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Afrika

Triumph der Tuareg-Rebellen in Nordmali

Eine Tuareg-Miliz hat die nordmalische Stadt Kidal unter ihre Kontrolle gebracht. Der Verhandlungsspielraum für den Präsidenten ist gering. Der fragile Frieden der letzten Monate steht auf dem Spiel.

Jetzt haben die Tuareg-Rebellen der Nationalen Bewegung für die Befreiung des Azawad (MNLA) in Kidal das Sagen. Mit militärischer Präzision zieht Rebellensprecher Moussa ag Assarid beim Telefonat mit der DW die Bilanz der entscheidenden Kämpfe: "Die malische Armee hat das Feuer um 10:08 Uhr mit schwerem Geschütz eröffnet. Unsere Truppen haben innerhalb einer Viertelstunde zurückgeschlagen. Um 14:40 Uhr endeten die Kämpfe mit dem Sieg der Armee des Azawad." Erst einen Tag später bestätigt auch Malis Regierung in Bamako den Sieg der Rebellen, die sich selbst als Repräsentanten der Tuareg-Bevölkerung in Nordmali verstehen.

Burkina Faso Mali-Abkommen in Ouagadougou (Foto: Getty Images

Verhandlungen über den Status des Nordens verliefen bislang erfolglos

Bereits seit Jahrzehnten gibt es unter den Tuareg Menschen, die einen eigenen Staat im Norden Malis mit Namen Azawad fordern - und teils auch gewaltsam durchsetzen wollen. Die

jüngsten Kämpfe

waren ausgebrochen, als Ministerpräsident Moussa Mara die Stadt besucht hatte - als erster hoher Regierungsvertreter seit der Wahl des neuen Präsidenten Ibrahim Boubacar Keita im August 2013.

Selten wagten sich auch ausländische Journalisten in das rund 1500 Kilometer von der Hauptstadt Bamako entfernte Kidal vor - zuletzt ARD-Korrespondent Alexander Göbel im März 2014. Als "gespenstisch und absurd" beschreibt er die Situation, die sich ihm darbot, als er die Stadt im Schutz eines Armeekonvois erreichte: "Wer nach Kidal hineinfährt, wird dort von den Fahnen des Azawad empfangen, nicht von der malischen Fahne. Damit ist sofort klar, dass die Tuareg-Rebellen die Herren im Hause sind."

Pulverfass Kidal

Schon damals sei die Stadt ein Pulverfass gewesen, das jeden Moment habe explodieren können, sagt Göbel der DW. Nachts habe er häufig Schüsse gehört. 2012 hatte die MNLA schon einmal Nordmali unter ihre Kontrolle gebracht - im Bündnis mit

islamistischen Milizen

. "Die Lage hat sich dort nicht verbessert, seit französische Truppen die Islamisten vertrieben haben." In der Masse seien die islamistischen Gruppen zwar verschwunden, so Göbel: "Aber sie haben sich in kleinere Einheiten verwandelt, die jetzt von den Tuareg-Separatisten profitieren."

Seit Monaten laufen Verhandlungen zwischen der Regierung und der MNLA um den Status des Nordens, für den die Rebellen eine weitgehende Autonomie fordern. Doch ein Kompromiss war auch vor den jüngsten Entwicklungen nicht in Sicht. Maras Reise in das Einflussgebiet der MNLA am Wochenende empfanden die Rebellen offenbar als Affront.

Regierung hilflos

Seitdem hat die MNLA ihre Kontrolle möglicherweise in Richtung der algerischen Grenze ausweiten können. Auch die Orte Ménaka, Tessalit und Aguelhoc seien in MNLA-Hand, sagte ein Sprecher der Miliz gegenüber der Deutschen Welle. Die Positionen der Armee außerhalb Kidals seien noch intakt, hieß es hingegen aus dem malischen Verteidigungsministerium. Doch die Regierung ist in Bedrängnis. Präsident Keita forderte am Donnerstag einen sofortigen Waffenstillstand, auf den die Rebellen bisher nicht eingingen. Er plane, die französische Militärmission in Mali um Hilfe zu bitten, verkündete Verteidigungsminister Soumeylou Boubèye Maïga im malischen Fernsehen.

Französischer Soldat in Mali (Foto: REUTERS)

Schon 2013 bekam Mali Unterstützung französischer Soldaten

Aus dem Kampf um Kidal hatten sich die internationalen Truppen bisher herausgehalten. Der Alleingang der malischen Armee sei bezeichnend, sagt Journalist Göbel. "Das haben sie wahrscheinlich getan, um klarzumachen: Wir sind ein souveräner Staat und nehmen uns dieser Probleme selbst an." Doch für Göbel ist klar: Ohne internationale Unterstützung wird es nicht gehen. "Ich fürchte, dass die internationale Gemeinschaft jetzt schnell reagieren und die malische Armee in die Lage versetzen muss, gegen die MNLA zu kämpfen." Sonst sei Mali bald wieder an dem Punkt, an dem es schon 2012 stand - als der Siegeszug der islamistischen und Tuareg-Milizen im Norden begann. Damals nahmen die Rebellen zwei Drittel des Landes ein und erklärten die Unabhängigkeit dieses Gebiets. Erst, als sie kurz vor der Hauptstadt standen, konnten die zur Hilfe gerufenen Franzosen den Vormarsch stoppen.

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