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Kultur

Trommeln für mehr Verständnis

Bruder Martin aus Kamerun lebt seit den 70er Jahren in Deutschland. Mit seinem Verein "Afrika Präsenz" sammelt er Spenden. Er will für mehr Verständnis zwischen den Kontinenten sorgen. Im Kindergarten fängt er an.

Afrikanischer Trommler mit Trommel

Trommeln zur Begrüßung: Bruder Martin zeigt deutschen Kindern afrikanische Bräuche

Bruder Martin trommelt. "Diese Trommel heißt Jembe." Er steht im Kreis von Kindergartenkindern und erklärt. Die Kinder sitzen in der Eingangshalle des Pforzheimer St. Ulrich Kindergartens auf Turnbänken und Turnmatten und schauen hoch zu dem evangelischen Pfarrer. "Ihr könnt hören, wie das klingt." Er trommelt weiter. "Jetzt habe ich euch begrüßt. Wisst ihr, wie wir uns gegenseitig begrüßen? Einfach so." Er klatscht in die Hände. Die Kinder machen mit, fangen an zu klatschen. Einige wippen gleich mit dem ganzen Körper. Immer im Rhythmus der Trommel.

"Und jetzt bin ich dran mich vorzustellen. Mein Name ist Nu-bam-jo, alle zusammen", ruft Bruder Martin. Die Kinder rufen seinen Namen. "Der Name kommt aus Kamerun und bedeutet 'die guten Dinge der Vergangenheit'. Als ich geboren wurde, waren die Erfahrungen meiner Vater und Mutter nicht so gut und dann haben sie sich an die schöne Vergangenheit erinnert und mich Nubamjo genannt."

Kindersoldaten aus Uganda

Kindersoldaten aus Uganda: "Warum gibt es Krieg in Afrika?"

Aber hier in Deutschland heißt Nubamjo einfach Bruder Martin. Für die Kinder hat er sich extra ein Hemd aus seiner Heimat Kamerun angezogen. Über der schwarzen Hose trägt er es: Es ist gelb-blau und wird "Banjo" genannt. Den 3 bis 6 Jahre alten Mädchen und Jungen erzählt Bruder Martin, wie die Kinder in Afrika leben, dass viele keinen Kindergarten besuchen. Und wenn sie in die Schule kommen, dann tragen sie ihre Bücher nicht etwa im Schulranzen - sondern auf dem Kopf.

Bücher auf dem Kopf

Wie das geht, das zeigt er dann gleich mit einem Stapel Bilderbücher, der neben ihm liegt: "Schaut mal: Solche Bücher müssen die Kinder in Kamerun auf dem Kopf tragen. Auf meinem Kopf kann ich viele Sachen tragen. Wenn ich Durst habe, dann kann ich Wasser trinken und den Rest in einem Glas auf meinem Kopf tragen." Ganz still ist es auf einmal. Denn jetzt spaziert der 61 Jahre alte Mann mit einem vollen Glas Wasser auf dem Kopf im Kreis herum.

Die Kinder staunen. "Warum tragen die Leute Sachen auf dem Kopf?", fragt ein kleines Mädchen. "Ihr müsst Euch vorstellen, dass es bis in die 50er Jahre kaum Autos in Kamerun gab. Deshalb mussten die Leute alles so tragen", erklärt der Pastor. "Und wenn unsere Eltern auf dem Feld gearbeitet haben, mussten wir kommen und alles auf dem Kopf tragen. So ist es noch immer in vielen Gegenden von Afrika. Viele Sachen werden auf dem Kopf getragen."

Es ist nicht das Einzige, was die Kinder verwundert. Sie haben so viele Fragen zu dem fremden Kontinent. Gibt es in Afrika Löwen? Gibt es in Kamerun Flugzeuge? Und gibt´s in Afrika eigentlich Hühner? Bruder Martin antwortet geduldig.

Warum gibt es Krieg in Afrika?

Huhn auf afrikanischem Markt

"Gibt es in Afrika eigentlich Hühner?", fragt ein Kind.

Manche Fragen sind aber schon etwas schwieriger: "Warum gibt es in Afrika Krieg?", möchte ein Kind wissen. Da ist die Antwort nicht einfach. "Krieg gibt es und das ist schrecklich. Wir können nur an die internationalen Organisationen appellieren zu intervenieren, damit kein Bürgerkrieg mehr entsteht", erläutert Bruder Martin. "Die Ursache dieser Kriege ist die Ungerechtigkeit. Wo die Reichen immer reicher werden und die Armen immer ärmer, entstehen Konflikte."

Internationale Organisationen, Bürgerkriege – all das verstehen die Kleinen sicher noch nicht. Aber heute hören sie von einem Afrikaner viel über das Leben auf dem fernen Kontinent. Und davon wird einiges bei den Kindern hängen bleiben, da ist sich Angelika Schneider, die Leiterin des Kindergartens, sicher: "Das ist eine Chance für uns, da es uns auch wichtig ist, den Kindern zu vermitteln, dass es andere Kulturen gibt. Sie sind fasziniert davon. Dass Bruder Martin ihnen persönlich etwas erzählt, kommt bei den Kindern toll an. Da bleibt mehr hängen, als wenn man nur ein Bilderbuch anschaut."

"Ich möchte dich wieder sehen"

Bruder Martin ist mit vollem Herzen dabei. Seine Augen strahlen und liebevoll schaut er seine jungen Zuhörer an, wenn er ihnen seine Geschichten erzählt. Ihm mache die Unbefangenheit der Kinder besonders viel Spaß, sagt er. Sie seien noch offen für fremde Kulturen, ganz ohne Vorurteile.

Immer wieder bezieht der Pastor die Kinder mit ein und am Ende bekommen sie noch ein bisschen Sprachunterricht: "Ich habe euch ein Wort aus Kamerun mitgebracht. Man sagt es zur Begrüßung. Es heißt Oita." Zusammen sagen alle den afrikanischen Begriff. "Oita bedeutet einen schönen guten Morgen, einen schönen guten Tag." Bruder Martin möchte den Kindern aber auch noch ein anderes Wort beibringen. Es heißt Ohobo – und bedeutet "ich möchte dich wieder sehen."

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