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US-Präsidentschaftswahl

Triumph für Trump

Im Wahlkampf hat er keine gute Figur gemacht und viele haben damit gerechnet, dass sich Trump niemals gegen Clinton durchsetzen wird. Mit seinem Sieg gelingt ihm eine politische Sensation.

Überraschend und entgegen der allermeisten Umfragen hat Donald Trump das Rennen um den Einzug in das Weiße Haus gewonnen. Vor Anhängern in Manhattan erklärte er: „Ich werde Präsident aller Amerikaner sein". Zu Beginn seiner Rede dankte der Republikaner - unter verhaltenem Applaus seiner Zuhörer – zunächst seiner Konkurrentin Hillary Clinton, die ihm zuvor telefonisch ihre Glückwünsche ausgerichtet hatte. Clinton verzichtete in der Nacht  auf eine Rede. Ihre Niederlage dürfte das Ende ihrer politischen Karriere bedeuten.

Vor allem in mehreren Bundesstaaten im sogenannten Rostgürtel der USA, einer einst florierenden und inzwischen vom wirtschaftlichen Abschwung geprägten Industrieregion, konnte die Demokratin nicht überzeugen. Trump konnte dagegen die besonders umkämpften Staaten Florida, North Carolina, Ohio und Wisconsin überraschenderweise für sich entscheiden. Clinton gewann von den sogenannten Swing States lediglich Nevada, Virginia und Colorado und geriet damit ins Hintertreffen.

Über 270 Wahlleute

Nach letzten Prognosen der US-Sender kam der Unternehmer auf mindestens 289 Wahlleute, erforderlich sind 270. Florida leitete die Wende ein: Nachdem dort der Wahlausgang lange auf Messers Schneide stand, konnte schließlich Trump das Rennen in dem Schlüsselstaat mit 29 Wahlmännern für sich entscheiden. Der letzte Funken Hoffnung erlosch in Clintons Lager kurz bevor Trumps Sieg in Pennsylvania offiziell wurde. Das Ergebnis brachte ihn über die magische Schwelle von 270 Wahlleuten. Auch in den traditionell demokratischen Bundesstaaten Michigan und Wisconsin war der Populist überraschend stark. Clinton punktete vor allem im Nordosten und in den Westküstenstaaten.

Durch und durch republikanisch

Der Milliardär wird am 20. Januar als der 45. Präsident in das Weiße Haus einziehen. Er kann beim Regieren auf eine komfortable Mehrheit seiner Republikaner im US-Repräsentantenhaus und im Senat setzen. Über deren Zusammensetzung wurde parallel mit den Präsidentschaftswahlen abgestimmt. So verteidigten sie wie erwartet ihre Mehrheit im 435 Sitze zählenden Repräsentantenhaus. Derzeit haben die Republikaner dort 246 Sitze, die Demokraten 186. Bis zuletzt hatten die Demokraten darauf gehofft, wenigstens die Mehrheit im Senat zurückzuerobern. Aber auch dort blieb die Mehrheit bei den Republikanern, so dass Trump vorerst freie Bahn beim Regieren hat. Mit der Mehrheit seiner Parteifreunde im Kongress im Rücken kann er zahlreiche von seinem Vorgänger Barack Obama durchgesetzte Reformen wieder rückgängig machen.

Von Präsident zu Präsident 

Der scheidende Präsident Obama hat seinem Nachfolger zum Wahlsieg gratuliert. Beide wollten sich nach Informationen von CNN am Donnerstag treffen. Zunächst hatten vor allem Politiker und Amtsträger aus dem rechtspopulistischen Lager Trump beglückwunscht. Inzwischen haben sich auch moderatere Vertreter zum Wahlausgang zur Wort gemeldet. So will sich die EU so bald wie möglich mit ihm bei einem Gipfeltreffen austauschen. "Es ist heute wichtiger denn je, die transatlantischen Beziehungen zu stärken", erklärten EU-Ratspräsident Donald Tusk und EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker in ihrem Gratulationsschreiben. Auch EU-Parlamentspräsident Martin Schulz will dem designierten US-Präsidenten Donald Trump eine Chance zur Zusammenarbeit mit Europa geben, verweist in seiner kurzen Gratulationsrede in Brüssel aber auf mögliche Schwierigkeiten.

Video ansehen 00:31

Martin Schulz: ''schwieriger Moment in den Beziehungen zwischen der EU und den USA''


Proteste in Kalifornien

Wie tief gespalten die Gesellschaft nach dem Wahlausgang ist, zeigen erste Proteste in Kalifornien. In Oakland setzten Demonstranten ein Porträt von Trump in Brand, schlugen die Scheiben von Geschäften ein und zündeten Autoreifen sowie Müll an. Einige Kilometer entfernt demonstrierten Studenten auf dem Campus der Universität von Berkeley gegen den Wahlsieger. Auch an der Universität von Kalifornien in Davis gingen Studenten auf die Straße. Sie skandierten Twitter-Mitteilungen zufolge: "Du bist nicht Amerika, wir sind Amerika".   

US-Präsidentschaftswahl 2016 - Proteste und Ausschreitungen in Oakland, Kalifornien (Reuters/N. Berger)

Proteste und Ausschreitungen in Oakland

Börsen in Panik

Bereits die Aussichten auf einen möglichen Sieg Trumps sorgen für Talfahrten an den Börsen. Die US-Aktienmärkte sackten am Mittwoch im nachbörslichen Handel um mehr als fünf Prozent ab. An der Börse in London zeichnete sich bereits ein dickes Minus ab: Dort fielen die Kurse für Termingeschäfte wenige Stunden vor Handelsbeginn um mehr als vier Prozent. Auch die asiatischen Börsen waren auf Talfahrt: Die Börse in Tokio stürzte um 5,5 Prozent ab, die Börse in Hongkong gab fast drei Prozent nach. Die mexikanische Währung fiel gegenüber dem Dollar auf ein historisches Rekordtief. Im Wahlkampf hatte sich Trump immer wieder abfällig über Mexikaner geäußert. Er wetterte immer wieder gegen Einwanderung, internationale Handelsabkommen und Globalisierung und machte diese für den Verlust von Arbeitsplätzen in den USA verantwortlich.

bri/sti (afp, dpa)

 

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