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Europa

Trotz Chiracs Aufruf elfte Gewaltnacht

Präsident Jacques Chirac versuchte es mit einem Machtwort, rief die Randalierer in Frankreich zu Ruhe und Ordnung auf. Es half nichts. Frankreich hat die elfte Gewaltnacht in Folge erlebt.

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Mehr als 800 Autos sind in Flammen aufgegangen

Jugendliche setzten in der Nacht zum Montag (7.11.2005) die Krawalle mit Brandstiftungen und Straßenkämpfen fort. 34 Polizisten wurden leicht verletzt. Bis zum Morgen zählte die Polizei 839 angesteckte Autos, 186 Gewalttäter sind in Haft. Nur kurz zuvor hatte Chirac erklärt, die "Wiederherstellung der Sicherheit und Ordnung" habe oberste Priorität.

In Grigny südlich von Paris griffen rund 200 Jugendliche die Polizei an. Einige schossen mit Schrotflinten auf die Polizisten. Andere bewarfen sie mit Steinen und anderen Gegenständen. Ein Polizist: "Sie haben wirklich auf die Beamten geschossen. Das ist wirklich ernste Gewalt und nicht so wie in den Nächten zuvor." Dies nehme immer mehr zu.

Gewalt auch in anderen Städten

Unruhen in Frankreich Paris Trappes

27 Stadtbusse sind in Brand gesteckt worden

In der elften Krawallnacht in Folge wurden Hunderte Autos in mehreren Städten angezündet. In Saint-Etienne kaperten Jugendliche einen Bus, forderten die Passagiere zum Verlassen auf und setzten das Fahrzeug in Brand. In Straßburg warfen Randalierer Brandsätze in eine Grundschule und in Toulouse wurde ein Auto in den Eingang eines Metro-Tunnels gestürzt.

Chirac hatte am Sonntag nach Beratungen des nationalen Sicherheitsrates erklärt, absolute Priorität habe die Wiederherstellung von Sicherheit und öffentlicher Ordnung. "Das Gesetz muss das letzte Wort haben." Frankreich sei entschlossen, Stärke zu zeigen.

Verdächtigung von Moslems

Eine der größten Islamischen Organisationen in Frankreich, die Union französischer Islamischer Organisationen (UOIF), wandte sich am Sonntag mit einer Fatwa, einem islamischen Rechtsspruch, gegen die Revolten. Viele der Randalierer stammen aus afrikanischen und arabischen Ländern und vermutlich auch aus moslemischen Familien.

Innenminister Nicolas Sarkozy hatte die Vermutung geäußert, dass militante Moslems die Jugendlichen aufhetzten. Viele Beobachter machen aber eher Diskriminierungen und die Perspektivlosigkeit in den Trabentenstädten für den Ausbruch der Gewalt verantwortlich als religiöse Hintergründe.

Hilflosigkeit

Allein in der vorangegangenen Nacht waren trotz des Einsatzes von mehreren tausend Polizisten etwa 1300 Autos in Brand gesetzt worden. In einem Pariser Vorort wurde an zwei Schulen Feuer gelegt. In anderen Städten brannten Geschäfte und öffentliche Gebäude wie Kindergärten aus. In Evreux in der Normandie wurden ein Einkaufszentrum, zwei Schulen und ein Postgebäude in Brand gesteckt. Die Regierung will noch in dieser Woche einen Aktionsplan für die besonders hart betroffenen Gegenden vorlegen. (mas)

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