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Europa

Triumph der barfüßigen Elfe

Die Dänin Emmelie de Forest konnte ihr Glück kaum fassen: Im Finale überzeugte die Sängerin über 11.000 Zuschauer in der ausverkauften Malmö Arena und ein Millionenpublikum vor den Bildschirmen.

Emmelie de Forest aus Dänemark. Foto: REUTERS/Jessica Gow/Scanpix Sweden

ESC Eurovision Song Contest in Malmö Dänemark

Bei der fünftletzten Punktevergabe war Emmelie in der Wertung nicht mehr einzuholen. Auf Platz zwei und drei landeten Aserbaidschan und die Ukraine. Dabei hatten die Buchmacher ein knappes Kopf-an-Kopf-Rennen vorausgesagt. Ganz oben in der Gunst stand von Anfang an die dänische Dauerfavoritin mit ihrem Lied "Only Teardrops", dicht gefolgt von der norwegischen Eisprinzessin Margaret Berger mit "I Feed You My Love". Als Geheimtipp hatte es die Niederländerin Anouk mit ihrem melancholischen Lied "Birds" unter die Titelaspiranten gebracht.

Zumindest in puncto Emmelie de Forest behielten die Wettbüros recht. Gerade mal 20 Jahre alt ist die Siegerin, hat aber schon eine beachtliche Musikerkarriere hinter sich. Schon mit 14 tourte sie mit dem schottischen Musiker Fraser Neill durch die Lande, sang alles von Nirvana bis Johnny Cash. Im ESC-Contest gab sie sich als zarte Elfe im weißen Flatterkleid. Ihr Markenzeichen sind die nackten Füße: "Ich habe immer schon ohne hohe Schuhe gesungen. Barfuß fühle ich mich der Erde näher. Das macht mich entspannter", hatte sie im Vorfeld der Presse anvertraut.

Sängerin Emmelie de Forest Foto: Joerg Carstensen/dpa

Erdverbunden und charismatisch

Begleitet wurde die zarte Emmelie von zwei Trommlern und Flötenklängen. Ob sich auch die britische Queen für die Siegerin freut? Schließlich hatte die dänische Sängerin kürzlich enthüllt, mit dem britischen Königshaus verwandt zu sein. Ihr Großvater war ein uneheliches Kind von Edward VII.

Geburtstagsgeschenk mit Botschaft

Als Emmelie den Vorentscheid zum ESC gewonnen hatte, sagte sie: "Es war das beste Geburtstagsgeschenk, das ich bekommen konnte." Jetzt kann sich die strahlende Siegerin doppelt freuen. Und eine Botschaft hat sie auch: "'Only Teardrops' hat eine wirklich gute Melodie und ein gutes Tempo. Es gibt dem Zuhörer etwas zu denken, wie wir miteinander und mit unserer Welt umgehen. Es ist nicht nur melancholisch, sondern macht auch Hoffnung auf eine bessere Zukunft."

Margaret Berger aus Norwegen. Foto: REUTERS/Jessica Gow/Scanpix Sweden

Margaret Berger aus Norwegen gilt mit ihrem unterkühlten Auftreten als "die Eisprinzessin"

Auf den weiteren Rängen kam es dann doch anders als erwartet. Norwegens Eisprinzessin Margaret Berger sackte auf den vierten Platz ab. Überraschend schossen Aserbaidschan und die Ukraine nach oben. Lange kämpften und bangten sie um den zweiten Platz: Letztendlich behielt der Aserbaidschaner Farid Mammadov die Oberhand. Sein "Hold Me“ hat Ohrwurmqualitäten; die Show mit einem Alter Ego des Sängers im Glaskasten punktete mit Originalität. Die Ukrainerin Zlata Ognevich musste sich mit Platz drei zufrieden geben.

Koza Mostra mit Agathon Iakovidis aus Griechenland. Foto: REUTERS/Jessica Gow/Scanpix Sweden

"Alcohol is free": auch zu Krisenzeiten in Griechenland

Gewinner und Verlierer

Gute Chancen hatten lange auch die Sirtaki tanzenden temperamentvollen Griechen Koza Mostra & Agathonas Iakovidis mit  "Alcohol Is Free". Letztlich reichte es für einen beachtlichen sechsten Rang. Unter den Top Ten fand sich auch Gianluca Bezzina aus Malta wieder. Er ist Kinderarzt und will es auch bleiben. Mit seinem strahlenden Lächeln, jungenhaften Charme und dem ansteckenden Liedchen "Tomorrow“ hat er die Buchmacher ausgetrickst und sich in die oberen Ränge gesungen.

Abgeschlagen hingegen landete Großbritanniens Bonnie Tyler auf den hinteren Rängen: Alle Grammy Awards ihrer Karriere konnten am Urteil der Jury und der Zuschauer nichts ändern - nach Engelbert Humperdincks schmachvollem Abschneiden im vergangenen Jahr erneut ein harter Schlag für die Briten. Noch härter traf es Irland, die Nation, die die Siegerliste der ESC-Geschichte mit sieben Siegen anführt: Mit drei Punkten blieb nur der letzte Platz.

Die fünf Geldgeberländer der EBU - Frankreich, Spanien, Italien, Großbritannien und Deutschland - die sich als "Big Five" automatisch für das Finale qualifizieren, schnitten nicht gut ab. Deutschlands Hoffnung Cascada fand sich überraschend nur auf Platz 21 wieder, trug es aber mit Fassung.

Cezar aus Rumänien. Foto: REUTERS/Jessica Gow/Scanpix Sweden

Ob er auch Blut saugt? Singen kann er allemal: Cezar aus Rumänien

Lichtzauber und Partystimmung 

Rund 120 Millionen Fernsehzuschauer sahen den größten Musikwettbewerb der Welt. Der schwedische TV-Sender SVT hatte technisch ganze Arbeit geleistet und setzte die Bühne mit Lichterzauber, Feuersäulen und Dampfschwaden gekonnt in Szene. Durch die eher biederen Einspielfilmchen, die die einzelnen Interpreten vorstellten und sie meist im trauten Kreis der Familie porträtierten, flatterte natürlich auch der allgegenwärtige Schmetterling. Der bunte Falter war das Symbol des diesjährigen ESC und steht laut Veranstaltern für Schönheit, Freiheit und den Wechsel in eine bessere Welt. 

Moderiert wurde der Abend von der in Schweden äußerst beliebten Komikerin Petra Mede, die das Publikum in perfektem Englisch und Französisch begrüßte und den Song Contest in Malmö augenzwinkernd zum größten Wettbewerb in seiner 58-jährigen Geschichte erklärte. Das stimmt zwar nicht, passte aber zur überbordenden Stimmung im Saal. Den Schweden wird die Liebe zur Musik in die Wiege gelegt:  Hausmusik ist nicht verpönt und beim alljährlichen ESC-Casting, dem "Melodifestivalen", herrscht Volksfeststimmung. So auch am Finalabend. Viele Zuschauer hatten sich verkleidet - Einheimische wie Ausländer: Einträchtig schwenkten Russen ihre Nationalflaggen neben Griechen, Briten und Schweden im Takt der Musik.

Schwedischer Humor und eine überwältigte Siegerin

Krista Siegfrids aus Finland singt Marry me und küsst zum Schluss eine Tänzerin. Foto: REUTERS/Jessica Gow/Scanpix Sweden

Plädoyer für die gleichgeschlechtliche Ehe: "Marry Me"

Mehrere humorvolle Einspielfilmchen sorgten zusätzlich für gute Laune. Ein Eisbär spazierte durch Stockholm, im Schloss der königlichen Familie siedelte eine launige EBU-Reporterin Agnetha, Björn, Benny und Anni-Frid als Bewohner an, besser bekannt als Abba. Später am Abend überführte Inspector Barnaby Premierminister Frederik, der seine dreckige Tasse nicht in die Spülmaschine gestellt hatte. Und last but not least tanzte Moderatorin Mede singend über die Bühne, nahm ihre Landsleute liebevoll auf die Schippe und warb vor einem Millionenpublikum für Toleranz: Zwei Männer küssten sich auf der Bühne, und die Arena applaudierte lautstark. Überhaupt hob sich die lockere Atmosphäre positiv vom letzten Jahr ab, als Diskussionen über Menschenrechte und unzählige Polizeikontrollen in Aserbaidschan die Stimmung der Fans arg getrübt hatten.

In der Pressekonferenz zeigte sich anderthalb Stunden nach der Entscheidung eine überwältigte Emmelie de Forest, die kaum Worte fand. "Ich bin überglücklich, aber Sie müssen verstehen, dass mir gerade die Worte fehlen", lachte sie. "Tak! Danke Euch allen.“

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