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Politik

Triumph der Person über die Politik

Ein armer Einwanderer wird Filmstar und erringt das höchste Amt in Kalifornien. Durch die Wahl von Arnold Schwarzenegger haben die Bürger den bisherigen Gouverneur abgestraft, aber auch die Katze im Sack gekauft.

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Ein Vergleich mit Ronald Reagan liegt für viele Menschen weltweit und auch vermutlich für die Wähler in Kalifornien auf der Hand. Als Filmschauspieler nutzte Reagan seinen Bekanntheitsgrad und sein gewerkschaftliches Engagement als Sprungbrett für eine politische Karriere. Die führte ihn ins Gouverneursamt in Kalifornien und später sogar ins Weiße Haus, wo er durchaus erfolgreich als "Großer Kommunikator" und Freund des "Big Business" agierte.

Aber der Vergleich mit Reagan ist nur wenig hilfreich. Denn er erklärt den Erfolg von Arnold Schwarzenegger nur unzureichend. Reagan war ein gewiefter erzkonservativer Politiker mit klarer Programmatik, als er sich anschickte, Gouverneur von Kalifornien zu werden. Er bot klare inhaltliche Alternativen zu den Demokraten an.

Arnie-Erfolgsstory

Die Wähler in Kalifornien haben mit Schwarzenegger aber die Katze im Sack gekauft: Er hat nicht einmal ansatzweise ein politisches Programm vorgelegt. Das ist das Erstaunliche und zugleich das Besorgniserregende an dieser Wahl. Die Prognosen der Experten, dass das Fehlen programmatischer Aussagen die Achilles-Ferse Schwarzeneggers sein würde, erwiesen sich als falsch. Sogar die Medien in Kalifornien spielten kräftig mit - zugunsten von Schwarzenegger. Sie bohrten selten beim Kandidaten nach und setzten auf die Arnie-Erfolgsstory. Das brachte Quote.

Die Taktik Schwarzeneggers ging nur deshalb auf, weil die Wahl eindeutig eine Protestwahl war, wie die für amerikanische Verhältnisse ungewöhnlich hohe Wahlbeteiligung von etwa 60 Prozent belegt. Die normalen Regeln der Politik wurden einfach außer Kraft gesetzt. Die Wähler wollten ihr Missfallen über die Politik des demokratischen Gouverneurs Gray Davis zum Ausdruck bringen: Der hatte vor, das Haushaltsdefizit von 40 Milliarden Dollar durch neue Steuern abzubauen. Es war ihm auch nicht gelungen, Leistungen der öffentlichen Hand wie Bildung, Gesundheit und Transport zu verbessern. Die Wirtschaft liegt brach. Die Kriminalitätsrate ist hoch.

Positiv besetzte Weltmarke

Vor diesem Hindergrund konnte Schwarzenegger - wie einst Ronald Reagan - im Wahlkampf sein beträchtliches schauspielerisches Talent einsetzen, um einfache Botschaften mediengerecht zu verkünden. Gegenüber Reagan war Arnie sogar im Vorteil: Er ist ein Weltstar, der im Kino den Helden abgibt, den Sympathischen, der das Böse besiegt oder einfach "terminiert". Die Marke Schwarzenegger ist positiv besetzt und gut eingeführt: ein Siegertyp. Und die Millionen, die er im Filmgeschäft verdient hat, reichten, um einen effektiven Wahlkampf zu führen. So konnte er einen Parteifreund und Milliardär, der das Abwahlverfahren eingeleitet hatte, leicht aus dem Rennen werfen.

Außerdem gelang es Schwarzenegger, die Diskussion um seine Person in Grenzen zu halten. Er soll regelmäßig Frauen belästigt und einst Bewunderung für Adolf Hitler geäußert haben. Im normalen Politikbetrieb in den USA hätten solche Anschuldigungen das Aus für jeden Politiker bedeutet. Nicht aber für den Leinwandhelden. Mit einer geschickten Kombination aus Reue und Dementis hielt er den drohenden Skandal unter Kontrolle. Ihm kam dabei entgegen, dass die Wähler offenbar den Helden nicht stürzen sehen wollten.

Happy-End noch offen

Die Wahl Schwarzeneggers könnte die Wähler aber noch teuer zu stehen kommen. Niemand scheint sich daran zu stören, dass Schwarzeneggers Wunsch nach Konsens leicht und schnell an der Realität leerer Haushaltskassen scheitern könnte. Es ist völlig offen, ob die Berater, die Schwarzenegger angeheuert hat, ihm den richtigen Weg zeigen werden, ob es dem politisch völlig unerfahrenen Schwarzenegger gelingt - wie einst Ronald Reagan – sich im harten politischen Alltagsgeschäft durchzusetzen und Visionen zu entwickeln. Noch ist also unklar, ob das Drehbuch für den Politiker Schwarzenegger und für die Menschen Kaliforniens ein "Happy End" vorsieht.