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Politik

Trostlose Weihnacht in Bethlehem

Das israelische Militär prägt die Szenerie, Touristen bleiben aus. Vom Glanz des Heiligen Jahres 2000 ist in Bethlehem nach vier Jahren Intifada nicht mehr viel geblieben. Die Weihnachtszeit bringt nur wenig Hoffnung.

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Weihnachtskarten und kein Tourist, der sie kaufen könnte.

"Unser Stück vom Kölner Dom ist völlig zerschossen". Norbert Burger kennt Bethlehem seit vielen Jahren, und er hat vor Jahren den Kölner Dom nach Palästina gebracht. Als Oberbürgermeister von Köln gründete er 1996 eine Städtepartnerschaft zwischen seiner Heimatstadt und Bethlehem. Aufbruchstimmung habe damals geherrscht, große Hoffnungen habe es gegeben mitten im Friedensprozess von Oslo, sagt er: "Wir dachten damals, wir könnten mit der Partnerschaft einen kleinen Baustein zum Frieden beitragen".

Als äußeres Zeichen des Engagements haben die Kölner damals einen Platz in Bethlehem renoviert. Pünktlich zu den Feiern zum Heiligen Jahr 2000 war alles fertig und sie haben auf "ihrem" Platz auch gleich ein Stück von der Spitze des Kölner Doms aufgestellt. Als Burger jetzt nach vier Jahren nach Bethlehem zurückkehrte, konnte ihm der dortige Bürgermeister nur noch einen zerschossenen Rest davon in die Hand drücken.

Der Glanz ist dahin

Geburtskirche in Jerusalem

Blick durch den Kreuzgang auf die Geburtskirche in Bethlehem.

"Der Zustand der Stadt hat sich radikal verschlechtert", sagt Burger: Die meisten Gebäude seien zwar noch intakt, nur wenige seien beschädigt oder zerstört worden. Auch die Geburtskirche sei trotz der Gefechte zwischen palästinensischen Kämpfern und israelischen Truppen vor zwei Jahren in einem recht guten Zustand. Der Glanz von 2000 sei jedoch dahin und mit ihm die Aufbruchstimmung, sagt Burger. "Die ganze Stadt macht einen depressiven Eindruck. Die Menschen sind wieder arm, weil kaum noch Touristen kommen, und die Touristen ihre Haupteinnahmequelle waren." Die Holzmanufakturen, die kleinen Geschäfte und Läden seien geschlossen, erzählt Burger. Das Leben spiele sich immer noch auf der Straße ab. Die meisten Menschen säßen jedoch einfach nur herum, die Arbeitslosigkeit liege bei mindestens 60 Prozent. Kein Wunder: Vor einigen Jahren kamen monatlich noch mehr als 90.000 Touristen, heute trauen sich jeden Monat gerade einmal noch 7000 in das abgeriegelte Bethlehem.

Bethlehem weitgehend abgeschnitten

Israelischer Soldat vor gepanzertem Bagger in Betlehem Stadt

Israelischer Soldat vor gepanzertem Bagger in Bethlehem.

"Bethlehem wird bald von drei Seiten eingezäunt sein", erzählt Burger. Auch die Vereinten Nationen kritisieren, dass Bethlehem vom übrigen Westjordanland faktisch abgeschnitten sei. Um die Stadt seien neun jüdische Siedlungen gebaut worden, und überall habe Israel Kontrollstellen und Barrieren errichtet, hieß es in dem Bericht, der wenige Tage vor Weihnachten in New York vorgestellt wurde. Das nur wenige Kilometer entfernte Jerusalem sei für die Palästinenser Bethlehems nicht mehr zu erreichen. Die Wirtschaft liege am Boden, die Zukunftsperspektiven seien düster. Aus Bethlehem, dem "kulturellen und geistigen Zentrum, das einst viele Touristen und Pilger" beherbergt habe, sei eine "isolierte Stadt mit geschlossenen Geschäften geworden." Außerdem gehe die Flucht der Christen weiter, die noch vor vier Jahren die Hälfte der etwa 60.000 Einwohner Bethlehems ausgemacht hätten. Jeder zehnte von ihnen habe in den letzten vier Jahren die Stadt verlassen.

Kritik an "Trennmauer"

Auch das Oberhaupt der katholischen Christen im Heiligen Land, Erzbischof Michel Sabbah, kritisiert in seiner Anfang der Woche veröffentlichten Weihnachtsbotschaft die israelische Politik. Die "Trennmauer" zum Schutz vor Terroristen verwandle die heilige und freie Stadt Bethlehem "in ein riesiges Gefängnis". Die Mauer biete auch keinen Schutz, sondern löse weitere Gewalt aus, erklärte Sabbah.

Arafats Tod mögliche Chance zum Neuanfang

Hoffnung für Bethlehem gibt es auch in der Weihnachtszeit kaum. "Es ist trostlos", fasst Kölns Altoberbürgermeister Norbert Burger seine persönlichen Eindrücke zusammen. Hilfe von der zentralen palästinensischen Autonomiebehörde sei in der desolaten Lage kaum zu erwarten. "Ihre Autorität ist dabei, zu zerbröseln", sagt Burger. Die einzelnen Orte müssten sich schon selbst helfen. Aber auch da sehe es schlecht aus. Bethlehem stehe kurz vor der Pleite, so Burger. Wegen der katastrophalen wirtschaftlichen Situation könne die Stadtverwaltung ihren Angestellten schon jetzt nur noch einen Bruchteil ihres Gehaltes zahlen. Die Lage wäre aussichtslos, sagt Burger, wenn sich nicht doch noch eine neue Chance aufgetan hätte. "Jetzt nach dem Tod von Jassir Arafat könnte es vielleicht doch wieder Hoffnung auf Frieden geben", sagt er. Besonders überzeugt klingt er dabei nicht. "Ich hoffe jedoch sehr", fügt er dann hinzu, "dass ich mit meinen Zweifeln und meinem Pessimismus am Ende doch noch Unrecht habe."

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