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Wissen & Umwelt

Trophäenjagd im Zeichen des Umweltschutzes?

Ein Jagdausflug von Spaniens König und WWF-Ehrenpräsident Juan Carlos hat Unverständnis und Empörung ausgelöst. Er hatte in Afrika Elefanten gejagt. Ist der Abschuss der Dickhäuter mit Naturschutz vereinbar?

In Botsuana, wo der spanische König und WWF-Ehrenpräsident Juan Carlos neulich, nachdem er sich auf der Pirsch die Hüfte gebrochen hatte, bei einer Elefantenjagd ertappt wurde, ist die Jagd nach Elefanten gegen Bezahlung erlaubt. Reiche Besucher aus dem Ausland zahlen rund 25.000 Euro für eine Jagdgenehmigung, die ihnen erlaubt, einen der Dickhäuter erlegen zu dürfen.

Demonstranten protestieren mit Plakaten gegen die Elefantenjagd des Juan Carlos (Foto:Paul White/AP/dapd)

Die Jagd löste in Spanien Proteste aus

In anderen südafrikanischen Ländern ist die Situation ähnlich. Das ist für viele Naturfreunde schwer zu akzeptieren – gerade für diejenigen, die die Umweltstiftung WWF unterstützen. Tausende haben eine Protestpetition im Internet unterschrieben. Die Organisation, die gerne mit Elefanten, Pandas oder Tigern für Spenden wirbt, sah sich veranlasst, sich schnell von den Jagdaktivitäten ihres Ehrenpräsidenten zu distanzieren.

Grausame Wilderei

Auf der von der Weltnaturschutzunion geführten Roten Liste der gefährdeten Arten werden die Elefanten als "gefährdet" eingestuft. Ob sie in Afrika offiziell gejagt werden dürfen, hängt von der Größe der Bestände ab. Die ist in den 38 afrikanischen Ländern, die die riesigen Tiere beheimaten, sehr unterschiedlich. Im südlichen Afrika nehmen die Elefantenbestände in manchen Regionen zu, erklärt Melanie Virtue vom UN-Sekretariat für den Schutz wandernder Tierarten, das in Bonn seinen Sitz hat. Virtue ist für internationale Abkommen unter anderem zum Schutz der gefährdeten westafrikanischen Elefanten zuständig. In Ost-, Zentral- und Westafrika sei die Situation eine andere.

Ein gewilderter Elefant wird untersucht (Foto: AP Photo/Courtesy Karl Amman)

Die Wilderei ist die größte Bedrohung für Afrikas Elefanten

"Die Elefantenbestände sind weit stärker bedroht. Sie sind weiter gestreut und die illegale Tötung von Elefanten ist ein großes Problem." So wurden beispielsweise in einem Nationalpark in Kamerun seit Januar mehr als 500 Elefanten auf grausame Weise umgebracht, da ihre Stoßzähne viel Geld auf dem asiatischen Markt bringen.

Auch WWF-Sprecher Roland Gramling sieht in der Wilderei den schlimmsten Feind der Elefanten. Nach Angaben seiner Organisation werden jedes Jahr mehr als 12.000 der grauen Riesen in Afrika gewildert. Trotz strenger Regulierung stellt der lukrative illegale Handel mit Elfenbein nach wie vor eine große Bedrohung für die Elefantenbestände in diesen Regionen dar. In Trockengebieten konkurrieren die riesigen Tiere außerdem mit ihren menschlichen Mitbewohnern um immer knapper werdende Ressourcen, vor allem um Wasser.

Zu wenig Platz für Jumbo?

Im südlichen Afrika nehmen die Elefantenpopulationen durch kluges Management in manchen Regionen dagegen zu, erklärt Melanie Virtue. Dort werden Elefanten inzwischen teilweise auch in Nationalparks offiziell erlegt, um die Bestände zu regulieren. Außerhalb dieser Schutzgebiete wird die kontrollierte Trophäenjagd genehmigt.

Elefantenherde vor einem Baum, im Hintergrund der Gipfel des Kilimanjaro (Foto: dmussman)

Die Elefantenherden Afrikas benötigen Platz, Nahrung und ausreichendes Wasser

Die Umweltorganisation WWF duldet die kontrollierte Jagd, um die Elefantenpopulation längerfristig zu erhalten. "Wir haben lernen müssen – was für Naturschützer eine Herausforderung ist – dass unter gewissen Umständen eine geregelte Jagd im Sinne des Naturschutzes toleriert werden muss, denn sie dient der Armutsbekämpfung und damit auch der Bekämpfung der Wilderei," so Gramling.

Auch Artenschutzexpertin Virtue sieht im Einkommen, dass durch die kontrollierte Jagd in die Gemeinden fließt, den Schlüsselfaktor bei der Erhaltung der Elefanten. "Wenn man in einer Gegend wohnt, wo es Elefanten gibt und man einen kleinen Garten hat, in dem man Mais oder Bohnen anpflanzt, dann kann eine Elefantenherde das Ganze innerhalb einer Nacht komplett zerstören. Sie zerstören damit nicht nur das Einkommen der Familie sondern ihre gesamte Lebensgrundlage." Daher müsse man den Menschen vor Ort irgendeinen Anreiz bieten, die Tierbestände zu erhalten, meint Virtue. Wenn die Menschen keinen Vorteil davon hätten, dass sie Elefanten in ihrem Gebiet duldeten, dann würden die Tiere ohnehin getötet. Als Beispiel führt Virtue Nordeuropa an. wo Wölfe und Bären weitgehend ausgestorben sind: "Die Menschen wollten sie dort einfach nicht haben."

Jagd im Interesse des Artenschutzes?

Unter diesen Umständen ist eine kontrollierte Jagd oft die bessere Alternative, sagt auch WWF-Sprecher Gramling. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass keine gefährdeten Arten gejagt würden, dass die Jagd unter strenger gesetzlicher Kontrolle stattfinde und dass die Population der gejagten Arten nicht abnehme. Außerdem müssten die Erlöse aus der Jagd den Menschen vor Ort oder dem Naturschutz zugutekommen, sagt der Umweltschützer. Der WWF toleriert die legale Trophäenjagd, um die Wilderei einzudämmen. Gerade Botsuana führt Sprecher Gramling als Beispiel an. Dort wurde die Jagd von 2001 bis 2003 verboten. Ausgerechnet in diesen Zeiten nahm die Wilderei nach Angaben des WWF dramatisch zu.

Spaniens König Juan Carlos verlässt das Krankenhaus (Foto: REUTERS/Andrea Comas)

Spaniens König Juan Carlos verlässt das Krankenhaus

Trotzdem hat die öffentliche Aufmerksamkeit für die Jagdaktivitäten des WWF-Ehrenvertreters Juan Carlos eine der weltgrößten Naturschutzorganisationen in Bedrängnis gebracht. Spender wollen wissen, ob Geld aus solchen Trophäenjagden auch in die Naturschutzprojekte des WWF in Afrika fließt. Aber das verneint WWF-Sprecher Roland Gramling nachdrücklich: "Wir nehmen kein Geld von Trophäenjägern an", sagt er, räumt aber ein. "Der WWF toleriert die Jagd unter gewissen Voraussetzungen. Wichtig ist dabei, dass die Gelder und Erlöse aus der Jagd den Menschen vor Ort zugute kommen. Das heißt, dass die Gemeinden vor Ort von dieser Jagd profitieren und dort zum Beispiel Schulen gebaut werden oder, dass das Geld wieder in den Naturschutz investiert wird."

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