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Europa

Tropfen auf dem heißen Stein: Ökostrom in Frankreich

Frankreichs Strommarkt ist geöffnet. Auf dem freien Markt werben nun neue Anbieter mit Dumpingpreisen um ihre Kunden. Ökostrom-Anbieter können da kaum mithalten.

Windrad auf einer grünen Wiese, davor grasen Kühe (Foto: Siegfried Forster)

Ökostrom ist in Frankreich ein wenig lukratives Geschäft

Die niedrigen Preise der etablierten Stromanbieter zu unterbieten, ist eine der Hürden, die alternative Stromanbieter überwinden müssen. Aber nicht nur das: klassische Unternehmen profitieren steuerlich davon, dass sie den "grünen" Strom weiterleiten: So ist das staatliche Unternehmen Electricité de France (EDF) verpflichtet, Festpreise für die Weiterleitung jeder Kilowattstunde zu berechnen. Und diesen Festpreis kann das Unternehmen später steuerlich geltend machen.

Der Atomstrom wird mit dem Bau eines neuen Reaktors gefördert. Anfang des Jahres gab die Regierung den Bau eines zweiten Reaktors in Auftrag. Die Franzosen selbst sind von Atomstrom nicht besonders begeistert. Rund 80 Prozent befürworten Umfragen zufolge erneuerbare Energien. Aber wenn es um den Wechsel geht, scheint es ihnen schwer zu fallen: nur 0,01 Prozent der Haushalte beziehen tatsächlich Ökostrom. 98 Prozent aller Haushalte sind weiterhin Stromkunde bei EDF.

Marktführer EDF ist "übermachtig"

Ein französisches Atomkraftwerk in Flamanville in der Normandie (21.10.2004/AP)

Electricite de France (EDF), hat mit Atomstrom das Monopol auf dem französischen Markt

EDF ist in Frankreich weitaus mehr als nur ein Unternehmen, es ist eine Institution: Vielen dient die Stromrechnung von EDF selbst in Geschäften oder bei Behörden als Ausweis, mit dem sie ihre Identität nachweisen können. Jeder zweite Franzose weiß nicht einmal, dass er seinen Stromanbieter wechseln kann.

Ein Konkurrenzkampf, den auch ein Ökostrom-Unternehmen wie Enercoop kaum gewinnen kann. Trotzdem ist Unternehmenschef Patrick Behm erstaunlich optimistisch: "Heute haben wir 3200 Verbraucher, und wir wollen bis 2011 mindestens 10.000 Kunden erreichen. Dann können wir wirtschaftlich arbeiten." Sein Unternehmen habe eine Mission: es solle Kunden dazu bewegen, möglichst rational mit ihrem Strom umzugehen, so Behm. Das gelte natürlich auch für das Unternehmen selbst.

Es geht nicht nur um Geld

Ein Windrad von unten fotografiert (Foto: Siegfried Forster)

Öko-Strom ist zwar teurer, schützt aber die Umwelt

Enercoop scheint von A bis Z ein Projekt von Überzeugungstätern zu sein. Sie kooperieren mit Betreibern von Windkraft- und Solaranlagen, Umweltverbänden wie Greenpeace oder WWF und der Biokette Biocoop. Der Strom wird direkt von den Ökostrom-Erzeugern an die Verbraucher weiter verkauft - ohne Zwischenhändler oder den Umweg über Institutionen, die Umweltzertifikate vergeben.

Die meisten Kunden sind selbst engagiert und haben sich ganz bewusst für den teureren Öko-Strom entschieden. Denn Atomstrom ist nirgendwo in Europa so günstig wie in Frankreich. Der Ökostromkunde muss da ganz schön tief in die Tasche greifen, erklärt Behm: "Unser Preis für Ökostrom liegt auf dem gleichen Niveau wie in den anderen Ländern in Europa. Für einen durchschnittlichen Haushalt entstehen so monatliche Mehrkosten von ungefähr zehn Euro."

Alternative Wirtschaftsmodelle als Chance

Trotz Atomstrom zum Tiefpreis und Wirtschaftskrise sieht Patrick Brehm eine Chance für sein Unternehmen: "Ich denke, für den gesamten alternativen Sektor ist das eine Gelegenheit, seine Vorzüge gegenüber einem klassischen Wirtschaftsmodell zu zeigen, das an seine Grenzen stößt." Er setzt auch weiterhin auf überzeugte Kunden, die für "grünen Strom" gerne tiefer in die Tasche greifen.

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