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Kultur

Trotz alledem!

Frauen sind auf dem Vormarsch bei Olympia: Vier von zehn Teilnehmern sind weiblich. Darunter immer mehr Sportlerinnen aus streng islamischen Ländern. Trotz hinderlicher Kleidung und wenig Chancen auf Top-Platzierungen.

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Rakia Al Gassra aus Bahrain bei der 100-Meter-Qualifikation

Bahrain

Aerodynamisch sah das Kostüm nicht gerade aus, mit dem Rakia Al Gassra zum olympischen 100-Meter-Vorlauf antrat: Die 21-Jährige trug ein langärmeliges Shirt, lange Hosen und ein Kopftuch. Denn nach islamischer Sitte muss sie, wenn sie sich in der Öffentlichkeit bewegt, ihren Körper von Kopf bis Fuß bedeckt halten. Nur das Gesicht und die Hände dürfen herausschauen. "Das ist die Grundlage des Islam, eine alte Tradition. Anders kann ich nicht laufen", sagte die Sportlerin, die erst mit 17 Jahren in der Schule zu trainieren begann. Immerhin lief sie die 100 Meter in 11,49 Sekunden und wurde Fünfte in ihrer Gruppe. "Es sollten viel mehr Athletinnen aus der arabischen Welt an Olympia teilnehmen", sagte Al Gassra nach ihrem Debüt.

Irak

Überwältigt war auch die 100-Meter-Läuferin Alaa Jassim von ihrem Auftritt. "Es ist eine große Ehre für mich, bei Olympischen Spielen dabei zu sein", sagte sie. "Ich bin hier, um das irakische Volk zu repräsentieren, nicht nur die Frauen." Mit dem Training für Athen hat die 18-Jährige erst im März begonnen. "Vorher habe ich keinen Sport getrieben, das war bei uns nicht möglich", erklärte Jassim. "Und auch jetzt konnte ich oft nicht trainieren, weil Bomben fielen und es Explosionen gab." Mit ihren 12,5 Sekunden kam sie zwar als Letzte ihrer Gruppe ins Ziel, hatte aber einen kleinen Sieg für sich errungen: "Ich habe nur daran gedacht, die Ziellinie zu erreichen. Und ich habe es in persönlicher Bestzeit geschafft."

Afghanistan

Die Judokämpferin Friba Razayee und die Leichtathletin Robina Muqimyar sind die ersten Frauen aus Afghanistan, die nach dem Sturz der Taliban wieder an Olympischen Spielen teilnehmen. In langen Hosen, aber ohne Kopftuch (!), lief die 17 Jahre alte Sprinterin Muqimyar die 100 Meter in 14,14 Sekunden. Damit war sie zwar vier Sekunden langsamer als die Weltspitze, aber sie konnte per "Wildcard" ohne vorherige Qualifikationsläufe an den Start gehen. Zu Zeiten der Taliban-Herrschaft war es Frauen in Afghanistan grundsätzlich verboten, Sport zu treiben.

Pakistan

Die 13 Jahre alte Rubab Raza ist die erste Pakistanerin, die an einem olympischen Schwimmwettbewerb teilnehmen durfte. In ihrem Vorlauf zum 50-Meter-Freistilwettbewerb wurde sie Fünfte, in der Gesamtwertung kam sie auf Platz 59. Raza trug einen Ganzkörperbadeanzug, der sie vor unzüchtigen Blicken schützen sollte. Wenn sie zu Hause in Pakistan zum Training geht, dann ist immer jemand aus ihrer Familie dabei. "Mindestens meine Großmutter kommt mit", sagt Raza. Ihre Landsfrau, die Leichtathletin Suamaira Zahoor, geht in Athen über die 1500 Meter an den Start. Sie hält mit 4:31 Minuten den pakistanischen Landesrekord über diese Distanz. Vom Weltrekord ist sie mehr als eine halbe Minute entfernt. Dafür hat Zahoor aber auch erst als Collegestudentin mit dem Laufen angefangen.

Iran

Die 19-jährige Nassim Hassanpour ist die einzige Frau aus dem Iran, die in Athen dabei ist. Die Auflagen der iranischen Sittenwächter sind streng: Nicht einmal während der Olympischen Spiele darf die Sportlerin andere Kleidung tragen als die, die die islamische Kleiderordnung vorschreibt. Deshalb kann Hassanpour, die Geräteturnen und Schießen trainiert, in nur einer ihrer Sportarten an den Start gehen: Beim 10-Meter-Schießen mit der Luftpistole stören Kopftuch und Hejat noch am wenigsten. "Wenn die Kleidervorschriften nicht wären, dann würde ich turnen", erzählt Hassanpour. "Schließlich mache ich das, seit ich drei Jahre alt bin." Zum Schießen kam sie auf pragmatischem Weg. "Ich wollte auch international etwas für mein Land erreichen, deshalb habe ich damit angefangen", erklärt sie. (arn)