manager nieder. Dass die Vergütungen wieder stiegen, sei den verbesserten Kennzahlen der DAX-Unternehmen geschuldet, so das Beratungsunternehmen.

Am stärksten hoben die Unternehmen 2009 die Langfristbezahlung an, die demnach rund ein Fünftel des gesamten Gehalts der Konzernchefs ausmachte. Sie nahm von 2008 auf 2009 um 27 Prozent zu. Die Grundvergütung stieg der Studie zufolge um zehn Prozent, die Bonuszahlungen, die mit 39 Prozent den größten Teil der Entlohnung ausmachten, nur um drei Prozent.

Die Orientierung der Vergütung am langfristigen Unternehmenserfolg ist eine der Vorgaben, die Gesetzgeber und Aufsichtsbehörden den Unternehmen als Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise machten, wie Towers Watson erklärte. Daneben müssten die Firmen stärker überprüfen, ob die Bezahlung angemessen ist. Außerdem müssten sie individuelle Leistungen stärker berücksichtigen, die Eigentümer auf der Hauptversammlung über die Vergütung abstimmen lassen und das Geld bei schlechter Leistung kürzen. Drei Viertel der DAX-Unternehmen hätten bereits damit begonnen, diese Vorgaben auch umzusetzen oder hätten dies bereits getan, so Towers Watson.

Es geht noch besser

Insgesamt verdienten die Top-Manager der deutschen Großkonzerne deutlich weniger als Unternehmenschefs in anderen europäischen Ländern oder gar in den USA. Die Vorstandsvorsitzenden der im europäischen Index Dow Jones Stoxx 50 gelisteten Firmen kamen durchschnittlich auf 5,33 Millionen Euro im Jahr 2009, sprich rund 1,7 Millionen Euro mehr als ihre deutschen Kollegen. Die US-Chefs verdienten 2009 zwar deutlich weniger als ein Jahr zuvor. Im Schnitt erhielten sie aber rund 13,5 Millionen Dollar, wie aus der Towers-Watson-Studie hervorgeht, was in etwa zehn Millionen Euro entspricht.

Autor: Jutta Wasserrab (dpa, afp, reuters)
Redaktion: Monika Lohmüller