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Amerika

Trotz deutschen Passes in Kuba festgehalten

Kuba ist für viele Europäer ein romantisch verklärtes Urlaubsziel. Doch Kuba ist auch ein autoritärer Staat, der die Grundrechte der Bevölkerung einschränkt. Dies erfuhr Nestor Pedro Betancourt Rodriguez am eigenen Leib.

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Cecilia und ihr Vater Nestor Pedro Betancourt Rodriguez

Vor fast einem Jahr ist der Deutsch-Kubaner Nestor Pedro Betancourt Rodriguez nach Kuba gereist, um seine Familie zu besuchen. Als er wieder nach Deutschland fliegen wollte, erlebte er eine böse Überraschung: Bei der Passkontrolle am Flughafen verwehrten ihm die Beamten die Ausreise. Bis heute sitzt er in Kuba fest. Dass Betancourt Rodriguez auch Deutscher ist und seit 22 Jahren in Deutschland lebt, interessiert die Behörden nicht. Seine 19-jährige Tochter Cecilia kämpft von Deutschland aus dafür, dass ihr Vater wieder zurückkommt. Warum er überhaupt festgehalten wird, kann sie nur vermuten.

Es gebe keine offizielle Begründung dafür, dass ihr Vater festgehalten wird, sagt Cecilia: „Mein Vater hat mittlerweile schon Leute dafür bezahlt, Informationen zu bekommen, weil man ihn nur von Behörde zu Behörde geschickt und nichts gesagt hat.“ Durch einen Mittelsmann erfuhr Betancourt Rodriguez schließlich, was ihm wahrscheinlich vorgeworfen wird: Er habe Menschenhandel betrieben und sei ein Kämpfer gegen die Revolution.

Illegal auf Kuba

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2007 hat Betancourt Rodriguez für kubanische Boxer als Übersetzer gearbeitet. Die Sportler hatten Kuba illegal verlassen, um beim Boxstall Arena Hamburg anzufangen – aus kubanischer Sicht ein Schlag ins Gesicht der Regierung. Betancourt Rodriguez muss jetzt offenbar die Konsequenzen für die Flucht der Boxer tragen. Wenigstens ist er auf freiem Fuß. Er wohnt bei seiner Freundin, arbeiten ist Betancourt Rodriguez jedoch unmöglich. Auf der Ausländerbehörde wurde sein kubanischer Pass beschlagnahmt. Ohne Pass und ohne Visum ist der Deutsch-Kubaner illegal auf der Insel.

Obwohl Betancourt Rodriguez einen deutschen Pass hat, könne die Bundesregierung in einem solchen Fall nicht viel tun, sagt ein Sprecher des Auswärtigen Amtes auf Anfrage der Deutschen Welle. Wer wie er zwei Staatsbürgerschaften habe, sei jeweils zuerst dem Land verpflichtet, in dem er sich gerade aufhalte. In Deutschland sei er eher Deutscher, in Kuba aber Kubaner. Kuba ignoriere nun mal die Bitten Deutschlands.

Ein abschreckendes Beispiel

Martin Lessenthin von der Internationalen Gemeinschaft für Menschenrechte IGFM glaubt, Betancourt Rodriguez diene Kuba als abschreckendes Beispiel: „Die kubanische Regierung will Menschen, die Kuba verlassen möchten zeigen: So kann es euch auch ergehen, wie diesem Mann, den behalten wir einfach hier.“

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Mit Cecilias Vater steht die IGFM absichtlich nicht in Kontakt. Menschenrechtler sind ein Dorn im Auge der kubanischen Machthaber. Würden in Kuba direkte Kontakte zwischen Betancourt Rodriguez und den Aktivisten bekannt, wäre die Gefahr groß, dass er ins Gefängnis käme, sagt Lessenthin. Betancourt Rodriguez kann im Moment wenig tun – er wird konstant überwacht, auch per Telefon, das haben ihm die Beamten auf der Ausländerbehörde sogar bestätigt. Um so mehr bleiben sämtliche Aufgaben an Cecilia hängen, die sich mit Feuereifer für ihren Vater einsetzt.

Tochter schickt regelmäßig Geld

In Berlin zahlt sie mittlerweile seine Wohnung. „Ich übernehme hier praktisch sein ganzes Leben“, erzählt Cecilia. Mit allen möglichen Jobs versucht sie, Geld zu verdienen. Das schickt sie dann ihrem Vater. Nebenher ist Cecilia viel unterwegs, spricht mit Politikern, Behörden oder Menschenrechtlern. Freizeit bleibt kaum, mit dem Leben anderer 19-Jähriger in Deutschland hat Cecilias momentane Situation wenig zu tun. Obwohl ihr Vater mittlerweile fast ein Jahr lang nicht zuhause war, wirkt Cecilia nicht resigniert. Leichte Augenringe zeigen aber: auch ihre Energiereserven sind endlich. Auf die Frage, wie es ihr gehe, antwortet sie mit einem leichten Schulterzucken: „Ich weiß nicht, was ich darauf sagen soll. Ich hoffe einfach nur, dass mein Vater wieder zurückkommt.“

Autorin: Sola Hülsewig

Redaktion: Oliver Pieper