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Ostmitteleuropa

Trotz internationaler Anerkennung muss die berühmte Sondereinheit der polnischen Armee GROM ums Überleben kämpfen

Warschau, 2.5.2003, NEWSWEEK POLSKA, poln.

Die Soldaten der polnischen Sondereinheit GROM (vergleichbar mit der deutschen Elitetruppe GSG 9 – MD:) haben durch ihren Einsatz im Irak imponiert. Im eigenen Land aber werden ihnen Knüppel zwischen die Beine geworfen. Der Generalstab entmutigt die Soldaten mit Erfolg, ihren Dienst bei der Sondereinheit zu verrichten.

Wenn die polnischen Elitesoldaten das Schicksal von Rambo mit Aufmerksamkeit verfolgten, sollten sie auch gelernt haben, dass der schwierigste Gegner nicht im Krieg, sondern im eigenen Land anzutreffen ist. Es ist der eigene Vorgesetzte.

Die mit Bravour durchgeführte Erstürmung der Ölfelder im Irak wurde sogar vom Präsidenten George W. Bush persönlich gelobt. In der Heimat dagegen fehlte es an Enthusiasmus. (...) Der Kommandant der Spezialeinheit GROM, Oberst Roman Polko, wollte schon vor dem Krieg im Irak seinen Dienst quittieren und zwar aus Protest gegen die Versuche, seine Einheit aufzulösen. Er ist jedoch vorerst in der Armee geblieben. Die Elitesoldaten genießen beim polnischen Heer keine große Popularität, bei dem die Panzereinheiten und die Infanterie die erste Geige spielen.

An der Spitze des Generalstabes steht ein Angehöriger der Panzereinheiten, d. h. General Czeslaw Piatas, der seit drei Jahren versucht, die Spezialeinheiten zu schwächen. Es werden Vorschläge wie Gehaltskürzungen, Zersplitterung der Einheit, Eingliederung in größere Einheiten und sogar die Auflösung der Spezialeinheit GROM unterbreitet. All dies resultiert aus Neid. Dabei geht es um Prestige, höheres Einkommen und bessere Ausrüstung. (...)

Schon 2001 schlug der Verteidigungsminister vor, aus den polnischen Sondereinheiten eine polnische "Spezialität innerhalb der NATO" zu machen. Es wird jedoch nicht viel unternommen, um dies in die Tat umzusetzen. Im Generalstab ist nicht einmal geplant, gut geschulte Leute in der Armee zu behalten. Nach der Gehaltskürzung um 40 Prozent im Jahr 2001 haben über 80 von den insgesamt 400 Soldaten der Einheit GROM die polnische Armee verlassen. Die letzten gingen im Januar kurz vor dem Ausbruch des Irak- Krieges.

In dieser Zeit schrieb auch der Kommandant der Einheit GROM General Roman Polko seinen Antrag auf Entlassung, weil seine Entsendung in den Irak vom Generalstab nicht einmal vorgesehen wurde. Erst nach der Intervention von Verteidigungsminister Jerzy Szmajdzinski wurde für General Polko lediglich eine "Geschäftsreise für drei Wochen" genehmigt. Am meisten war General Polko jedoch über den Plan des Generalstabes verärgert, nach dem die Hälfte der Soldaten der Eliteeinheit GROM zu der zwar auch elitären aber schlechter geschulten Einheit Fromosa versetzt werden sollte. Zu dieser Einheit gehören lediglich 40 Taucher aus der polnischen Kriegsmarine. Wenn sich der Verteidigungsminister in diese Angelegenheit nicht eingeschaltet hätte, wäre der Kommandant der Einheit GROM heute sicherlich schon im Ruhestand

Solche Pläne werden alle paar Monate im Generalstab geschmiedet. (...) Ihren Dienst quittieren aber auch andere Kommandanten der Spezialeinheiten. (...) Darüber hinaus ist zu erwarten, dass die Zahl der Soldaten, die bei den Eliteeinheiten dienen möchten, drastisch sinkt. Ist es für unseren Generalstab wichtiger - anstatt exzellent geschulte und ehrgeizige Soldaten - passive, durchschnittliche aber ihm treu ergebene Truppen zu haben? (Sta)

  • Datum 02.05.2003
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  • Permalink http://p.dw.com/p/3aun
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