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Kultur

Trotz klarem Himmel spielt Bayer wie benebelt

Bundesliga-Spitzenreiter Bayer Leverkusen ist in der Champions League gegen Juventus Turin kräftig unter die Räder gekommen.

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Jubel bei den Italienern

Die Italiener verkrafteten das Nebel-Chaos von Turin offensichtlich besser und deklassierten die Leverkusener am Donnerstag mit 4:0. Die Partie war zuvor bereits zweimal wegen dichten Nebels kurzfristig abgesagt worden.

"Wir waren auf dem Platz überhaupt nicht da", sagte Trainer Klaus Toppmöller und haderte mit den schwierigen Umständen vom Vortag. Durch die Niederlage ist Bayer schon vor dem zweiten Spiel in der Gruppe D amam Dienstag gegen Deportivo La Coruna unter Zugzwang.

Bayer chancenlos

Die Leverkusener wirkten nach der Spielabsage am Mittwoch angeschlagen und erreichten nicht eine Minute die starke Form der vergangenen Wochen. Dem Angriffswirbel des schwach in die Saison gestarteten italienischen Rekordmeisters hatten sie nichts entgegenzusetzen. Das überragende Sturm-Duo David Trezeguet und Alessandro del Piero sowie der Kroate Igor Tudor besiegelten schon vor der Pause mit ihren Treffern die Niederlage. Nach dem Wechsel machte Trezeguet mit seinem zweiten Tor die höchste Bayer-Pleite in einem Pflichtspiel in dieser Saison perfekt.

Bei wolkenlosem Turiner Himmel fanden die Leverkusener am Donnerstag nicht in die Begegnung. Vor der Geisterkulisse von nur 6000 Zuschauern - darunter nur noch eine Hand voll Leverkusener Fans - bestimmte "Juve" die Partie nach Belieben. Schon nach acht Minuten gerieten die Leverkusener in Rückstand: Der französische Welt- und Europameister Trezeguet nutzte einen Fehler von Abwehrchef Jens Nowotny und überwand Butt mit einem Kopfball.

Danach schienen die Leverkusener für kurze Zeit aufzuwachen. In der 36. Minute vergab der Brasilianer Lucio, an dem Turin angeblich interessiert ist, mit einem Kopfball die größte Bayer-Chance. Doch schon im Gegenzug schloss Turins Kapitän del Piero einen Konter mustergültig ab. Tudor nutzte sieben Minuten später das Durcheinander in der Bayer-Deckung zum 3:0. Auch nach dem Wechsel fand Leverkusen nicht mehr den Faden. Turin war mit Kontern stets gefährlich. Eine der zahlreichen Möglichkeiten führte zum 4:0-Endstand durch Trezeguet.

Spieltermin wider Willen

Beide Teams waren im Stadion "Delle Alpi" unter Protest angetreten. Einen Tag zuvor war die Partie zum zweiten Mal binnen einer Woche wegen starken Nebels abgesagt worden. Gegen die Neuansetzung nur einen Tag später legte Bayer nach Aussage von Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser offiziell am Donnerstag Einspruch bei der Europäischen Fußball-Union (UEFA) ein. Große Chance gab Holzhäuser dem Antrag allerdings nicht.

Leverkusen und Turin hatten der UEFA Alternativ-Termine genannt. Der Verband drohte jedoch mit dem Ausschluss der beiden Mannschaften oder mit einer hohe Geldstrafe, falls sie nicht am Donnerstag antreten würden. "Das ging nach der Methode: Wer nicht spurt, dem schlage ich auf den Kopf", schimpfte Holzhäuser über das Krisenmanagement der UEFA.

Da in Turin alle Hotels am Mittwochabend ausgebucht waren, musste die Leverkusener Delegation kurzfristig in das 80 Kilometer entfernte und verschneite Billia di Saint Vincent unweit des San Bernardino reisen. "Die Mannschaft ist total verärgert. Vor zwei Uhr nachts sind die Spieler nicht ins Bett gekommen", berichtete Holzhäuser. Er wisse aber nicht, ob man die Leistung auf die widrigen Umstände zurückführen könne: "Man soll sich vor einer Legendenbildung hüten."

Toppmöller skeptisch

"Das war keine Vorbereitung auf das Spiel", meinte dagegen Toppmöller. "Die Turiner konnten schon kurz nach der Absage in ihr Quartier zurück und waren heute vom Anpfiff an topfit." Der Trainer befürchtete auch negative Folgen für die kommenden Partien: "Nächster Nachteil ist das schwere Spiel schon am Samstag in Bremen und dann am Dienstag gegen La Coruna." Das hätte man nicht zulassen dürfen, betonte er. (mik)

  • Datum 01.12.2001
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