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Wirtschaft

"Tropfen in einem Ozean"

Vom Tempel Angkor Wat bis zu den Ruinen von Olympia - die Liste des Welterbes wird immer länger, sein Erhalt immer teurer. Weil die Staatskassen leer sind, soll es jetzt die Wirtschaft richten. Droht der Ausverkauf?

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Angkor Wat: Kasse machen mit dem Welterbe?

Jedem Notar würden die Augen übergehen bei diesen Erbstücken. 754 Schätze in 129 Ländern stehen auf der Liste. Gut, dass sie nicht einem einzelnen Erben zufallen, sondern der ganzen Menschheit. Seit 1972 gibt es das "Internationale Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt". Seither können die Staaten Kultur- und Naturstätten in ihrem Gebiet für die Aufnahme in die "Liste des Welterbes" nominieren. Damals haben die Staaten versprochen, Denkmäler mit "außergewöhnlichem universellem Wert" gemeinsam zu schützen.

582 Kulturstätten und 149 Naturstätten dürfen sich inzwischen mit dem Label "Welterbe" schmücken, weitere 23 Stätten fallen sogar in beide Kategorien. Und vor den Türen der Unesco drängeln sich die Kandidaten, die gerne in den exklusiven Club möchten. Wer rein darf, entscheidet das Welterbe-Komitee der Unesco. Vom 28. Juni bis 7. Juli treffen sich die 21 Vertreter in Suzhou, China zu ihrem diesjährigen Treffen. Dort entscheiden sie über die Bewerbung von 41 Stätten, die nur ein Ziel haben: Welterbe zu werden.

Kleiner Geldtopf für große Aufgaben

Fast Tausend Stätten zu erhalten, kostet Geld. Für einen Teil der Kosten gib es den Welterbe-Fonds, dessen Mittel ebenfalls das Komitee vergibt. Doch mit gerade einmal zwei Millionen US-Dollar im Jahr an Beiträgen ist er nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Zudem wird das Geld aus dem Welterbefonds vor allem dazu verwendet, armen Ländern bei ihrer Bewerbung für die Welterbe-Liste zu helfen oder in Notfällen wie im Irak einzuspringen, erklärt Dieter Offenhäußer, Pressesprecher der Deutschen Unesco-Kommission in Bonn im Gespräch mit DW-WORLD. "Das ist nicht das Geld, das dazu ausreichen soll, um 754 Stätten weltweit zu erhalten. Denken Sie allein an die Probleme, die eine Stadt wie Venedig hat, da wären die zwei Millionen ein Tropfen in einem Ozean, der immer mehr an den Grundfesten dieser Stadt leckt."

Kein warmer Geldregen von der Unesco

Viele Welterbestätten würden sich zwar freuen, wenn von der Unesco nicht nur Tropfen, sondern ein Geldregen kommen würde. Doch das war 1972 gar nicht so gedacht. Die Aufnahme in die Welterbe-Liste bringt Prestige, um die Schutzmaßnahmen müssen sich die Regierungen laut Vertrag selbst kümmern. Doch nicht alle Länder können das leisten und selbst in den reichen Ländern plätschern die öffentlichen Gelder immer spärlicher. Die Welterbe-Stätten müssen immer mehr versuchen, andere Geldquellen zum Sprudeln zu bringen.

Wo die liegen könnten, erklärt Dieter Offenhäußer: "Wir müssen zunehmend auch im Bereich des Welterbes auf das private Engagement zurückgreifen." Die Ruinen von Angkor mit dem weltberühmten Tempel Angkor Wat seien ein Beispiel dafür, wie das funktionieren kann. Dort seien eine ganze Menge privater Unternehmen aktiv. "Es gibt da auch eine Privatfirma, die Eintrittsgelder verlangt und diese Eintrittsgelder dann wieder einsetzt, um das Welterbe zu schützen."

Kein Werbung auf dem Welterbe

Marie-Therese Albert steht dem Welterbe-Sponsoring da schon kritischer gegenüber. Die Inhaberin des Unsesco-Lehrstuhls für das Welterbe an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus hat zwar prinzipiell nichts gegen stärkeres privates Engagement. Aber Albert sieht durchaus die Gefahr, dass die Interessen der Sponsoren der Idee des Welterbes auch widersprechen könnten. "Wenn eine große Firma, die ein Weltkulturerbe wie den Kölner Dom oder die Berliner Museumsinsel schützt, überall jetzt ihre dicken Labels dran klebt, halte ich das für daneben, weil das den ganzen Eindruck dieses Welterbes kaputtmacht." Die Unternehmen könnten aber natürlich in ihren Broschüren mit dem Engagement werben, sagt Albert.

Wenig Interesse von der Wirtschaft

Dass es nicht so leicht scheint, die Interessen von Unternehmen und die Idee des Welterbes unter einen Hut zu bringen, zeigt die 2002 von der UNESCO gestartete Initiative "Pact", die Wirtschaftsunternehmen zur Unterstützung der Kulturstätten gewinnen will. "Bisher konnten mit lediglich einer Handvoll Unternehmen Abkommen geschlossen werden", erklärt Joanna Sullivan von Pact in Paris. Das liegt sicher auch an der langen Vorlaufzeit, die ein Vertrag braucht und an der personellen Unterbesetzung - in der Abteilung arbeiten nur vier Leute. Es zeigt aber auch, dass selbst den Unternehmen die Geldbörse nicht mehr so locker sitzt.

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